Am 12. März 2018 war es soweit: ISO 45001, die internationale Norm für Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Arbeit (SGA), wurde veröffentlicht. Nach fünf Jahren Ent­wick­lungs­zeit steht seither eine ISO-Norm zur Verfügung, die den globalen An­for­de­run­gen an einen modernen Arbeits- und Ge­sund­heits­schutz gerecht wird. Unser Experte erläutert im vor­lie­gen­den Beitrag, welche Vorteile ein SGA-Ma­nage­ment mit sich bringt.

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Das heutige Verständnis zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA in der Abkürzung) setzt einen ganzheitlichen Managementansatz voraus. Darunter sind folgende Maßnahmen zu verstehen:

  • alle Maßnahmen zur Abwehr arbeitsbedingter Gefahren und Krankheiten
  • Maßnahmen zur sicheren und gesundheitsgerechten Arbeitsplatzgestaltung
  • Maßnahmen zur physischen, psychischen und sozialen Gesundheit

 

Warum eine Norm für ein SGA-Managementsystem?

Mit ISO 45001 wird für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ein international anerkannter Standard gesetzt. Bereits 2013 beschloss die ISO (International Organization for Standardization) die Entwicklung einer eigenen Norm auf der Basis der gemeinsamen Grundstruktur (High Level Structure) von Managementsystemnormen. Die Revisionen von ISO 9001 (Qualität) und ISO 14001 (Umwelt) im Jahr 2015 machten damit eine nicht unerhebliche Anpassung des bis dato gültigen britischen Standards BS OHSAS 18001 notwendig. Die Absicht dahinter: die vollumfängliche Integration der SGA-Aspekte in ein bestehendes Managementsystem. 

Welche Anforderungen die neue Norm für ein SGA-Management im Detail enthalten sollte, darüber wurde in den entsprechenden Gremien lange diskutiert. Denn keines der großen ISO-Norm-Themen hat so viele interessierte Parteien mit durchaus gegensätzlichen Erwartungen und Bedürfnissen vorzuweisen wie Gesundheits- und Arbeitsschutz. Ein Bereich in dem es um Leben oder Tod geht – und weltweit um sehr viel Geld.

„2,78 Mio. Todesfälle pro Jahr, das sind mehr als 7.600 pro Tag – zusammen mit den rund 375 Mio. nicht tödlichen Arbeitsunfällen ver­ur­sa­chen sie weltweit Kosten in Höhe von knapp 3 Bio. US-Dollar.“

Bundesanstalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin (BAuA) 2017, Daten von 1960 bis inkl. 2016

Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland lag im Jahr 2016 bei rund 3,47 Billionen US-Dollar.

 

ISO 45001 – Welche Neuerungen gibt es?

Die „alte“ BS OHSAS 18001 war ein durchaus erfolgreicher Standard, der zur Zeit des Erscheinens im Jahr 1999 Maßstäbe im Arbeitsschutz gesetzt hat. Bewährte Anforderungen wurden deshalb von der ISO übernommen. Zusätzlich wurden Elemente eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in das neue SGA-Managementsystem aufgenommen.

„Die Einführung eines Ma­nage­ment­sys­tems für Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Arbeit soll eine Orga­ni­sa­ti­on in die Lage ver­set­zen, sichere und ge­sund­heits­ge­rech­te Arbeitsplätze be­reit­zu­stel­len, ar­beits­be­ding­te Ver­let­zun­gen und Er­kran­kun­gen zu ver­mei­den und ihre SGA-Leis­tung fort­lau­fend zu verbessern.“

Quelle: DIN EN ISO 45001:2013-12 – Ma­nage­ment­sys­te­me für Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Arbeit – An­for­de­run­gen mit An­lei­tung zur An­wen­dung

Die ISO-Norm 45001 erhebt die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit deutlich stärker in den Rang eines strategisch bedeutenden Führungsthemas und bietet damit für deren fortlaufende Verbesserung einen geeigneten Rahmen. Im Mittelpunkt eines SGA-Management steht eine der wichtigsten interessierten Parteien jedes Unternehmens bzw. jeder Organisation: Ihre Mitarbeiter.

Das Grundlegende ist jedoch: Die ISO-Norm konzentriert sich im Unterschied zu BS OHSAS 18001 auf die Interaktion eines Unternehmens mit seinem Geschäftsumfeld. Der britische Standard hingegen fokussierte unmittelbar und in gewisser Weise isoliert auf den Umgang mit Gefahren im Bereich Arbeitsschutz.

 

Welche Vorteile bringt die neue Grundstruktur?

