Au­gust 2023: Einfache Mehrheit für Re­vi­si­on. In der Ab­stim­mung des Tech­ni­schen Komitees ISO/TC 176 SC2 hat sich im Sommer 2023 eine einfache Mehrheit der Mit­glie­der für eine Überarbeitung der Qualitätsmanagementsystemnorm ISO 9001 aus­ge­spro­chen. Dies geht aus einer Meldung des Gremiums vom 3. August 2023 hervor. Jetzt wird auch der Fahrplan bis zur Revision kon­kre­ter.

Die Fakten zur Revision ISO 9001

Die Abstimmung ergab 36 Stimmen für eine Revision, 25 Mitglieder stimmten dagegen, 17 enthielten sich. In einer entsprechenden Abstimmung im Jahr 2020 wurde eine zeitnahe Überarbeitung der Norm noch knapp mit 36 zu 32 Stimmen abgelehnt.

Aus einem Beitrag der eng mit dem Komitee verknüpften Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) vom 4. August 2023 geht ferner hervor, wie tiefgreifend die Überarbeitung ausfallen könnte, und welche Themen im Qualitätsmanagement möglicherweise betroffen sind beziehungsweise neu hinzukommen sollen.

Geplant seien demnach Anpassungen von ISO 9001 mit Blick auf folgende Aspekte:

  • Resilienz
  • Lieferkettenmanagement
  • Veränderungsmanagement
  • Nachhaltigkeit
  • Umgang mit Risiken und Chancen
  • Wissen der Organisation

Der grundsätzliche Aufbau der Norm soll hingegen erhalten bleiben. Mit der Revision soll lediglich eine Ablösung der bisher verwendeten High Level Structure (HLS) durch die neue Harmonized Structure (HS) erfolgen, wie es bereits bei der Überarbeitung der neuen ISO/IEC 27001:2022 erfolgte.

Die Entscheidung, die Qualitätsnorm ISO 9001 „vorzeitig“ zu überarbeiten, gehe mutmaßlich auf aktuelle Veränderungen im Umfeld von Unternehmen zurück. Treiber sind die zunehmende Komplexität und Dynamik sowie der Einsatz neuer Techniken, was Anpassungen mit Blick auf die Anwendung von Qualitätsmanagementsystemen dringend erforderlich mache. Die nächsten Schritte sehen das bei Revisionen von ISO-Managementsystemnormen übliche Procedere vor, etwa die Einrichtung von Arbeitsgruppen und die Ernennung von Projektleitern.

Cover for German IROM White paper with pdf
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In­te­grier­tes Risiko- und Chan­cen­ma­nage­ment

Kos­ten­frei­es White­pa­per zum For­schungs­pro­jekt „Ri­si­ko 2.0“

Nur ein In­te­grier­tes Risiko- und Chan­cen­ma­nage­ment bietet eine verlässliche Möglichkeit, sich er­folg­reich an­ti­fra­gil auf­zu­stel­len. Das be­deu­tet: Ri­si­ken und Chancen und den Umgang damit neu den­ken. Diese Er­kennt­nis setzt sich langsam auch in der Normung durch. Ent­spre­chend ist die Einführung eines chan­cen­ba­sier­ten Denkens in Ergänzung zum ri­si­ko­ba­sier­ten Denken Be­stand­teil der ak­tu­el­len Re­vi­si­ons­agen­da für ISO 9000 und ISO 9001.

Das von der DQS geförderte For­schungsprojekt „Risiko 2.0“ hält dazu ex­klu­si­ve Er­geb­nis­se für Sie bereit. 

Der Zeitplan

Mit dem ISO/TC 176 Annual Plenary 2023 im Oktober 2023 in Kigali (Ruanda) liegt nun auch ein erster Zeitplan vor. Demnach soll die revidierte Fassung von ISO 9001:2015 im Dezember 2025 veröffentlicht sein. Wann ein erster Entwurf der Revision vorliegen könnte, ist zurzeit jedoch noch nicht absehbar. Dem Technical Committee 176 der Internationalen Organisation für Normung (ISO) zufolge, wird die verantwortliche Arbeitsgruppe im Dezember 2023 zusammentreten.

