Nor­men stellen An­for­de­run­gen an Pro­duk­te, Dienst­leis­tun­gen, Ver­fah­ren oder Systeme, jeweils fest­ge­hal­ten in einem Do­ku­ment. Sie haben also eine wichtige Funktion beim Wa­ren­aus­tausch, in­ner­halb von Branchen und für das Ma­nage­ment, zum Beispiel von Qualität und Um­welt­schutz. Der­ar­ti­ge Do­ku­men­te ermöglichen es Han­dels­part­nern, sich im Wa­ren­ver­kehr auf ge­mein­sa­me Stan­dards zu berufen. Produkte und Dienst­leis­tun­gen werden ver­gleich­ba­rer und si­che­rer, da sie auf der Basis einer Norm zer­ti­fi­ziert werden können.

Was ist eine DIN-Norm?

Hierbei handelt es sich um eine nationale Norm, die vor allem in Deutschland Anwendung findet, oder in Vorbereitung auf eine internationale Norm veröffentlicht wird. DIN-Normen werden vom Deutschen Institut für Normung (DIN) in Berlin veröffentlicht. Enthält das Dokument das Regelwerks-Kürzel „DIN EN“, handelt es sich um die deutsche Variante einer europäischen Norm (EN), die von allen Mitgliedern der europäischen Normungsorganisation (CEN) akzeptiert wird.

Steht „DIN EN ISO“ vor der Dokumentennummer, entspricht sie einem weltweit anwendbaren Dokument der International Organization for Standardization (ISO). Beispiele dafür sind DIN EN ISO 14001 für ein Umweltmanagementsystem oder DIN EN ISO 50001 für ein Energiemanagementsystem. Wird eine ISO-Norm unverändert als nationale Norm übernommen, handelt es sich um eine „DIN ISO“-Norm, zum Beispiel DIN ISO 45001 für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Enthält die ausführliche Schreibweise zudem einen weiteren Zusatz, zum Beispiel IEC, so weist dies auf eine gemeinsame Herausgeberschaft hin – in diesem Fall der internationalen Organisation zur Standardisierung (ISO) und der International Electrotechnical Commission (IEC). Ein Beispiel dafür ist die international anerkannte Norm für Informationssicherheit DIN EN ISO/IEC 27001.

Oft handelt es sich bei ihrer Anwendung nur um eine Empfehlung und ihre Verwendung beruht auf freiwilliger Basis. Dies ist zum Beispiel bei ISO 9001 für die Implementierung und Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems der Fall. Allerdings kann die Freiwilligkeit in gewisser Weise eingeschränkt werden, sofern ein entsprechendes Zertifikat die Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung ist.

Es gibt allerdings auch Bereiche, in denen der Gesetzgeber oder Behörden die Anwendung von Normen zwingend vorschreiben, etwa bei der Einhaltung von Brandschutzbestimmungen. Hier greift DIN 14095, die Anforderungen an Feuerwehrpläne für bauliche Anlagen stellt.

 

Wie entsteht eine Norm?

Eine Norm kann grundsätzlich von jeder Person initiiert oder beantragt werden. Meist erfolgt der Antrag aber über Verbände oder Unternehmen. Bis sie jedoch veröffentlicht wird und Gültigkeit hat, wird sie in der Fachöffentlichkeit diskutiert, Experten können ihre Tragfähigkeit prüfen.

Der Weg bis zur Veröffentlichung des Dokuments kann wie folgt aussehen:

1. Initiierung einer Norm
Der Normungsantrag wird gestellt und einem der 3.600 Gremien des DIN Deutschen Instituts für Normung zur Bearbeitung vorgelegt.

2. Erster Entwurf und Diskussion
Im Gremium entstehen erste Entwürfe, auf die sich alle Experten einigen müssen. Die Diskussion über den Inhalt erfolgt öffentlich. Unternehmen und Verbraucher haben die Möglichkeit, als Experten in den jeweiligen Ausschüssen mitzuwirken.

Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, sind es meist Verbände, die Vertreter in die Gremien entsenden. So muss nicht jedes Unternehmen einzeln einen Experten schicken.

3. Veröffentlichung des Entwurfs
Nachdem die Entwürfe für die Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden, läuft eine Frist von zwei bis vier Monaten. Innerhalb dieser Zeit können Kommentare oder Kritik zum Entwurf geäußert werden. Die Anmerkungen werden geprüft, und wenn es keine weiteren Einwände gibt, wird das Dokument veröffentlicht.

Spätestens nach fünf Jahren wird geprüft, ob der Inhalt noch dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Besteht kein Anpassungsbedarf, bleibt das Dokument bis zur nächsten Prüfung gültig. Sollte die Überprüfung ergeben, dass eine Norm in der bestehenden Form keinen ausreichenden Nutzen mehr hat, wird das Dokument entweder überarbeitet oder eventuell auch zurückgezogen.

