ISO 19011 ist weit mehr als ein Leit­fa­den zur Au­di­tie­rung von Ma­nage­ment­sys­te­men. Er enthält Hinweise und An­lei­tun­gen für das Ma­nage­ment von Au­dit­pro­gram­men, die Durchführung interner Audits und Lie­fe­ran­ten­au­dits sowie die Qua­li­fi­ka­ti­on und Be­wer­tung von Auditoren. Damit unterstützt er Or­ga­ni­sa­tio­nen dabei, Audits sys­te­ma­tisch zu planen, wirksam durchzuführen und gezielt zur Wei­ter­ent­wick­lung ihres Ma­nage­ment­sys­tems ein­zu­set­zen. Wer Audits nicht nur als Nachweis der Konformität ver­steht, sondern als In­stru­ment für Trans­pa­renz, Ri­si­ko­be­wer­tung und kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung, gewinnt verlässliche Ori­en­tie­rung für Ent­schei­dun­gen und schafft mess­ba­ren Mehrwert für das gesamte Un­ter­neh­men.

ISO 19011 ist bewusst breit an­ge­legt: Der Leit­fa­den kann von Or­ga­ni­sa­tio­nen jeder Art und Größe an­ge­wen­det werden. Im Mit­tel­punkt stehen First- und Se­cond-Par­ty-Au­dits, also interne Audits und Lie­fe­ran­ten­au­dits. Gleich­zei­tig bietet er externen Au­di­to­ren aus der Zer­ti­fi­zie­rungs­bran­che eine an­er­kann­te Grund­la­ge, obwohl seine An­wen­dung für sie nicht ver­bind­lich ist. Für die interne Au­di­tie­rung wird die An­wen­dung von ISO 19011 emp­foh­len, eine Ver­pflich­tung besteht jedoch eben­falls nicht.

Revision ISO 19011:2026

Hintergründe und Ziele

Im Mai 2026 ist die überarbeitete ISO 19011:2026-05 erschienen. Im Vergleich zur Revision von 2018 fällt der Änderungsumfang insgesamt geringer aus. Ein zentraler Treiber der Überarbeitung war die zunehmende Bedeutung von Remote und hybriden Audits. Mit der Publikation der technischen Spezifikation ISO/IEC TS 17012 im August 2024 wurde ein detaillierter Leitfaden für Remote Audits bereitgestellt. Dessen Inhalte wurden in die Revision von ISO 19011 übernommen, indem ergänzende Methoden und Hinweise in Anhang A aufgenommen wurden.

ISO 19011:2026-05 | Guidelines for auditing management systems

Auf Deutsch liegt aktuell der Entwurf DIN EN ISO 19011:2025-04 als vorläufige Version des internationalen Standards vor. Beide Normen sind bei DIN Media erhältlich.

 

Wesentliche Änderungen in ISO 19011:2026

Die überarbeitete Version enthält ein deutlich erweitertes Kapitel zu Remote-Audits und virtuellen Standorten. Außerdem stärkt sie das Konzept integrierter Audits und erläutert, wie mehrere Managementsysteme gemeinsam auditiert werden können. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Definition der Remote-Audit Methode (Kapitel 3.4)
  • Präzisere Erläuterungen zum Auditieren von Prozessen (Anhang A2)
  • Erweiterte Leitlinien zu Remote-Audit-Methoden (Anhang A1) durch Übernahme der Empfehlungen aus ISO/IEC TS 17012 „Konformitätsbewertung – Leitlinien für die Nutzung von Remote-Audit-Methoden beim Auditieren von Managementsystemen“
  • Erweiterte Hinweise zum Auditieren der Lieferkette (Anhang A12)
  • Ergänzte Leitlinien zu virtuellen Standorten (Anhang A15) und zu Remote-Audit-Methoden (A16) 

Darüber hinaus wurden aktuelle Erkenntnisse zur Risikobetrachtung in Auditprogrammen und zur Kompetenz in die Norm aufgenommen. Praxisnahe Beispiele sowie strukturierte Hinweise erleichtern die Anwendung. Stärker berücksichtigt werden zudem folgende Aspekte:

  • Einsatz digitaler Technologien in Auditprozessen
  • Kontextanalyse
  • Bewertung von Performance-Ergebnissen
  • Auswirkungen des Klimawandels und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen 

Unabhängig davon, ob Managementsysteme nach ISO 9001, ISO 14001, ISO 27001 oder als integriertes Managementsystem auditiert werden, bildet ISO 19011 eine verlässliche Grundlage. 