Eine weitere Entscheidung beim Jahresmeeting: auch die beiden Normen ISO 9000 (Qualitätsmanagementsysteme – Grundlagen und Begriffe) sowie ISO 19011 (Leitfaden zur Auditierung von Managementsystemen) zu überarbeiten.

 

Neue Themen

Nachhaltigkeit, Digitalisierung, globale Unsicherheit: Mit Spannung wird natürlich erwartet, auf welche Neuerungen sich die zuständige Arbeitsgruppe verständigen wird – und worauf wir uns im Qualitätsmanagement künftig einstellen müssen.

Die DGQ geht in einer Meldung vom 27. Oktober 2023 davon aus, dass ein Fokus auf der Erarbeitung ergänzender Orientierungshilfen liegt. Im Blickpunkt werden sicherlich auch Globalisierungsthemen und Nachhaltigkeitsaspekte wie die ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) der EU stehen. Einer Überarbeitung werden sich zudem wohl die sieben QM-Grundsätze stellen.

Das wünschen sich Experten von der ISO 9001 Revision

Ende 2025 – so lautet der Zielkorridor für eine revidierte ISO 9001 momentan. Erwartungen an eine überarbeitete QM-Norm, die den Themen von heute und morgen Rechnung trägt, gibt es schon jetzt. Wir haben nachgefragt.

Dr. Patricia Adam is a DQS auditor and Professor of International Management at Hannover University
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In­te­grier­tes Risiko- und Chan­cen­ma­nage­ment

Chancen er­grei­fen, Zukunft ge­stal­ten

Dr. Patricia Adam ist DQS-Au­di­to­rin und Pro­fes­so­rin für In­ter­na­tio­nal Ma­nage­ment an der Hoch­schu­le Han­no­ver. Als Expertin für Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung und EF­QM-As­ses­so­rin mit in­ter­na­tio­na­len Ein­satz­or­ten bringt sie ihre Ex­per­ti­se als Autorin, in Gremien von DIN und ISO sowie als Key­note-Spea­ke­rin ein. Patricia Adam ist Mitglied der Task Group 4 „Risk” des Tech­ni­schen Komitees 176 (TC 176, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung) der In­ter­na­tio­nal Or­ga­niza­ti­on for Stan­dar­diza­ti­on (ISO) und auch in der zugehörigen WG 2 an der Revision von ISO 9000 be­tei­ligt.

Nicht erst seit der Revision von 2015 zieht sich der risikobasierte Ansatz wie ein roter Faden durch ISO 9001, ist es doch eine Kernaufgabe des Qualitätsmanagementsystems, präventiv zu wirken. In der aktuellen Version der Norm spielt auch die Betrachtung von Chancen eine Rolle.

Leider wird dies in der Praxis bisher kaum realisiert, wie auch mein aktuelles Forschungsprojekt zeigt: Das Chancenmanagement kommt systematisch zu kurz. Dabei haben sich die globalen Parameter dessen, was Qualität leisten kann und muss in den vergangenen zehn Jahren rasant verändert. Eine Organisation, welche die zuweilen chaotischen Bedingungen der VUKA-Welt nicht nur überleben, sondern von ihnen profitieren und ihre relevanten Interessenspartner zufriedenstellen will, muss sich auch mit ihren Chancen beschäftigen.

Im Rahmen der TG 4 (Future Topics „Risk“) haben wir festgestellt, dass dies weltweit für Organisationen gilt. In dem entstandenen „Risk Paper“ des TG 4 wird daher vorgeschlagen, Risiken und Chancen als zwei verschiedene Konzepte des Umgangs mit Veränderungen zu begreifen und systematisch von einander zu entkoppeln. Dann gäbe es neben dem risikobasierten auch ein chancenbasiertes Denken. Diese Idee wird derzeit im Rahmen der Überarbeitung von ISO 9000 und 9001 kontrovers diskutiert.