 

Wie ist eine DIN-Norm gegliedert?

Die Gliederung und auch die Gestaltung einer Norm unterliegt in Deutschland selbst wieder einer Norm, nämlich DIN 820. Sie regelt alle Grundsätze der Normungsarbeit.

Auch Normen für Managementsysteme unterliegen einer einheitlichen Grundstruktur mit identischem Kerninhalt und Kernbegriffen, der sogenannten High Level Structure (HLS). Sie wurde im Jahr 2012 durch die ISO eingeführt, um die Angleichung unterschiedlicher, themenspezifischer Normanforderungen zu verbessern und die Integration in ein bereits bestehendes (integriertes) Managementsystem zu erleichtern.

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Neuere Dokumente verfügen in der Regel über eine identische Gliederung ihres Inhalts. Die Anzahl der Kapitel im Anforderungsteil erfolgt dabei gemäß den Bedürfnissen des Themas. Eine Norm kann einen oder mehrere Anhänge aufweisen, die entweder normativen oder informativen Charakter haben. Als Beispiel die Gliederung von der bekannten Qualitätsmanagementnorm ISO 9001:

(nationales) Vorwort
0. Einleitung
1. Anwendungsbereich
2. Normative Verweisungen
3. Begriffe (Verweis auf ISO 9000:2015)
Kapitel 4 bis 10 – Anforderungsteil, Anwendung des PDCA-Zyklus:
4. Kontext der Organisation
5. Führung
6. Planung
7. Unterstützung
8. Betrieb
9. Bewertung der Leistung
10. Verbesserung
Anhang A (informativ)
Anhang B (informativ)
Literaturhinweise

Wie werden Normen gekennzeichnet?

Alle veröffentlichten Normen sind, meist anhand ihrer Herausgeberkürzel, einem oder mehreren Regelwerken zugeordnet, z.B. DIN, DIN EN, DIN EN ISO etc. Dazu kommt eine charakteristische Dokumentennummer, so enden zum Beispiel alle großen, zertifizierungsfähigen ISO-Normen für Managementsysteme auf 01: 9001, 14001, 45001, 50001, 27001 etc.

Der Hinweis auf eine Teil-Norm erfolgt durch einen an die Dokumentennummer angehängten Bindestrich und eine Zahl, die die einzelnen Teile ausweist, zum Beispiel DIN 820-1 (Normungsarbeit – Teil 1: Grundsätze).

Je nachdem, wie ausführlich eine Bezeichnung erfolgen soll, kann auch das Ausgabedatum ausgewiesen werden. Dazu wird an die Dokumentennummer ein Doppelpunkt ohne Leerzeichen angefügt, dem direkt das vierstellige Erscheinungsjahr, ein Bindestrich und der zweistellige Erscheinungsmonat angefügt wird. Für die Kennzeichnung von Entwürfen oder vorläufigen Ausgaben gibt es weitere Bezeichnungsvorschriften.

 

Normen - Gut zu wissen

Mittlerweile existieren in Deutschland mehr als 34.000 DIN-Normen. Sie alle werden im Beuth Verlag veröffentlicht. Ein Großteil der Produkte, die Verbraucher täglich verwenden, ist demnach genormt – von der Schraube bis zum Schulranzen. Darüber hinaus gibt es auch Standards für Managementsysteme oder zur Einhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten. Nach Angaben des DIN profitiert die hiesige Volkswirtschaft durch Normen in einem Umfang von jährlich etwa 17 Milliarden Euro.

Zu den bekanntesten Normen in Deutschland gehört das DIN A4-Format für Papier. Es wurde bereits 1922 als Teil der DIN-A-Reihe entwickelt und in der DIN 476 festgehalten (heute ist die A-Reihe in DIN EN ISO 216 enthalten). Sie stellt sicher, dass alle Dokumente und Schreibpapiere eine einheitliche Größe haben und problemlos in jedem Drucker oder Ordner verwendet werden können.

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Seit mehr als 35 Jahren stehen wir zu dem, was wir sind und was wir tun: Wir sind Ihr Spe­zia­list für Audits und Zer­ti­fi­zie­run­gen – für Prozesse und Ma­nage­ment­sys­te­me.

Autor
Ute Dröge

In ihrer Rolle als langjährige Au­di­to­rin und Norm­ex­per­tin ist Ute Dröge eine zentrale An­sprech­part­ne­rin für den Großkundenbereich der DQS. Ihre um­fas­sen­de Ex­per­ti­se er­streckt sich über diverse Branchen und kon­zen­triert sich auf die Schwer­punk­te Qualität, Umwelt, Ar­beits­si­cher­heit und En­er­gie­ma­nage­ment. Im Rahmen der DQS Academy wird ins­be­son­de­re das um­fang­rei­che Fach­wis­sen der er­fah­re­nen Mo­de­ra­to­rin und Trai­ne­rin geschätzt.

 

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