Die High Level Structure (die Abkürzung lautet HLS) wurde durch die International Organization for Standardisation (ISO) eingeführt, um Managementsystemnormen eine einheitliche Struktur und gleichartige Kerninhalte vorzugeben. Das Ziel dahinter: mit einem normübergreifenden Strukturaufbau die Angleichung unterschiedlicher ISO-Normen zu verbessern. 

Die HLS dient zudem als Leitfaden zur Entwicklung künftiger Normen, sodass langfristig alle ISO-Normen für Managementsysteme die gleiche übergeordnete Gliederung, gemeinsame Kernanforderungen und gemeinsame Begriffe und Definitionen enthalten.

Die Regeln zur High Level Structure und die Kerninhalte sind im Anhang „Harmonisierter Ansatz für Managementsystemstandards“ (Annex SL) der aktuellen ISO/IEC

Directives als öffentliche Information bei der ISO zugänglich: Download Annex S

Die deutsche Übersetzung des Anhangs ist als DIN SPEC 36601 beim Beuth Verlag erhältlich. 

Definition High Level Structure

Die High Level Structure (HLS) ist ein Leitfaden für die Entwicklung neuer Normen, der Struktur und Anforderungen von ISO-Managementsystemnormen weitreichend auf einen Nenner bringt und damit und harmonisiert. Die ISO verfolgt mit der HLS auch das Ziel, den einheitlichen Gebrauch von Kerntexten, Begriffen und Definitionen sicherzustellen. Vor allem aber fördern die gemeinsamen Grundanforderungen die Integration von Managementsystemen in ein Unternehmen. 

So bleibt das Managementsystem schlank und effizient und erfüllt dennoch wirksam alle Bedürfnisse und Erwartungen der interessierten Parteien. Weitere Stichwörter sind: Kontext der Organisation, Führung und Verpflichtung, Prozessorientierung und der risikobasierte Ansatz.

 

Der Aufbau der HLS

Die High Level Structure hat eine starke Fokussierung auf die oberste Leitung und den Kontext der Organisation (Kapitel 4 und Kapitel 5). Die Grundstruktur besteht immer aus zehn Kapiteln:

  1. Anwendungsbereich
  2. Normative Verweisungen: beide Abschnitte enthalten normspezifische Formulierungen und definieren die Ziele
  3. Begriffe und Definitionen: Verweis auf die allgemeinen, in der Anlage SL dargestellten Begriffe sowie alle spezifischen Begriffe für die Norm
  4. Kontext der Organisation: Verstehen der internen und externen Angelegenheiten, der Erfordernisse und Erwartungen relevanter interessierter Parteien, des Managementsystems und seines Anwendungsbereiches
  5. Führung: Verantwortung und Verpflichtung der obersten Leitung, Politik, organisatorische Funktionen, Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse
  6. Planung: Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen, Qualitätsziele und Pläne zu deren Erreichung
  7. Unterstützung: notwendige Ressourcen, Kompetenz, Bewusstsein, Kommunikation und dokumentierte Information
  8. Betrieb: Betriebliche Planung und Lenkung
  9. Leistungsbewertung: Überwachung, Messung, Analyse und Bewertung, internes Audit, Managementbewertung
  10. Verbesserung: Nichtkonformität, Korrekturmaßnahmen und fortlaufende Verbesserung

Die Unterkapitel einzelner Normen unterscheiden sich je nach Thema um den fachspezifischen Inhalt einer Norm. So hat die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 unter Kapitel 5 mehr Unterkapitel als die Norm ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme.

Für die Zertifizierung von Managementsystemen sind die Kapitel 4 bis 10 von besonderer Relevanz, nicht zuletzt, weil sich hier auch der PDCA-Zyklus und damit der kontinuierliche Verbesserungsprozess wiederfindet.

 

Wichtig zu wissen: HLS und PDCA

Die Kapitel der High Level Structure richten sich am PDCA-Zyklus von Plan-Do-Check-Act aus. Dabei werden den einzelnen PDCA-Phasen folgende Kapitel zugeordnet:

  • Plan: Kapitel 4, 5 und 6
  • Do: Kapitel 7und 8
  • Check: Kapitel 9
  • Act: Kapitel 10

 

Welche Normen folgen der High Level Structure?

Allen modernen ISO-Managementsystemnormen liegt die gemeinsame Grundstruktur – High Level Structure – zugrunde. Dazu gehören die ISO-Normen für 
Qualitätsmanagement: ISO 9001
Umweltschutz: ISO 14001
Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit: ISO 45001 
Energiemanagement: ISO 50001
Informationssicherheit: ISO 27001 
 

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High Level Structure

Die 5 wichtigsten ISO-Normen in grafischer Darstellung
Infografiken zu ISO 9001, ISO 14001, ISO 27001, ISO 45001 und ISO 50001

Integriertes Managementsystem mit gemeinsamer Struktur – die Evolution

Mit der Veröffentlichung der Energiemanagementnorm ISO 50001 Ende August 2018 wurde auch die letzte der großen fünf ISO-Managementsystemnormen mit der High Level Structure (HLS) ausgestattet. Mit dieser Grundstruktur sind zudem einheitliche Basistexte für die Kernanforderungen an Managementsysteme sowie gemeinsame Benennungen und Basisdefinitionen festgelegt. Auf diese Weise sollen unterschiedliche Systeme leichter miteinander verschmolzen und zu einem integrierten Managementsystem werden.