Der Revision von ISO 9000 und ISO 9001 würde es aus meiner Sicht gut stehen, wenn die Messlatte des Umgangs mit Risiken und Chancen weiter nach oben rückt. Denn eine Organisation, welche sich zukunftsfähig aufstellen möchte, kommt um die gezielte Definition und Steuerung eines Integrierten Risiko- und Chancenmanagements (IRCM) nicht herum. Ein IRCM geht dabei deutlich über das hinaus, was in den Organisationen heute anzutreffen ist. Sollte die Normrevision dafür den Weg ebnen, würde aus dem Ergebnis sogar die oberste Leitung direkt Nutzen ziehen: Durch bessere, abgestimmte Entscheidungsvorlagen, die schnellere und sachgerechtere Entscheidungen für unternehmensindividuelle Maßnahmen ermöglichen.

Dr. Moritz Achilles, Director Quality Management, Room Care & Robotics, Business Unit Small Domestic Appliances, Miele & Cie. KG
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Stake­hol­der­fo­kus er­wei­tern

State­ment zur Nut­zer­ori­en­tie­rung des Ma­nage­ment­sys­tems

Dr. Moritz Achil­les, Director Quality Ma­nage­ment Room Care and Ro­bo­tics, Miele & Cie. KG

Von der Revision der ISO 9001 erwarte ich mir, dass der Stakeholderfokus um eine Nutzerorientierung des Managementsystems erweitert wird. Ein Qualitätsmanagementsystem besitzt im Kern mit ein Informationsmodell, welches die verschiedenen Aspekte, Prozesse und Werkzeuge miteinander verknüpft. Diese wesentlichen Informationen, Methoden und Prozesse sollten insbesondere den unterschiedlichen (Nutzer-)Gruppen in der Organisation nutzerbezogen zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehört auch, dass die Struktur des Managementsystems nur nach den einzelnen Normabschnitten erfolgen sollte, wenn es die Organisation des Unternehmens zulässt. Ansonsten ist es der Organisation anzupassen, um die zielgerichtete Information zu gewährleisten.

Ein weiterer Aspekt, um insbesondere Führungskräfte und Prozesseigner noch stärker in die Verantwortung zu bringen, ist neben internen Audits und der jährlichen Managementbewertung der eigenständige Nachweis der Effektivität eines Managementsystems. Dazu können Kennzahlen und auch Stresstest beitragen, um nicht nur die Leistung der Organisation, sondern auch die des lokalen Managementsystemteils nachzuweisen. Hierbei ist insbesondere die Systematik und Belegbarkeit von Bedeutung, dass das Managementsystem auf jeden einzelnen Bereich heruntergebrochen und angewendet wird.

christian ziebe moderator for management systems at DQS
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Der Kunde ist und bleibt im Fokus – geht da noch mehr?

Au­di­to­ren­kom­men­tar zum Thema Service Ex­cel­lence

Chris­ti­an Ziebe ist Geschäftsführer von Impulse - Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­exper­ten. Er ist langjähriger DQS-Lead Auditor für Ma­nage­ment­sys­te­me und Service Ex­cel­lence. Für die DQS Academy mo­de­riert er Work­shops und Trai­nings zu modernen Au­dit­pro­zes­sen, -kom­pe­ten­zen und -me­tho­den.

Die Anforderungen zur Erfüllung von Kundenanforderungen ist ein Kernziel von ISO 9001. Nun kann sich neben der Erhebung und dem Bewerten von Kundenanforderungen auch der Kunde immer mehr in den Prozessen durchsetzen. Während bei der letzten Normrevision die externen Anbieter weitere detaillierte Anforderungen erfahren haben, ist vielleicht nun der Kunde noch stärker im Fokus, wenn es um Einbindung in Prozesse, Lernen von Fehlern untereinander und Begeisterungsfaktoren geht. „Customer Experience“ ist da das relevante Schlagwort.

Damit sind gleich ein paar Fragen verbunden: Wie sehr ist der Kunde eigentlich in den Prozessen abgebildet, in den Prozessbeschreibungen und Swimlanes? Welche Kundenerlebnisse hat der Kunde an den Touchpoints und in der Kommunikation zum Unternehmen? Welche Fehler passieren den Kunden und wie können diese behoben werden? Wie binden wir den Kunden wirklich im Rahmen von KVP mit ein? Gibt es ein Kunden-Ideenmanagement?

