Die Ams­ter­da­mer Scho­ko­la­den­mar­ke Tony’s Cho­co­lo­nely wirbt damit, 100% skla­ven­freie Scho­ko­la­de an­zu­bie­ten. DHL ver­pflich­tet sich zu null Emis­sio­nen bis zum Jahr 2050. An­heu­ser-Busch InBev be­haup­tet, der was­ser­ef­fi­zi­en­tes­te Brauer der Welt zu sein. Das ist alles sehr begrüßenswert – doch, auf welcher Grund­la­ge können In­ves­to­ren, Kunden und Geschäftspartner den Wahr­heits­ge­halt prüfen? Das un­ter­schei­det sich von Fall zu Fall. Die neue Norm ISO/IEC 17029 be­schreibt, wie solche Aussagen nach einer stan­dar­di­sier­ten Vor­ge­hens­wei­se ve­ri­fi­ziert und/oder va­li­diert werden können.

Schluss mit dem postfaktischen Zeitalter: Um das Vertrauen von Kunden, Investoren und Verbrauchern langfristig zu sichern, braucht die Wirtschaft verlässliche Methoden, um plausible Aussagen von substanzlosen Marketing-Versprechen zu unterscheiden. Im Bereich Treibhausgasemissionen gab es eine solche Methode schon: Bereits im Jahr 2006 wurde die Norm ISO 14064-3 veröffentlicht, welche die Anforderungen an Verifizierungen und Validierungen von Emissionen festlegt. Der Erfolg dieser Norm hat gezeigt, dass der Bedarf an verlässlichen und standardisierten Methoden nicht auf Treibhausgasemissionen beschränkt ist – gefragt ist eine einheitliche Grundlage für die Verifizierung und Validierung von Aussagen und Berichten aller Art. Dazu zählen unter anderem Aussagen zur Umweltfreundlichkeit von Produkten und Organisationen, Nachhaltigkeitsberichten, vergleichenden Aussagen, ethischen Aussagen und vielen mehr.

Genau das ist der Beitrag, den die neue Norm ISO/IEC 17029 nun leisten soll: sie legt Anforderungen an Verifizierungsstellen fest und beschreibt, wie Verifizierungen und Validierungen ablaufen sollen.

Welche Daten können wir nach ISO/IEC 17029 verifizieren und/oder validieren?

Eine Verifizierung oder Validierung durch einen unabhängigen Dritten wie die DQS bietet Investoren, Geschäftspartnern und Verbrauchern die Gewissheit, dass die offengelegten Informationen, Zahlen und Aussagen richtig und belastbar sind. Häufig handelt es sich um:

  • Verifizierungen von ethischen Aussagen zu Produkten, Organisationen, Lieferketten und Dienstleistungen. Die Leitlinien für ethische Aussagen sind in der ebenfalls neuen Norm ISO/TS 17033 festgelegt. Beispiele: „Garantiert ohne Kinderarbeit“, „Wir zahlen den beteiligten Mitarbeitern überdurchschnittliche Gehälter“, „Wir ermächtigen die Kleinbauern“, …
  • Validierung von Due Diligence-Ansätzen: Bestätigung, dass Due Diligence-Ansätze ihren beabsichtigten Zweck erfüllen können. Beispiele sind die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht, Informationssicherheit, Anti-Korruption, …
  • Verifizierung von Nachhaltigkeitsberichten: externe Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten anhand etablierter Standards wie GRI und AA1000.
  • Aussagen zur Umweltfreundlichkeit von Produkten, wie Umweltkennzeichnungen und Deklarationen im Geltungsbereich der ISO 14021
  • Verifizierung von Nachhaltigkeitskennzahlen und sogenannten ESG-Indikatoren: CO2-Bilanzen (ISO 14064), Wasserbilanzen (ISO 14046), Ökobilanzen (ISO 14044) und weitere Indikatoren
  • Verifizierung von nachhaltigen Geldanlagen wie Green Bonds und Climate Bonds: Die DQS ist eine anerkannte Verifizierungsstelle der Climate Bonds Initiative

Worin unterscheiden sich Verifizierung und 
Validierung?

Nach der neuen Norm ISO/IEC 17029 unterscheiden sich Verifizierung und Validierung darin, wie sie sich zeitlich zu den zu begutachtenden Daten verhalten:

  • Validiert werden Aussagen und Daten, die sich auf die Zukunft beziehen. In der Regel geht es um prognostizierte oder simulierte Daten, die sich auf eine beabsichtigte Anwendung beziehen. Es handelt sich um Annahmen, die auf Plausibilität geprüft werden.

Beispiel: Ein Unternehmen behauptet, dass durch die Nutzung ihrer Produkten der Wasserverbrauch um 50% reduziert wird. Einer solche Aussage kann validiert werden, wenn Modelle belegen, dass die prognostizierte Reduzierung plausibel ist.

  • Verifiziert werden bereits erzielte Ergebnisse. Es handelt sich um reale Daten, die
    auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden.

Beispiel: Ein Unternehmen berichtet, den Wasserverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 50% reduziert zu haben. Diese Aussage kann verifiziert werden, da es sich um bereits erzielte Ergebnisse handelt.

Worin unterscheiden sich Verifizierung und
Validierung von Zertifizierung und Inspektion?

Validierung und Verifizierung sind weder eine Untersuchung (Inspektion), noch eine Konformitätsbescheinigung mit einem Gültigkeitszeitraum (Zertifizierung). Der Unterschied zeigt sich also in der Art der Begutachtung und ihrem Zweck. Vor allem aber ist der Nutzen ein anderer: während sich Zertifizierungen und Inspektionen vor allem auf die Konformität mit Standards und Spezifikationen fokussieren, bilden bei Verifizierungen und Validierungen die individuellen Aussagen und Angaben von Organisationen den Ausgangspunkt. Dies ermöglicht es Unternehmen, die eigenen Stärken und Leistungen in den Vordergrund zu bringen, statt ausschließlich auf Konformität zu setzen.

Autor
Dr. Thijs Willaert

Dr. Thijs Willaert ist Global Director Sus­taina­bi­li­ty Ser­vices. In dieser Funktion ver­ant­wor­tet er das gesamte Dienst­leis­tungs­port­fo­lio der DQS rundum ESG. Zu seinem In­ter­es­sens­ge­biet gehören unter anderem nach­hal­ti­ge Be­schaf­fung, men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflich­ten und ESG-Audits. 

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