Im April 2023 veröffentlichte die ISO ihre Er­geb­nis­se des zweiten User Survey zu ISO 14001. Die Umfrage wurde 2021 durch das für die Um­welt­norm zuständige Komitee ISO/TC 207 SC 1 or­ga­ni­siert. Die Absicht da­hin­ter: Er­kennt­nis­se über einen möglichen Re­vi­si­ons­be­darf von ISO 14001:2015 zu er­hal­ten, und darüber, wie sich eine fort­lau­fen­de Ver­bes­se­rung des Um­welt­welt­ma­nage­ments im Sinne aller Be­tei­lig­ten in Zukunft si­cher­stel­len lässt. Mit Blick auf den User Survey Report sprachen sich die Teil­neh­men­den klar gegen eine Norm­re­vi­si­on, aber für mehr Support aus.

Es kam jedoch anders: Das Komitee ent­schied sich nach Ab­schluss des User Surveys, aber noch vor Veröffentlichung der Er­geb­nis­se, die Norm zu überarbeiten. Damit wird das zuletzt im Herbst 2015 um­fas­send überarbeitete Re­gel­werk einer Revision unterzogen. Al­ler­dings gemäß dem User-Wunsch, keine neuen An­for­de­run­gen einzuführen. Erfahren Sie mehr in fol­gen­dem Blog­bei­trag.

ISO 14001 Revision geplant

Seit der letzten Überarbeitung von ISO 14001 sind nun fast neun Jahre vergangen – das ist eine lange Zeit, in der sich im großen Themenfeld „Umwelt“ einiges getan hat. Wie aus dem zuständigen Komitee ISO/TC 207 SC 1 selbst zu hören ist, wird ISO 14001 aktuell überarbeitet und einer „Revision light“ unterzogen. Der User-Wunsch nach mehr Support wurde ebenfalls in Teilen aufgegriffen, und zwar in der Form, dass die Änderungen weitestgehend auf den informativen Anhang A der Norm beschränkt bleiben sollen.

Als ausschlaggebend für die Revisions-Entscheidung wurden die vielen, teils dramatischen Veränderungen genannt, die sich im Umweltbereich in den letzten Jahren ergeben haben. Dazu gehören der Klimawandel, die offensichtliche Ressourcen-Knappheit, die Anwendung erneuerbarer Energien und nicht zuletzt auch die Anforderungen, die sich aus dem Wandel hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) ergeben.

Aktuell beschränkt sich ISO 14001:2015 lediglich auf die Betrachtung des Lebenswegs von Produkten und Dienstleistungen. Weitere wichtige Themen, die Eingang in die Umweltnorm finden sollen, sind die Sustainable Development Goals (SDGs) der UN und der Green Deal der EU.

 

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Le­bens­weg­be­trach­tung nach ISO 14001

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Welche Änderungen werden erwartet?

Verlässliche Details zu möglichen Änderungen sind noch nicht bekannt, da mit einem verbindlichen Entwurf (ISO DIS) frühestens im Sommer 2024 zu rechnen ist. Ein grober Überblick zu den geplanten Änderungen ist jedoch möglich:

  • Anpassung an die neue Harmonized Structure (HS) der ISO (ehemals High Level Structure)
  • Stärkere Betonung der Bedeutung der Umweltaspekte für den Klimawandel
  • Hervorhebung der Bedeutung des Reportings
  • Betonung einer chancenbasierten Herangehensweise
  • Präzisierungen in einigen Anmerkungen

Mit Blick auf den aktuellen Stand der ISO 14001 Revision wird allgemein von einer finalen Veröffentlichung im Herbst 2025 ausgegangen. Über eventuelle Fristen, die Unternehmen im Zug der Umstellung auf die neue Version einzuhalten haben, ist noch nicht entschieden. Es ist jedoch anzunehmen, dass die bislang übliche Drei-Jahres-Frist ab Normveröffentlichung zur Anwendung kommen wird. 