Sie haben Antworten auf alle diese Fragen? Glückwunsch – dann ist ihr Unternehmen sicher ein guter „Kundenversteher“. Bereits im Jahr 2011 wurden solche Aspekte im Rahmen der "DIN SPEC 77224 – Erzielung von Kundenbegeisterung durch Service Excellence“ dargestellt. Ich meine, dies ist eine gute Anleitung, den Kunden einzubinden und organisatorisch stärker zu betrachten.

Gleiches gilt übrigens für eine noch ganz wichtige „interessierte Partei“ – die Mitarbeitenden. Denn in der DIN SPEC 77224 steht geschrieben, dass begeistere Mitarbeitende oft auch Kunden begeistern. Wenn also das Thema Customer Experience auf die Agenda der Normrevision kommen sollte, wissen Sie schon einmal, was so alles dahinterstecken könnte. Und wenn nicht: Sich damit zu beschäftigen, kann auf jeden Fall für die Weiterentwicklung Ihres Managementsystems spannend sein!

Dr. Wilhelm Griga, Senior Quality Manager Digital Industries at Siemens AG, Germany
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Fokus auf die ent­schei­den­den "Emer­ging Trends" legen

An­wen­der­state­ment zur Revision

Dr. Wilhelm Griga ist Senior Quality Manager bei der Siemens AG, Digital In­dus­tries mit dem Fokus Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung, digitale Trans­for­ma­ti­on, agiles Ma­nage­ment­sys­tem, nach­hal­ti­ges Non-Con­for­mance Ma­nage­ment und modernes Audit Ma­nage­ment. Er gehört der Sie­mens-in­ter­nen Ar­beits­grup­pe zur Revision der ISO 9001 an.

Meine Erwartungshaltung an die Revision von ISO 9001:2015 ist, dass der Umstellungsaufwand für Unternehmen minimiert wird und gleichzeitig eine verbesserte, nachweisbare Umsetzungsqualität erreicht wird. Die Überarbeitung der Qualitätsmanagementnorm soll dazu beitragen, weltweit den Qualitätsfokus zu intensivieren, effektivere und umweltfreundlichere Prozesse zu etablieren sowie die Kundenzufriedenheit weiter zu steigern.

Es wird begrüßt, wenn die Revision den Fokus auf ausgewählte, für ein Qualitätsmanagementsystem entscheidende "Emerging Trends" legt. Dies bedeutet, dass neue Technologien und Geschäftsmodelle in die Anforderungen integriert werden, um zukünftigen Marktanforderungen gerecht zu werden.

Trotz der Anpassungen soll ISO 9001 ein generischer Standard bleiben, der auf Unternehmen verschiedener Branchen und Größen weltweit anwendbar ist. Dieser Ansatz ermöglicht eine einheitliche, zuverlässige Bewertung der Qualitätssysteme und schafft Vertrauen bei Kunden und Geschäftspartnern.

Dr. Frank Bünting is deputy head of the Business Advisory department at the VDMA in Frankfurt, Germ
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Schuster bleib bei deinen Leisten

Ex­per­ten­sta­te­ment zur Revision

Dr. Frank Bünting ist stellv. Leiter der Ab­tei­lung Business Advisory beim VDMA in Frank­furt und dort für den The­men­be­reich Qualitätsmanagement ver­ant­wort­lich. Er ist Mitglied in der ISO TC 176/SC2 Ar­beits­grup­pe zur Überarbeitung der ISO 9001.

Im Rahmen der Diskussion, was die Revision von ISO 9001:2015 beinhalten wird, gibt es immer wieder Spekulationen, welche Nachhaltigkeitsthemen und Nachweispflichten in die Norm Einzug halten werden. Fakt ist, dass außer dem Thema „Klimawandel“, was es über die neue „Harmonized Structure“ für Managementsysteme in Abschnitt 4 der Norm geschafft hat, keine weiter Nachhaltigkeitsthemen hinzukommen. Welche praktischen Auswirkungen das haben wird bleibt noch abzuwarten. Der Scope von ISO 9001:2025 liegt auf einem anderen Schwerpunkt und daher erwarte ich, dass außer einem klaren Statement keine weiteren Auswirkungen zu spüren sein werden.