„Audits dienen nicht nur der Konformitätsbestätigung, sondern vor allem auch der Wei­ter­ent­wick­lung Ihrer Or­ga­ni­sa­ti­on und Prozesse.“

Verbindung zwischen ISO 19011:2026 und der ISO 9001 Revision

Im Kontext der Auditierung von Managementsystemen ist auch die Revision von ISO 9001 von großer Bedeutung. Der Final Draft von ISO/FDIS 9001:2026 sieht vor, dass zukünftig das Festlegen von Auditzielen verbindlich ist. Gerade hier liefert ISO 19011 praxisnahe Empfehlungen für die Planung und Steuerung von Auditprogrammen und Auditzielen. 

UNSER TIPP: Stimmen Sie die Auditziele frühzeitig im Rahmen der Managementbewertung mit der obersten Leitung ab. So lassen sich interne Audits konsequent an den strategischen Zielen und Prioritäten der Organisation ausrichten.

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von Rita Ka­ge­rer, Expertin für in­te­grier­te Ma­nage­ment­sys­te­me

ISO 19011:2026 – Was sind die wesentlichen Inhalte?

Der risikobasierte Ansatz

Der risikobasierte Ansatz prägt die Planung, Durchführung und Berichterstattung von Audits. Dabei werden sowohl Risiken als auch Chancen systematisch berücksichtigt. Hierzu gehören Risiken, wie beispielsweise nicht genügend qualifizierte Auditoren bereitzustellen, um die Auditziele zu erreichen. Ebenso wichtig ist der Blick auf Chancen – etwa wenn Audits aktuelle Herausforderungen der Geschäftsführung, organisatorische Veränderungen oder den Umgang mit der DSGVO gezielt aufgreifen.

Die Idee dahinter ist, das Vorgehen stärker auf die für den Auftraggeber und für die Erreichung der Ziele des Auditprogramms relevanten Themen auszurichten.

 

Das Auditprogramm steuern

Dieses Kapitel beschreibt, worauf es bei der Durchführung von Audits letztlich ankommt: die Planung, Auditdurchführung und Nachbereitung.

Ausgangspunkt sind dabei der Kontext der Organisation, ihre strategischen Ziele sowie identifizierte Risiken und Chancen. Die Anwendung eines Prozessansatzes ist eine Voraussetzung für alle Managementsystemnormen. Es müssen also alle relevanten Prozesse und ihre Interaktionen auditiert werden. Dies sollten die Auftraggeber der Audits wissen (zum Beispiel die oberste Leitung), um klare Aufträge zu vergeben.

Eine angemessene Auditplanung soll unter anderem Folgendes berücksichtigen:

  • Komplexität des Unternehmens und seiner Prozesse
  • Standorte und standortspezifische Besonderheiten
  • Ausgelagerte Prozesse und Leistungen
  • Anforderungen an Informationssicherheit und Vertraulichkeit

In der Praxis werden Auditprogramme heute zunehmend flexibel geplant, anstatt sie starr über mehrere Jahre festzulegen. Dabei sollten Prozesse mit höheren Risiken oder niedrigerem Leistungsniveau ausgewählt und aktuelle Unternehmensthemen mit Audits begleitet werden.

Die Auditdurchführung

Klare Auditziele sind in der Norm nichts Neues. Sie bilden gemeinsam mit den Auditkriterien den roten Faden eines Audits. Obwohl die Norm ihre Bedeutung ausdrücklich hervorhebt, werden sie in der Praxis häufig nicht konsequent genutzt.