Als im Jahr 2013 die Norm für Informationssicherheit ISO 27001 erschien, war diese die erste der bedeutenderen ISO-Normen, die auf der HLS basierte. Aber erst seit der großen Revision von ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 14001 (Umweltmanagement) im Jahr 2015 ist die gemeinsame Grundstruktur einem breiteren Anwenderkreis bekannt. Im März 2018 kam ISO 45001 (Arbeits- und Gesundheitsschutz) hinzu, im August 2018 ISO 50001 (Energiemanagement). 

Heute lässt sich sagen: Mit der gemeinsamen Grundstruktur, der High Level Structure, ist ein integriertes Managementsystem deutlich effizienter. Die Neuerungen haben sich bewährt, und zwar uneingeschränkt: Organisationen, deren Managementsystem – beispielsweise nach ISO 9001 – auf Basis der High Level Structure aufbaut, haben einen spürbaren Vorteil bei der Integration und Umsetzung weiterer, themenspezifischer Anforderungen. 

 

Vorteile und Nutzen der High Level Structure

Die Anwendung mehrerer Normen in einem integrierten Managementsystem wird deutlich einfacher, zum Beispiel in der Kombination von Qualitätsmanagement und Informationssicherheit. Dies gilt besonders dann, wenn die grundlegende Anforderung aller angewendeten Regelwerke erfüllt wird: nämlich die vollumfängliche Integration der jeweiligen Normanforderungen in das bestehende Managementsystem und damit in die allgemeinen Geschäftsprozesse eines Unternehmens. 

Die wesentlichen Vorteile hier im Überblick:

  • Die einheitliche Struktur und der Gebrauch identischer Kerntexte, Begriffe und Definitionen erleichtert Anwendern das Verständnis einer Norm. 
  • Dank der Vereinheitlichung lassen sich weitere Managementsysteme schneller in ein bereits vorhandenes System integrieren, in den meisten Fällen bildet ISO 9001 die Ausgangsbasis. 
  • Mit der HLS wird die Einführung mehrerer Managementsysteme, zum Beispiel Qualität, Umwelt, Informationssicherheit, wesentlich vereinfacht und effizienter. Auch Doppelarbeiten und Aufwand bei der Dokumentation werden reduziert.
  • Bei einem integrierten Managementsystem können Audits (intern wie extern) einfacher, bzw. nach mehreren Normen gleichzeitig durchgeführt und Synergien genutzt werden.

 

Hat ein integriertes Managementsystem mit gemeinsamer Struktur Nachteile?

Zwar hatten die einschlägigen Managementsystemnormen ISO 9001, ISO 14001, ISO 27001 und ISO 50001 bereits früher gewisse Gemeinsamkeiten in Aufbau und Inhalt vorzuweisen, aber erst mit der HLS wurde eine Struktur geschaffen, die die Integration von Anforderungen unterschiedlicher Regelwerke bis in die letzten Winkel eines Unternehmens wesentlich erleichtert, wenn nicht überhaupt erst ermöglicht. Besonders beim Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zeigt sich dies mit der High Level Structure bei ISO 45001 deutlich.

Nutzt ein Unternehmen ein integriertes Managementsystem mit gemeinsamer Struktur, so ergeben sich hieraus keinerlei Nachteile – weder aus dem einheitlichen Aufbau noch aus der Terminologie. Es gibt auch keine Anforderung, die besagt, dass die Terminologie in der dokumentierten Information eines Unternehmens zwingend anzuwenden ist.

In ISO 9001:2015 finden Sie zwei informative Anhänge. Diese enthalten zwar keine Anforderungen, sind aber empfehlenswert.

  • Anhang A: Erläuterung der neuen Struktur, Terminologie und Konzepte
  • Anhang B: Übersicht anderer Normen zu Qualitätsmanagement und Qualitätsmanagementsystemen

DQS – Ihr integriertes Managementsystem mit Mehrwert auditiert

Unternehmen mit einem integrierten Managementsystem auf Basis der High Level Structure verfolgen das Ziel, Schnittstellenprobleme und Doppelungen zu vermeiden, Ressourcen zu bündeln und Synergien zu nutzen – also ihre betrieblichen Abläufe ganzheitlich zu betrachten. Und genauso auditieren unsere Auditoren. 

Die kombinierte, zeitgleiche Zertifizierung eines integrierten Managementsystems bietet durch die themenübergreifende Betrachtung zahlreiche Chancen. So werden zum Beispiel in einem DQS-Audit nicht nur Verbesserungspotenziale, sondern auch Widersprüche zwischen den unterschiedlichen Themenfeldern erkannt. 

Dabei legen wir Wert darauf, dass Sie unser Audit nicht als Prüfung, sondern als Bereicherung für Ihr Managementsystem wahrnehmen. Unser Anspruch beginnt stets dort, wo Auditchecklisten enden. Nehmen Sie uns beim Wort!

Autor
Ute Dröge

DQS-Fachexpertin für Qualitätsmanagementsysteme, langjährige Auditorin und erfahrene Trainerin für das Regelwerk ISO 9001.

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