Darüber hinaus finden sich auch keine weiteren produktbezogenen Nachhaltigkeitsthemen in dem Entwurf zur Revision. Das ist auch nicht notwendig, denn die relevanten Nachhaltigkeitsanforderungen an die Produkte und Dienstleistungen fließen heute schon über den Abschnitt 8.2 ein. Gesetzliche Anforderung, zum Beispiel zur CSR-Berichterstattung, sind zwar für alle Unternehmen bindend, haben aber keinen Bezug zum Scope der Norm und spielen daher hier keine Rolle.

Daher bleibt ISO 9001 eine Norm, die sich auf das Qualitätsmanagement fokussiert und wird nicht durch andere scope-fremde Anforderungen verwässert. 

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QM als Ausdruck einer po­si­ti­ven Füh­rungs- und Ver­än­de­rungs­kul­tur

Ex­per­ten­state­ment zur Revision

Mar­ti­na Scharwey ist Senior Lead Au­di­to­rin der DQS und TQM-As­ses­so­rin. Sie ist Expertin in den Be­rei­chen Kenn­zah­len­ma­nage­ment, Pro­zess-, Qualitäts- und Ri­si­ko­ma­nage­ment.

Prozesse, deren erwarteten Ergebnisse und Abfolge sowie Ressourcen bestimmen und die Verfügbarkeit sicherstellen. Passen diese Anforderungen von ISO 9001:2015 noch in die heutige und vor allem zukünftige Welt, in der Flexibilität, Resilienz, Agilität und Change immer wichtigere Erfolgskriterien sind?

Meine Antwort lautet: Ja und nein, beziehungsweise es kommt darauf an – auf das Unternehmen und den Unternehmensbereich. Insbesondere Dienstleister und Dienstleistungsbereiche in Unternehmen müssen agil und flexibel arbeiten. Ist das Ergebnis eines Prozesses planbar beziehungsweise bestimmbar? Nein, häufig nicht. Dieses muss in der Überarbeitung von ISO 9001 berücksichtigt werden.

Resilienz und Agilität der Organisation als neue Normforderungen sind sinnvoll, reichen aber alleine nicht aus. Es müssen Anorderungen hinsichtlich einer Unternehmenskultur beruht, die auf Vertrauen statt Macht und Kontrolle, einer positiven Führungs- und Veränderungskultur sowie der nachhaltigen Nutzung der Chancen der Digitalisierung festgelegt werden.

Darüber hinaus sind personalintensive Bereiche, die nicht so schnell digitalisiert oder durch KI ersetzt werden können, besonders den Folgen der demografischen und bevölkerungsbezogenen Veränderungen sowie den radikal veränderten Erwartungen der jungen Generation ausgesetzt. Die Human Ressource ist somit eines der wesentlichen Risiken, die die neue ISO 9001 mit weiteren Anforderungen würdigen sollte.

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Von der „Sta­tus-Quo-Qua­li­tät“ zur „Zu­kunfts-Qua­li­tät“ (Ein Zwi­schen­ruf an mich...)

Au­di­to­ren­state­ment zur Revision

Dr. Markus Reimer ist seit über 15 Jahre als Auditor der DQS tätig. Als Autor und Key­note-Spea­k­er be­geis­tert er im deutsch­spra­chi­gen Raum seit vielen Jahren seine Le­ser*in­nen und Zuhörer*innen mit seinen Themen Qualität, In­no­va­ti­on, Nach­hal­tig­keit, Wissen und Agilität.

ISO 9001 wird überarbeitet. Nun doch. Und warum auch nicht!?