Auditziele sollten auf folgende Themen ausgerichtet sein:

  • Reifegrad des Managementsystems, der Prozesse und weitere Auditkriterien
  • Wirksamkeit des Managementsystems und seiner beabsichtigten Ergebnisse, zum Beispiel mit Bezug auf die Prozessziele
  • Chancen zur fortlaufenden Verbesserung, zum Beispiel mit Blick auf Effizienz und Digitalisierung
  • Eignung, Angemessenheit und Fähigkeit des Managementsystems in Bezug auf den (sich wandelnden) organisatorischen Kontext und die strategische Ausrichtung
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DQS Academy

Work­shop: Interne Audits planen, durch­füh­ren und nach­be­rei­ten

Die Tagesveranstaltung wendet sich an neue interne Au­di­to­ren sowie Au­di­to­ren, die ihr Wissen zu den Grund­la­gen interner Audits auf­fri­schen möchten.

Sie kennen nach diesem Tag An­satz­punk­te und Werk­zeu­ge zur Planung, Durchführung und Nach­be­rei­tung von internen Audits und wissen, wie Sie diese für die Um­set­zung in Ihrem Un­ter­neh­men gut nutzen können.

Ihr Mo­de­ra­tor: Chris­ti­an Zie­be, DQS-Au­di­tor, Experte Business Ex­cel­lence und Autor des Fach­bei­trags

Interne Audits mal anders planen und durchführen

Interne Audits werden von den Beteiligten nicht immer als Mehrwert wahrgenommen. Dabei gibt es in ISO 19011:2026 zahlreiche Ansätze, mal anders zu auditieren. Mit anderen Vorgehensweisen in der Auditplanung, mit neuen Auditzielen und alternativen Methoden lassen sich wertvolle Ergebnisse erreichen – und eine positive Erwartungshaltung an das interne Audit schaffen.

 

Lieferantenaudits systematisch planen und durchführen

Mit der Revision von ISO 19011:2026 gewinnen die Auditierung der Lieferkette (Sicherstellung der Leistungen) und die Betrachtung des Lebenszyklus im Sinne der Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung. Empfohlen wird eine durchgängige End-to-End-Betrachtung von Lieferketten sowie von Produkten und Dienstleistungen. Lieferantenaudits zeigen neutral auf, wo dies konform gelingt und wo sich Risiken und Chancen zeigen. Auch hier liefert der internationale Leitfaden praxisnahe Hinweise.

Remote Audits

ISO 19011:2026 greift die zunehmende Digitalisierung der Auditpraxis auf. Dies betrifft zum einen das Audit selbst, in dem immer häufiger ein Tablet oder Notebook zum Einsatz kommt. Dabei sollte geprüft werden, ob die eingesetzten Geräte den Auditprozess zuverlässig unterstützen – etwa bei Schrift- und Spracherkennung oder bei der Nutzung von Fotos und Videos (mit entsprechender Einwilligung).

Die Anwendung von Remote Audits muss immer sorgfältig abgewogen werden, da nicht jede Situation über die Distanz angemessen beurteilt werden kann. So können relevante Dokumente möglicherweise nicht angemessen eingesehen werden. Oft sind es die kleinen Dinge, das Umfeld eines Arbeitsplatzes oder einzelne Arbeitsschritte in der Produktion, die für eine angemessene Bewertung notwendig sind.

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Remote Audit

Au­di­tie­ren aus der Fer­ne

Pro­fun­des Ex­per­ten­wis­sen zu

  • Chan­cen und Grenzen so­wie
  • tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen von Remote Au­dits

Kompetenz der Auditorinnen und Auditoren

Der Standard fordert, die Kompetenz der am Auditprozess Beteiligten systematisch zu beurteilen – beispielsweise im Hinblick auf die erforderliche Gesamtkompetenz des Auditteams oder die Einbindung von Sachverständigen. Kompetenz umfasst dabei weit mehr als Wissen und Fertigkeiten. Sie zeigt sich insbesondere in der sicheren Anwendung von Auditmethoden, im Verständnis des prozess- und risikoorientierten Ansatzes sowie in der angemessenen Bewertung von Risiken und Chancen.

Gefragt ist auch Kommunikationskompetenz, beispielsweise das wirksame Zusammenarbeiten, Selbstsicherheit, souveränes Verhalten bei Meinungsverschiedenheiten, geeignete Fragetechniken sowie der sichere Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnik.