Neue ISO-Anforderungen zum Klimawandel

UNSER TIPP

Auch das In­ter­na­tio­na­le Ak­kre­di­tie­rungs­fo­rum (IAF) und die In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on für Normung (ISO) haben sich gemäß der „ISO London De­cla­ra­ti­on of Climate Change“ dazu ver­pflich­tet, die globalen Kli­ma­zie­le aktiv zu unterstützen. Als Folge wurde im Februar 2024 für 31 bestehende Managementsystemnormen im Kapitel 4 "Kontext der Or­ga­ni­sa­ti­on" eine Ergänzung vor­ge­nom­men.

Die­se ergänzenden An­for­de­rungen sind ab sofort in ge­plan­ten Audits um­zu­set­zen. Was das für Ihr Un­ter­neh­men be­deu­tet, erfahren Sie in der kostenfrei­en Auf­zeich­nung unseres Web­i­nars "Neue­run­gen bei den ISO-Stan­dards".

 

User Survey Report ISO 14001 

Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse

Der nunmehr zweite User Survey zur aktuellen Umweltnorm ISO 14001 startete im September 2021. Die erste Umfrage fand im Jahr 2013 im Vorfeld der „großen Revision“ von 2015 statt.

An der aktuellen Umfrage waren weltweit rund 3.000 Teilnehmer aus 91 Ländern beteiligt. Darunter Anwender eines implementierten (6%) bzw. akkreditiert zertifizierten (94%) Umweltmanagementsystems, aber auch ebenso viele interessierte Unternehmen und weitere interessierte Parteien, etwa Berater und Zertifizierungsstellen.

Die Umfrage thematisierte Schlüsselthemen und zukünftige Herausforderungen für das Umweltmanagement. Der erste Teil bezog sich auf die im Jahr 2015 durchgeführte Revision von ISO 14001. Hier bestätigte sich erneut, was sich seit der Veröffentlichung in der Praxis zeigt: Die meisten Schwierigkeiten treten bei den folgenden Normanforderungen auf.

•    Betrachtung des Produktlebenswegs (52%)
•    Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Umweltaspekten und Umweltauswirkungen (32%) 
•    Beherrschung ausgelagerter Prozesse (28%)  

Der Nutzen von ISO 14001

Hier wurde deutlich, dass der Umweltnorm von Anwendern ein erheblicher Nutzen zugesprochen wird. Besonders im Hinblick auf 
•    die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen und sonstiger bindender Verpflichtungen
•    die Verbesserung der Umweltleistung und 
•    das Engagement der obersten Leitung für das Umweltmanagement. 

Als weitere Nutzen wurden genannt:
•    die Erfüllung der Erwartungen von interessierten Parteien
•    die Imageverbesserung in der Öffentlichkeit,
•    das Erreichen strategischer Ziele sowie
•    die Integration in die Geschäftsprozesse. 

Besonders hilfreich war dabei nach Angaben der Anwender sowohl der Anhang A der Umweltnorm, als auch der Leitfaden ISO 14004 für den Aufbau, die Verwirklichung, die Aufrechterhaltung und die Verbesserung eines Umweltmanagementsystems. Dies stützt die Annahme, dass umfangreicher Support ein wesentlicher Aspekt für die wirksame Umsetzung der Normanforderungen ist und entsprechend nachgefragt wird.

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ISO 14001 Check­lis­te

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Unterstützung bei spezifischen Umweltthemen

Die Frage nach dem Interesse an Beratung bei der Einführung eines Umweltmanagementsystems zeigte bei knapp der Hälfte der Befragten einen Bedarf an Praxisberichten und ergänzenden Leitfäden für die Umsetzung.