Tatsächlich bin ich gegen eine Überarbeitung. Und da bin ich ja nicht alleine, denn in der maßgeblichen Abstimmung des Technischen Komitees ISO/TC 176 SC2 haben sich im Sommer 2023 25 Gegenstimmen gefunden. Aber auch 36 Stimmen dafür. 36 größer 25: Die Entscheidung ist gefallen und wir denken uns nun proaktiv in die 36 Komitee-Mitglieder hinein, die eine Überarbeitung für unumgänglich halten. Was treibt sie an?

Es gibt in der Tat mehrere Themen, die für integrationswürdig, vielleicht sogar notwendig erachtet werden. Es sind dies – mindestens – „Anpassungen mit Blick auf die Aspekte Resilienz, Lieferkettenmanagement, Veränderungsmanagement, Nachhaltigkeit, Umgang mit Risiken [und] Wissen der Organisation“. Spontan frage ich mich, in Hinblick auf meine Erfahrungen seit 2015: Noch mehr Blick auf „Risiken“? Aus meiner Sicht ist dieses Thema in der bisherigen Norm recht prominent besetzt. Dass die Praxis da oft nicht so richtig mitspielt; nun ja, das liegt ja eher nicht an der Norm. Was aber verwunderlich ist: Kein zusätzlicher, geschärfter, ja, vielleicht sogar zugespitzter Blick auf „Chancen“?

Chancen?

Chancen! Ein in der Norm besetztes und in der Praxis kaum vorhandenes Thema. Wir sind so sehr mit der Abwehr von Risiken beschäftigt, also mit der Abwehr dessen, was wir alles verlieren könnten, dass uns gar keine Zeit mehr bleibt, uns um Chancen zu kümmern, also um das, was wir gewinnen könnten. Das wäre aus meiner Sicht ein in den Fokus zu nehmendes Thema. Zukunft wird vor allem durch das Nutzen von Chancen definiert. Der alleinige Fokus auf Risiken bewahrt – bei aller bestehender Notwendigkeit – vor allem den Status Quo. Status Quo-Sicherung in einem hochdynamischen Kontext? So schwierig, wie auch gefährlich!

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Neue­run­gen bei den ISO-Stan­dards

Kos­ten­freie Web­i­nar­auf­zeich­nung

Seit Ende Februar 2024 ist der Aspekt des Kli­ma­wan­dels und der Kli­ma­an­pas­sung als Ergänzung zu den be­stehen­den Normforderungen Kontext der Or­ga­ni­sa­ti­on (4.1) und Belange der in­ter­es­sier­ten Kreise (4.2) als ergänzende An­for­de­rung in ge­plan­ten Audits um­zu­set­zen. In unserer kos­ten­frei­en Web­i­nar­auf­zeich­nung erfahren Sie, was das für Ihr Un­ter­neh­men bedeutet.  

In diesem Zusammenhang kann man fragen, inwieweit die Fokussierung auf „Nachhaltigkeit“ das Bestehende, das Bewährte, das Erfolgreiche bedroht … und wie es im Rahmen des Möglichen abgewehrt werden kann. Das kann man fragen. Vielleicht noch mit dem Zusatz: „Ja was denn noch alles?“

Aber wäre es nicht auch möglich zu fragen, welche Chancen in diesem Thema stecken? Eben nicht Chancen im Sinne von „noch mehr“, „noch billiger“ und „noch schneller“. Vielleicht kann auch die Frage nach Chancen für gegenwärtige und zukünftige „interessierte Parteien“ gestellt werden: nicht nur „Status-Quo-Qualität“, sondern „Zukunfts-Qualität“. Und sind da nicht Themen, wie die „Künstliche Intelligenz“, vom weit entfernten Horizont direkt in unsere Gegenwart gestürmt? Und da sind sie nun. Und jetzt?

ISO 9001 wird überarbeitet! Ich bin jetzt doch dafür. Die Überarbeitung dürfte aber nicht einfach werden. Aber andererseits: Was ist im Qualitätsmanagement denn schon einfach? Zumindest, wenn man es richtig versteht und nutzt.