Wie alle modernen Managementsystemnormen folgt auch DIN EN ISO 45001 der gemeinsamen Grundstruktur (High Level Structure / HLS) mit Kerntexten, Begriffen und Definitionen. Damit können alle SGA-Aspekte vollumfänglich in ein bereits bestehendes Managementsystem, zum Beispiel nach ISO 9001 oder ISO 14001, integriert werden. Gemeinsame Themen sind unter anderem der Kontext der Organisation, eine klare Führungsverantwortung sowie der risikobasierte Ansatz. Die spezifischen SGA-Anforderungen konzentrieren sich auf Aspekte der Arbeitspolitik, Gefährdungsermittlung, Risikosteuerung, Notfallplanung und Vorsorge und stellen rechtliche Themen in den Vordergrund.

Spürbar positiv wirkt sich aus, dass mit der Norm für ein SGA-Managementsystem jeder einzelne Beschäftigte mit Blick auf seine Arbeitsumgebung und die jeweiligen Schnittstellen aktiv und verantwortlich in das Managementsystem eingebunden wird. Gleichzeitig hat die oberste Unternehmensleitung die zentrale Aufgabe und die Verantwortung, dass die Beschäftigten dazu befähigt werden. Mehr noch: Mit Blick auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit geht der Detaillierungsgrad mit 13 Anforderungen an die oberste Leitung sogar noch über ISO 9001 hinaus.

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Führung und Ver­pflich­tung in DIN ISO 45001

Wir in­ter­pre­tie­ren die Norm.

Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Arbeit ist Chefsache! In Kapitel 5 stellt die Norm zentrale Anforderungen an die oberste Un­ter­neh­mens­lei­tung. Lesen Sie mehr in unserem kostenfreien White­pa­per und pro­fi­tie­ren Sie vom Know-how unserer Ex­per­ten. Aus dem Inhalt:

  • Fürsorgepflicht für die an­ver­trau­ten Mit­ar­bei­ter
  • Das A und O: Eine Un­ter­neh­mens­kul­tur des Ver­trau­ens
  • Klas­si­sche (SGA-)Mängel

Für wen ist ein SGA-Managementsystem wichtig?

Die Antwort ist einfach: Für jede Organisation, die Mitarbeiter beschäftigt. Das systematische Herangehen an den Gesundheits- und Arbeitsschutz ist immer von Vorteil.

Es spielt also keine Rolle, in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist und ob es sich um kleine, mittelständische Unternehmen oder internationale Großkonzerne handelt, um gemeinnützige Organisationen oder kommunale Verwaltungen. Beschäftigte sollten sich grundsätzlich eines sicheren Arbeitsplatzes gewiss sein können. Das ist nicht nur für ihre Gesundheit gut, es ist auch eine wesentliche Grundlage für motiviertes und effektives Arbeiten.

 

Welche Vorteile bietet ein SGA-Management?

Trotz strenger Arbeitsschutz-Gesetze in Deutschland: Ein SGA-Managementsystem nach ISO 45001 fördert die Integration von Aspekten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in die unternehmerischen Prozesse. So können Defizite systematisch aufgedeckt und der präventive Ansatz, bezogen auf physische und psychische Belastungen, gestärkt werden.

Stichwort „Arbeitsschutz und Compliance“: Mit der Erfüllung der Normanforderungen erhalten Unternehmen ein neues Level an Rechtssicherheit – zumindest, wenn es um die Einhaltung von rechtlichen Verpflichtungen und behördlicher Auflagen geht. Damit sinkt das Haftungsrisiko signifikant. Die neue Rechtssicherheit hängt zudem eng mit der Erfüllung der zentralen Anforderung zusammen, die relevanten interessierten Parteien nebst ihren Bedürfnissen und Erfordernissen zu bestimmen. Ein Novum im Bereich Gesundheits- und Arbeitsschutz.

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Ar­beits­schutz und Com­pli­ance

Wir er­läu­tern die Norm.

Die Ein­hal­tung recht­li­cher Ver­pflich­tun­gen ist eine zentrale An­for­de­rung von ISO 45001. Die SGA-Norm versteht sich selbst jedoch nicht als „Norm, die den be­trieb­li­chen Arbeitsschutz regelt“, sondern als „Managementsystemnorm, die in die be­trieb­li­che Praxis in­te­griert werden kann“. Lesen Sie mehr in unserem kos­ten­frei­en White­pa­per.

Oder Stichwort „Wettbewerbsvorteil“: Ein nach ISO 45001 zertifiziertes Unternehmen tritt als besonders attraktiver Arbeitgeber auf. Es hat also einen signifikanten Vorsprung, wenn es in Zeiten chronischen Fachkräftemangels um die Anwerbung geeigneter Mitarbeiter geht. Und auch im Bereich der sogenannten „einfacheren“ Tätigkeiten wird es für ein Unternehmen, das ein SGA-Management nach außen zeigen kann und damit Vertrauen schafft, einfacher sein, vakante Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen.