Besonders hervorgehoben wurden dabei spezielle Umweltthemen wie
•    Klimaschutz
•    Material- und Abfallmanagement
•    Kreislaufwirtschaft
•    Management von Chemikalien
•    Umweltrecht
•    Gewässerschutz
•    Luftqualität
•    Biodiversität

Etwas weniger als ein Drittel der Teilnehmer gab an, Interesse an weitergehender Unterstützung zu haben. Insbesondere in Form eines eigenen Standards
•    zum Umgang mit dem Klimawandel
•    zum Abfallmanagement 
•    zur Kreislaufwirtschaft (dies ist im Rahmen der ISO 14002-Reihe bereits in Arbeit)

Für die Entwicklung zusätzlicher ökologisch ausgerichteter Standards scheint mit Blick auf die Umfrage-Ergebnisse aktuell kein weiterer Bedarf zu bestehen.
 

Betrachtung der Detailergebnisse

Schaut man sich einige Ergebnisse im Detail an, lässt sich eine Reihe von Gründen für die Tendenz der nach ISO 14001 zertifizierten, an der Umfrage teilnehmenden Organisationen ausmachen: "nein" zu einer umfassenden Revision und "ja" zu mehr Support. So ist das Hauptargument für ein ISO 14001-Zertifikat die (sichere) Erfüllung rechtlicher Verpflichtungen (75%, im Folgenden „sehr“ oder „höchst bedeutend“).

Das korrespondiert mit den Antworten auf die Frage nach dem Wert eines Umweltmanagementsystems, wo Rechtssicherheit mit 75% ebenfalls den Spitzenplatz einnimmt. Ganz oben dabei ist auch die Reduzierung des (finanziellen) Risikos im Zusammenhang mit den Auswirkungen von Umwelteinflüssen (76%) sowie die Erfüllung von Kundenanforderungen (77%). Das sind alles Argumente, die nicht zwingend auf die Einführung der Future Challenge Concepts hindeuten.

Umgekehrt geben nur 14% der Befragten an, dass sie mit Blick auf die Lebenswegbetrachtung in der Lieferkette einen oder mehrere ihrer Lieferanten dazu verpflichten, ein Umweltmanagementsystem einzuführen. Demgegenüber sagen jeweils ~40% der Befragten, dass sie Umweltaspekte von Tätigkeiten, Produkten oder Dienstleistungen einiger ihrer Lieferanten identifizieren und eigene Umweltanforderungen an ihre Lieferanten kommunizieren.

Zukünftige Aufgaben von Umweltmanagementsystemen

Auf die Frage, inwieweit und mit welcher Intensität sich das Technische Komitee ISO/TC 207* bei der nächsten Überarbeitung mit den fünf neuen, im 2020er-Report des Komitees veröffentlichten Umweltmanagementkonzepten (Future Challenge Concepts) befassen sollte, gab es unter Nichtanwendern der Norm eine knappe Mehrheit. Sie wünschten sich strengere Anforderungen in Bezug auf die beiden Themen:
- Identifizierung von Umweltaspekten in der Lieferkette bzw. im Produktlebenszyklus
- Förderung von Umweltverantwortung in Organisationen und Engagement der Mitarbeitenden

Bei Normanwendern standen hingegen vor allem weiterführende Informationen und mehr Klarheit bezüglich bestehender Anforderungen sowie zusätzlicher Support im Vordergrund.

Das Technische Komitee ISO/TC 207 trifft sich jährlich zur Weiterentwicklung der Umweltnormenreihe ISO 14000ff. Die Mitglieder diskutieren zukünftige Anforderungen verschiedener Normen und schreiben sie fort. Die zentralen Handlungsfelder im "Future Challenges Report 2020" umfassen die Identifizierung von Umweltaspekten in der Lieferkette, die Förderung einer Kultur der Umweltverantwortung, Mitarbeiterengagement im Umweltmanagement, die Intergration des Umweltmanagementsystems sowie die externe Berichterstattung über Umweltziele.

 

ISO 14001 Revision – Fazit der aktuellen Umfrage

Die Mehrheit der Befragten (hervorgerufen vor allem durch die Normanwender) wünscht sich mehr Unterstützung bei der Erfüllung bereits bestehender Normanforderungen, aber eher keine tiefgreifenden Änderungen aus einer möglichen Revision (Quelle: User Survey Report 2021).

