Wie kann sich das Qualitätsmanagement (QM) den Veränderungen durch die Di­gi­ta­li­sie­rung stellen, um im­puls­star­ker Partner für Pro­duk­ti­on und Dienst­leis­tung zu bleiben? Dr. Wilhelm Griga, Senior Quality Manager bei Digital In­dus­tries, Siemens AG, nahm beim DQS-Kun­den­tag in Karls­ru­he zwei Fragen in den Blick: Welchen Wir­kun­gen sieht sich QM in diesem Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess gegenüber? Und: Welchen Beitrag kann QM in der Di­gi­ta­li­sie­rung leis­ten?

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Digitale Transformation ist ein Veränderungsprozess, in dem wir uns – und dessen muss sich jeder bewusst sein – bereits mitten drin befinden. Dieser Veränderungsprozess beruht auf digitalen Technologien, die in immer schnellerer Folge entwickelt werden. Und kaum ist die eine angekommen, öffnet sie schon das Tor zu neuen digitalen Technologien. Auch das klassische Qualitätsmanagement ist von der Digitalisierung keineswegs ausgenommen.

Ist das eine Spirale, die sich in einem rasanten Tempo dreht und den Menschen in seinem Arbeiten und Tun verschluckt? Nein, sagt Dr. Griga, aber wir müssen die richtigen Fragen stellen, und das so konkret wie möglich: Wie können sich also Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung – auch im Umgang mit der internationalen Norm DIN EN ISO 9001 – den Veränderungen durch die Digitalisierung stellen, um impulsstarker Partner für Industrie, Produktion und Dienstleistung zu bleiben?

 

Qualitätsmanagement: souverän mit der Digitalisierung umgehen

Das, worauf es in der digitalen Transformation auch im Qualitätsmanagement ankommt, ist erst einmal nicht neu, weil es Anforderungen sind, die von jeher zählen – das Erfüllen von Kundenanforderungen sowie gesetzlichen und behördlichen Anforderungen. Hinzu kommt aber jetzt die Fähigkeit von der obersten Leitung, Führungskräften und Mitarbeitenden in Unternehmen und Organisationen, sich auf drei Stärken zu besinnen und diese Antennen im digitalen Zeitalter neu auszurichten:

  • Kompetenzen und Wissen: Sie sind ausschlaggebend auch für den zukünftigen Erfolg des Qualitätsmanagements. Wissen der Organisation über die Entwicklung und die Einflüsse der Digitalisierung, Wissen um Auswirkungen dieser Transformation auf Prozesse und Managementsysteme, auf Informationsqualität und Datenqualität.
  • Flexibilität: Manche Themen bleiben, zum Beispiel die Bedeutung von Qualität an sich mit dem Ziel des zufriedenen Kunden. Andere verändern sich und kommen neu hinzu. Dies zu erkennen, ist unerlässlich!
  • Professionalität: „Souverän mit dem digitalen Wandel umgehen!“, so ein Credo von Dr. Griga. Nicht abwarten, sondern professionell und aktiv mit Veränderungen umgehen.
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ISO 9001 und ISO 27001 in Zeiten der Di­gi­ta­li­sie­rung

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Die Schnel­lig­keit von In­for­ma­tio­nen in der Ver­tei­lung und Ver­ar­bei­tung stellt heute eine große Her­aus­for­de­rung in Or­ga­ni­sa­tio­nen dar. Verfügbarkeit, Integrität und Ver­trau­lich­keit rücken in einer di­gi­ta­len Welt immer stärker in den Vor­der­grund. Doch mit zu­neh­men­dem Grad der Verfügbarkeit nimmt die Si­cher­heit der In­for­ma­tio­nen ab, sofern keine angemesse­nen Schutzmaßnahmen ge­trof­fen werden. ISO 27001 kann die Lösung sein.

Digitale Transformation: anstehende Veränderungen erkennen

Wer sich auf Neues einstellen will, muss die Veränderungen in den Blick bekommen, er muss sie benennen und Antworten darauf finden. In seinem Vortrag beim DQS Kundentag nennt Dr. Griga die Themen beim Namen:

  • Individualisierung von Produkten
  • Kopplung von Produktion und Dienstleistung
  • Integration von Kunden und Geschäftspartnern
  • Einsatz neuer Technologien und Arbeitsmethoden
  • Internet der Dinge

Aber Dr. Griga gibt auch Antworten. Aus seiner Sicht kann das Qualitätsmanagement in der Digitalisierung auf vielen Feldern Beiträge liefern, um sich als impulsstarker Partner mit wertschöpfenden Beiträgen zu positionieren:

  • Datenqualität, Datenanalyse und Datenprognose
  • Digitalisierung von Qualitätssicherungsprozessen
  • Vernetzung in der Zusammenarbeit
  • Vorbild beim agilen Mindset, beim agilen Arbeiten und der Nutzung agiler Methoden

 

Große Chance: Qualitäter müssen Vorbilder sein

In seiner Keynote appelliert Dr. Griga wiederholt an eine souveräne Haltung der großen Gemeinde der Qualitätsbeauftragten: Qualitäter sollten als Vorbilder agieren – und nicht als die letzten, die diesen Wandel dann gerade noch so mitmachen. Seiner Überzeugung nach haben Managementbeauftragte sehr gute Voraussetzungen, mit agilen Methoden neue Themen bis hin zu künstlicher Intelligenz zu begleiten und voranzubringen.

„Qualitätsmanagement muss nicht Treiber der Di­gi­ta­li­sie­rung werden, aber es muss Teil dieser Trans­for­ma­ti­on sein. Nicht verändern lassen – mit verändern!“

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Li­te­ra­tur­tipp

ISO 9001 & ISO 27001 – In Zeiten der Di­gi­ta­li­sie­rung

  • Wie viel Papier braucht Qualität?
  • Der richtige Umgang mit do­ku­men­tier­ter In­for­ma­ti­on
  • Do­ku­men­tier­te In­for­ma­ti­on wirksam schützen
  • ISO 27001: Basis für eine sichere Di­gi­ta­li­sie­rung

Qualitätsmanagement und Digitalisierung: wer fragt, der führt

Veränderungen mitgestalten bedeutet, an den richtigen Stellen auch die Führung zu übernehmen. Das gilt auch mit Blick auf die digitale Transformation. Fragenkompetenz, betont Dr. Griga, sei eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt – und Qualitätsmanagement-Beauftragte in ihrer Rolle zum Beispiel als interne Auditoren könnten in dieser Hinsicht ungeheuer viel leisten. Nämlich mit Fragen wie:

  • Sind die zukünftig notwendigen Kompetenzen und Rollen klar?
  • Unterstützt das Managementsystem notwendiges Lernen in der Organisation?
  • Ist der Qualitätsaspekt in agilen Projekten klar verankert?
  • Besteht eine zielführende Kooperation von agilen Projektteams mit klassischen Projektteams und der Linienorganisation?

Mit Blick auf Auditoren, auf Auditieren und das Begutachten von Managementsystemen und Prozessen zieht Dr. Griga ein starkes Fazit: Wir werden auf menschliche Auditoren nicht verzichten können.

Im Gegenteil, Auditoren werden immer wichtiger. Der Beitrag eines physischen Auditors mit seiner Informationsqualität, emotionalen Intelligenz und dem Wissen um die Digitalisierung bleibt heute und in Zukunft entscheidend für das Ergebnis von Audits auf dem Weg von der Managementbewertung bis hin zur Zertifizierung.

Oder ganz knapp: „Digitalisierung hin oder her – der Au­dit­auf­trag bleibt! Erhöhen Sie Ihre Be­deu­tung als Auditor für Ihre Klienten – und machen Sie sich unabkömmlich.“

Hinweis: Der vorstehende Text fasst Inhalte des Vortrags von Dr. Wilhelm Griga beim Kundentag der DQS zusammen. Die Zusammenfassung durch den Autor dieses Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Dr. Wilhelm Griga.

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Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor
Matthias Vogel

Seit 2010 ist Matthias Vogel Pres­se­spre­cher der DQS GmbH und ver­ant­wort­lich für die Fach­pres­se. Als Senior Content Manager ist er mit­ver­ant­wort­lich für die The­men­fin­dung des DQS Blogs „DQS im Dialog“, für die Ab­stim­mung mit Au­tor*in­nen und für die Text­re­dak­ti­on. Matthias Vogel ist Her­aus­ge­ber des regelmäßig er­schei­nen­den DQS–Newsletters „DQS Update“ und versorgt Sie so mit In­for­ma­tio­nen und Wis­sens­an­ge­bo­ten rund um Audits und Zer­ti­fi­zie­rung. Außerdem ist er Pro­gramm­lei­ter und Mo­de­ra­tor der DQS-Kun­den­ta­ge und mo­de­riert als Co-Mo­de­ra­tor die vir­tu­el­len Kon­fe­ren­zen "Digital Quality Space".

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