 

Vorteile eines SGA-Managementsystems im Überblick

  • erhöhtes Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter
  • geringere Krankheits- und Unfallraten
  • weniger Ausfalltage und durch Betriebsunterbrechungen verursachte Kosten
  • höhere Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation
  • gesteigerte Rechtssicherheit und Entlastung der Führungskräfte bei der Wahrnehmung der Betreiberpflichten
  • verbessertes Unternehmensimage und Wettbewerbsvorteile

 

ISO 45001 vs. BS OHSAS 18001 – wesentliche Unterschiede

Am 30. September 2021 wurde der seit über 20 Jahren für Arbeitsschutzmanagement relevante britischen Standard OHSAS 18001 durch die ISO-Norm abgelöst. Das sind die Unterschiede:

ISO 45001

  • ist prozessorientiert 
  • betrachtet sowohl Risiken als auch Chancen
  • berücksichtigt interessierte Parteien
  • ist vollumfänglich integrationsfähig in bereits bestehende Managementsysteme  
     

 BS OHSAS 18001 

  • war verfahrensorientiert
  • betrachtete lediglich Risiken
  • ließ interessierte Parteien außer Acht
  • war nicht kompatibel mit der High Level Structure

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Seminar zur Norm ISO 45001

ISO 45001: 2018 Grund­la­gen zum Aufbau eines SGA Ma­nage­ment­sys­tems

Wir ver­mit­teln Ihnen das not­wen­di­ge Wissen über die we­sent­li­chen An­for­de­run­gen von ISO 45001, Kennt­nis­se zur In­ter­pre­ta­ti­on der Norm und teilen unsere Er­fah­run­gen, wie eine mögliche Um­set­zung aussehen kann. Aus dem Inhalt:   

  • Strukturen in Ar­beits­si­cher­heit und Prävention
  • Beteiligung und Kon­sul­ta­ti­on
  • Not­fall­pla­nung und Reaktion 
  • Führung und Ver­pflich­tung

ISO 45001-Zertifizierung

Die DQS ist für ISO 45001 von der DAkkS akkreditiert. Die erstmalige ISO 45001-Zertifizierung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren:

  • Systemanalyse vor Ort (Stufe 1-Audit): unter anderem Bewertung der Dokumentation und erster Blick auf interne Audits und Ihre Managementbewertung
  • Systemaudit vor Ort (Stufe 2-Audit): Umfassende Begutachtung der Umsetzung und Wirksamkeit Ihres Managementsystems

Erfüllt Ihr SGA-Management alle Anforderungen der Norm, erhalten Sie ein weltweit anerkanntes Zertifikat der DQS mit einer Gültigkeit von drei Jahren

Für ein integriertes Managementsystem bietet sich eine Kombi-Zertifizierung mit anderen Managementnormen an. Durch die themenübergreifende Zertifizierung können Synergien genutzt und gleichzeitig Wechselwirkungen, aber auch Widersprüche zwischen den unterschiedlichen Themenfeldern erkannt werden.

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SGA-Managementsystem – Fazit

Die internationale Norm ISO 45001, die 2018 aus einem fünfjährigen Entwicklungsprozess hervorgegangen ist, erfüllt die weltweiten Anforderungen an ein zeitgemäßes SGA-Management. Der moderne Ansatz zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz erfordert ein umfassendes Managementkonzept. Dazu zählen vorallem präventive Strategien zur Vermeidung von arbeitsbedingten Gefährdungen, die Gestaltung von Arbeitsumgebungen sowie die Förderung und Erhaltung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens der Mitarbeitenden. Für Arbeitsschutzexperten bedeutet die Implementierung von ISO 45001 die Chance, SGA-Risiken systematisch zu managen und gleichzeitig die Resilienz und Nachhaltigkeit der Organisation zu erhöhen.

Vertrauen und Expertise

Unsere Texte werden ausschließlich von unseren hausinternen Experten für Managementsysteme und langjährigen Auditoren verfasst. Sollten Sie Fragen an den Autor haben, senden Sie uns gerne eine E-Mail an: willkommen@dqs.de.

 

Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor
Altan Dayankac

Glo­bal Program Manager und Senior Sus­taina­bi­li­ty Manager der DQS Gruppe und in­ter­na­tio­na­ler Experte für zahl­rei­che Nach­hal­tig­keits-, Klima-, Umwelt- und Ar­beits­si­cher­heits­the­men. Seine Ex­per­ti­se bringt Altan Dayankac zudem als Autor und Mo­de­ra­tor in HSE- und Nach­hal­tig­keits-Ko­mi­tees sowie in ver­schie­de­ne Fach­ver­an­stal­tun­gen ein.

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