Bei dieser Haltung kann es eine Rolle spielen, dass die antwortenden Anwender zu deutlich mehr als der Hälfte von Umweltmanagementbeauftragten repräsentiert werden, die neue Anforderungen in die Praxis umsetzen müssen. Nach eigenen Aussagen haben mehr als zwei Drittel der Normanwender mehr als sechs Jahre für die Implementierung ihres Umweltmanagementsystems benötigt, was auf einen enormen Aufwand schließen lässt.

Diese Aussagen beziehen sich auch auf die sogenannten Future Challenge Concepts des ISO/TC 207, die genügend Material für eine Überarbeitung der Umweltnorm liefern würden. Die spürbare Ablehnung dieser Konzepte unter den Normanwendern könnte allerdings auch darauf zurückzuführen sein, dass sie bislang nur wenig bekannt sind.

Gleichwohl hat das ISO/TC 207 nun doch eine Revision von ISO 14001 in Gang gesetzt. Diese „leichte Revision“ wird jedoch gemäß dem Wunsch der Normanwender voraussichtlich keine anforderungsrelevanten Änderungen bereithalten. Erwartet wird die revidierte Norm ISO 14001 im Herbst 2025.

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Zahlen, Daten, Fakten zum User Survey

Rund 3.000 Teilnehmer aus 91 Ländern waren an der aktuellen Umfrage der ISO beteiligt. Darunter ebenso Anwender eines zertifizierten Umweltmanagementsystems wie Nichtanwender, etwa Berater und Zertifizierungsstellen. 

Die Normanwender machten 48% der Teilnehmer aus, wobei davon 59% der Antwortenden die Rolle eines Umweltmanagementbeauftragten innehatten. Unternehmen ohne Umweltmanagementsystem waren zu 28% beteiligt, Nichtanwender als Einzelpersonen (23 %) und Sonstige (1 %).

Mit 58% hatte die Mehrheit der Teilnehmer ihren Sitz in Europa. 16% entfielen auf Süd- und Mittelamerika, 12% auf Nordamerika, 9% auf Asien und 4% auf Afrika und den Mittleren Osten. Von den teilnehmenden Organisationen hatten 44% mehr als 500 Mitarbeitende, 35% von 101 bis 500, 21% unter 100.

 

DQS – Was wir für Sie tun können

Seit mehr als 35 Jahren stehen wir mit unparteilichen Audits und Zertifizierungen für die Weiterentwicklung von Managementsystemen und Prozessen. Wir auditieren nach rund 100 anerkannten Normen und Regelwerken, nach branchenspezifischen Standards oder maßgeschneidert nach Ihren individuellen Vorgaben – regional, national und international.

Unparteilichkeit und Objektivität sind für uns wesentliche Elemente bei der Durchführung von Audits und Zertifizierungen. Die Akkreditierung im Umweltbereich erhielt die DQS bereits im Jahr der Erstveröffentlichung 1996. Das heißt: Mehr als 25 Jahre Erfahrung in der ISO 14001 Zertifizierung, von der Sie profitieren sollten.

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Autor
Kai-Uwe Kaiser

DQS-Pro­dukt­ma­na­ger, Auditor und Experte für Umwelt-, En­er­gie-, Spar­ef­fi­zi­enz- und Nach­hal­tig­keits­the­men. Darüber hinaus Auditor für Qualität und Au­to­mo­ti­ve. Herr Kaiser bringt eine jah­re­lan­ge Er­fah­rung vom Produkt Manager über Pro­duk­ti­ons­lei­tung, Qualitätsleitung incl. Umwelt-, Energie- und Ar­beits­schutz­ma­nage­ment bis hin zum Werk­lei­ter im Au­to­mo­ti­ve Bereich ein. Seine Ex­per­ti­sen bringt er auch in diversen Trai­nings mit ein.  

 

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