Video: Online-Diskussion zum Thema Risiko

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Das Ri­si­ko­kon­zept in ISO 9001

Ex­per­ten des ISO-Gre­mi­ums TC 176 TG 4 "Risk" aus den USA, Deutsch­land, Israel und Mexiko dis­ku­tie­ren das Konzept von Risiko in ISO 9001 (Video in eng­li­scher Spra­che). Mit dabei: Prof. Dr. Patricia Adam, DQS-Au­di­to­rin und Mitglied der Task Group 4 „Risk”.

ISO 9001 Revision von 2015

Die „Große Revision“ von ISO 9001:2015 für Qualitätsmanagementsysteme war seinerzeit in aller Munde: der Kontext der Organisation, die Berücksichtigung der relevanten interessierten Parteien, der Fokus auf die Verantwortung der obersten Leitung, das Wissen der Organisation und der risikobasierte Ansatz sind nur einige Stichworte, hinter denen sich ein erhebliches Verbesserungspotenzial für die unternehmerische Praxis verbirgt.

Die seinerzeit neue, harmonisierte Grundstruktur (High Level Structure HLS) sowie die neuen Anforderungen machten vielfach ein Umdenken erforderlich. Neben großen Veränderungen gab es in der damaligen Revision von ISO 9001 aber auch zahlreiche kleine Verbesserungen, die Unternehmen helfen, ihr Managementsystem zukunftsfähig zu gestalten.

Revision ISO 9001 – Fazit

ISO 9001 hat ihre Wurzeln in der Gründung des ISO/TC 176 im Jahr 1979. Das Technische Komitee der International Organization for Standardization (ISO) sollte eine universelle, weltweit anwendbare Qualitätsmanagementnorm entwickeln. Nach rund sechs Jahren Entwicklungszeit erschien 1985 der erste Norm-Entwurf auf Basis der britischen Norm BS 5750:1975. Bis zur Erstveröffentlichung der „ISO 9000“-Normenreihe (ISO 9000/1/2/3/4) im Jahr 1987 sollten weitere 12 Jahre vergehen.

Die erste Revision der Normenreihe erfolgte 1994 mit kleineren Anpassungen. Die 2000er-Revision brachte hingegen eine grundlegende Überarbeitung und die Verankerung der Prozessorientierung, die die 20 Elemente ablöste. Neu war auch die Zusammenführung von ISO 9001, ISO 9002 und ISO 9003 zu einer einzigen Norm. 2008 wurde die vierte Ausgabe mit einigen kleineren Anpassungen veröffentlicht.

Die letzte Revision fand im Jahr 2015 statt, die nächste ist für das Jahr 2025 geplant. Noch ist offen, mit welchen Anforderungen und Zukunftsthemen Unternehmen dann konfrontiert werden. Das klare Ziel der Überarbeitung ist jedoch bereits definiert: die Anpassung der Norm an die aktuellen Gegebenheiten, unter denen eine Organisation tätig ist. Daher zeichnet sich die Geschichte von ISO 9001 durch Kontinuität und Verlässlichkeit aus.

Geplante Richtung der 9001er-Revision bestätigt

Erstes ISO-Meeting im Dezember 2023: In ihrer Meldung vom 21. Dezember 2023 berichtet die Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) vom ersten Treffen der zuständigen Arbeitsgruppe des für Qualitätsmanagement zuständigen Gremiums ISO TC 176 vom 4. bis 8. Dezember in London. Unter anderem seien die geplanten Ziele und der Umfang der Überarbeitung bekräftigt und die „Design-Spezifikation“ für das Projekt, die den Scope der Revision umreißt, als Leitfaden bestätigt worden.

„Im Fokus des Treffens stand die Relevanzbewertung der sogenannten ‚emerging themes‘, welche im Vorfeld der Revision als potenziell bedeutsame Entwicklungen identifiziert wurden“, berichtet Thomas Votsmeier, Leiter Normung bei der DGQ. „Dazu zählen aktuelle Auswirkungen im Zuge globaler Veränderungen – darunter beispielsweise ESG-Aspekte – sowie Veränderungen in der QM-Anwendung und durch den Einsatz neuer Technologien.“ Entsprechende Interpretationsanfragen der vergangenen Jahre wurden bei dem Treffen gesichtet und bewertet.  