Auditteamleiter müssen delegieren können, also Auditaufgaben nach spezifischer Kompetenz der einzelnen Auditoren zuweisen. Sie müssen in der Lage sein, Gespräche mit der obersten Leitung zu strategischen Fragestellungen zu führen und dabei Risiken und Chancen angemessen einzubeziehen. Ebenso gehören Führungsqualitäten zu ihrem Kompetenzprofil: Sie koordinieren das Auditteam, leiten Auditoren in Ausbildung an und übernehmen damit eine wichtige Vorbildfunktion.

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Anhang A: Zusätzliche Orientierung für die Auditpraxis

Ebenso lesenswert sind die praxisnahen Leitlinien im Anhang A der Norm. Sie geben wertvolle Orientierung unter anderem in folgenden Bereichen: 

  • Prozessansatz beim Auditieren
  • Auditieren von Führung und Verpflichtung
  • Auditieren von Risiken und Chancen
  • Auditieren unter Berücksichtigung des Lebenszyklus
  • Fachmännisches Urteil
  • Leistungsbezogene Ergebnisse
  • Auditieren von Compliance innerhalb eines Managementsystems

Fazit: Audits wirksam weiterentwickeln – mit ISO 19011

Der Leitfaden ISO 19011:2026 trägt aktuellen Entwicklungen in der Auditpraxis konsequent Rechnung. Er greift Themen wie Remote Audits, integrierte Managementsysteme, Lieferketten, Nachhaltigkeit und den risikobasierten Ansatz auf und bietet internen wie externen Auditoren hierfür praxisnahe Orientierung. Gleichzeitig stärkt er die strategische Bedeutung von Audits, indem er den Fokus auf klare Auditziele, wirksame Auditprogramme und die Kompetenz der am Auditprozess Beteiligten legt.

Richtig angewendet unterstützt ISO 19011 Organisationen dabei, Audits nicht nur normkonform, sondern auch zielgerichtet und wirksam zu gestalten. Feststellungen beschränken sich dabei nicht auf die Bewertung der Konformität. Sie liefern zugleich wertvolle Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Managementsystemen, zeigen Verbesserungspotenziale auf und machen bewährte Praktiken sichtbar. Damit leisten sie einen nachhaltigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Managementsystemen und zur Erreichung der strategischen Ziele Ihres Unternehmens.

DQS - Ihr verlässlicher Zertifizierungspartner

Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 als erster deutscher Zertifizierer von Managementsystemen engagiert sich die DQS für den nachhaltigen Erfolg ihrer Kunden. Mit wertschöpfenden Begutachtungen und kundenorientierten Konzepten begleiten wir Organisationen bis hin zu Business Exzellenz.

Neben der Begutachtung nach einzelnen Managementsystemnormen bietet Ihnen gerade die kombinierte, zeitgleiche Auditierung von vollständig integrierten Managementsystemen zahlreiche Chancen. Durch die themenübergreifende Begutachtung werden Synergien genutzt und gleichzeitig Wechselwirkungen, aber auch Widersprüche zwischen den unterschiedlichen Themenfeldern erkannt.

Im Zusammenhang mit ISO 19011 bieten wir Ihnen auch Second-Party-Audits als Dienstleistung an, zum Beispiel als Lieferantenaudits.

Um den Nutzen für unsere Kunden zu erhöhen, legen wir den Schwerpunkt in der Auswahl und Weiterbildung unserer Auditoren auf ihre Mehrfachqualifikation:  decken im Durchschnitt mindestens drei Regelwerke ab. Nehmen Sie uns beim Wort. Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen. Kontaktieren Sie uns.

Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor

Chris­ti­an Ziebe

Ex­per­te für ISO 9001 und Service Ex­cel­lence. Zu­ge­las­se­ner Auditor der DQS in Frank­furt am Main mit weit­rei­chen­den Er­fah­run­gen im Fi­nanz­dienst­leis­tungs­be­reich, unter anderem im Projekt- und Be­schwer­de­ma­nage­ment, EF­QM-As­ses­sor und Re­gio­nal­kreis­lei­ter Frank­furt der DGQ (Deut­sche Ge­sell­schaft für Qualität).

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