Darüber hinaus führten die anwesenden Normungsvertreter erste Diskussionen über eine Differenzierung der Konzepte von Risiken und Chancen, wie sie im Rahmen der Revision als Input vorgesehen ist. Auch Formulierungen im Hinblick auf Dokumentationsanforderungen und über das Verständnis der Einbindung eines Qualitätsmanagementsystems in die Leitung der Gesamtorganisation standen zur Debatte.

Die nächsten Schritte

Nach einer intensiven Diskussionsrunde erstellen zuständige Normungsexperten nun auf deren Basis einen ersten internen Entwurf für die überarbeitete ISO 9001 – den sogenannten Working Draft – und verteilt diesen zur Kommentierung innerhalb der Arbeitsgruppe. Die Bearbeitung der gesammelten Kommentare steht dann im Februar 2024 auf der Tagesordnung.

Bereits bei der Ankündigung der 9001er Revision hatte die ISO bekanntgegeben, dass die Qualitätsmanagementsystemnorm keine grundlegenden Änderungen erfahren soll. Vielmehr geht es um eine Anpassung an die „Harmonized Structure“ als Rahmenvorgabe für alle ISO-Managementsystemnormen sowie um die Entwicklung von Leitlinien zur Klarstellung von Anforderungen im Anhang oder in Form sogenannter „Notes“. Dazu gehört auch, dass der Anhang der Norm im Hinblick auf die Vermeidung von Fehlinterpretationen erweitert werden soll.

Revision auch für ISO 9000

Parallel zur ISO 9001 wird auch die Qualitätsmanagementnorm ISO 9000 revidiert. Vor diesem Hintergrund führt die entsprechende Arbeitsgruppe des TC 176 SC 1 Überlegungen zur Anpassung der sieben QM-Grundsätze sowie zur Einführung neuer oder geänderter Definitionen durch. Auch hier spielt die mögliche Neukonzeption des Risikobegriffs eine große Rolle. Die Ergebnisse beider Revisionen werden aufeinander abgestimmt.

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Zur Historie von ISO 9001

Eine Er­folgs­ge­schich­te

Die un­ge­bro­che­ne Er­folgs­ge­schich­te für Qualitätsmanagementsysteme begann vor mehr als 35 Jahren. Am 28. August 1986 stellte die DQS das erste ISO 9001-Zer­ti­fi­kat auf der Basis der Ent­wurfs­fas­sung aus.

Ge­hen Sie mit uns auf Zeit­rei­se und lesen Sie unseren Beitrag zur His­to­rie von ISO 9001

DQS – von Anfang an der richtige Partner

Die DQS wurde im Jahr 1985 als erste Zertifizierungsgesellschaft Deutschlands gegründet. Seit dieser Zeit zählen wir zu den führenden Audit- und Zertifizierungsexperten weltweit. Die Gründungsgesellschafter DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualität e. V.) und DIN (Deutsches Institut für Normung e. V.) sind wichtige Partner für die Aus- und Weiterbildung sowie die Normungsarbeit.

So arbeiten wir aktiv für unsere Kunden in Ausschüssen und Gremien mit und bringen unser Expertenwissen in unsere Audits mit ein. Dabei beginnt unser Anspruch dort, wo Auditchecklisten enden. Nehmen Sie uns beim Wort.

Vertrauen und Expertise

Unsere Texte und Broschüren werden ausschließlich von unseren Normexperten oder langjährigen Auditoren verfasst. Sollten Sie Fragen zu den Textinhalten oder unseren Dienstleistungen an unseren Autor haben, freuen wir uns auf den Kontakt mit Ihnen.

Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor
Nadja Götz

Pro­dukt­ma­na­ge­rin ISO 9001 sowie DQS-Expertin für Ge­sund­heits­ma­nage­ment­sys­te­me und BSI-KRITIS-Prüfungen, Au­di­to­rin und Pro­dukt­ma­na­ge­rin für diverse Qualitätsstandards der Re­ha­bi­li­ta­ti­on sowie der stationären und am­bu­lan­ten Ver­sor­gung.

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