Do­ku­men­tier­te In­for­ma­ti­on, so lautet die deutsche Überschrift des Kapitels 7.5 aller seit 2012 er­schie­nen Ma­nage­ment­sys­tem­nor­men der In­ter­na­tio­nal Or­ga­niza­ti­on for Stan­dar­diza­ti­on (ISO). Damit ist sie fester Be­stand­teil der ge­mein­sa­men Grund­struk­tur moderner Ma­nage­ment­sys­tem­nor­men, der so­ge­nann­ten High Level Struc­tu­re (HLS). Mit der großen Revision von ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 14001 (Um­welt­ma­nage­ment) im Jahr 2015 wurde der Begriff einem größeren An­wen­der­kreis be­kannt.

In früheren Versionen der internationalen Normen für Managementsysteme war noch von „Dokumentation“, „Dokumentationsanforderungen“, „Dokumenten“ und „Aufzeichnungen“ die Rede. Nun fassen die ISO-Normen diese Begriffe unter der „dokumentierten Information“ zusammen.

Für Normanwender ist die Verwendung des Sammelbegriffs jedoch keine Pflicht. Wer will, kann in seiner dokumentierten Information und beim Umgang damit natürlich auch weiterhin die firmeninternen Begriffe verwenden. Zu beachten ist dabei jedoch, dass die Verwendung von Begriffen systematisch und einheitlich geschieht. Sie darf zum Beispiel in externen Zertifizierungsaudits zu keinerlei Missverständnissen führen.

 

Wie wird dokumentierte Information definiert?

Die internationale Norm DIN EN ISO 9000:2015-11 definiert Grundlagen und Begriffe eines Qualitätsmanagementsystems. In Kapitel 3.8.6 wird sie als „Information, die von einer Organisation gelenkt und aufrechterhalten werden muss“ beschrieben. Dies schließt auch das Medium ein, auf dem die Information enthalten ist. Welche Medien dabei zum Tragen kommen, ist Sache Ihres Unternehmens. Heute sind dies vermehrt Fotodokumentationen, Videos, Audio-Formate und interaktive Bedienerführungen.

Die Definition in ISO 9000 nimmt außerdem eine Unterscheidung in drei Bereiche vor, die folgendes repräsentieren:

  • das Managementsystem und seine Prozesse
  • den Betrieb Ihres Unternehmens
  • die Nachweise von Ergebnissen

 

Ist jede dokumentierte Information eine „dokumentierte Information“?

Der außerhalb der Normensprache unbekannte Fachterminus dokumentierte Information ist eine wörtliche Übersetzung des englischen Originals „documented information“. Und: Wie häufig bei normspezifischen Begriffen, die 1:1 vom Englischen ins Deutsche übertragen werden, empfiehlt es sich zum besseren Verständnis auch hier, etwas genauer hinzusehen.

Wer meint, es läge eine dokumentierte Information im Sinn der Norm vor, sobald eine beliebige Information dokumentiert wurde, irrt. Denn der Status „dokumentierte Information“ hängt davon ab, ob eine Norm, zum Beispiel ISO 9001, eine Notwendigkeit sieht, dass bestimmte Informationen auch zu dokumentieren sind. Wenn ja, ist dies in den entsprechenden Kapiteln und der jeweiligen Anforderung vermerkt.

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ISO 9001 und ISO 27001 in Zeiten der Di­gi­ta­li­sie­rung

Mit der An­wen­dung moderner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ergeben sich zur Lenkung der do­ku­men­tier­ten In­for­ma­ti­on gänzlich neue Aspekte: Verfügbarkeit, Integrität und Ver­trau­lich­keit. Span­nen­des Thema? Jetzt als kos­ten­frei­es White­pa­per verfügbar!

Aus dem In­halt:

  • Der richtige Umgang mit do­ku­men­tier­ter In­for­ma­ti­on
  • Do­ku­men­tier­te In­for­ma­ti­on wirksam schützen
  • ISO 27001: Basis für eine sichere Di­gi­ta­li­sie­rung

Darüber hinaus kann eine von der Norm zwar nicht geforderte, aber festgehaltene Information unter bestimmten Umständen zu einer dokumentierten Information im Sinn der Norm werden. Das ist immer dann der Fall, wenn Ihr Unternehmen diese Information für die Wirksamkeit seines Managementsystems als notwendig einstuft.

Liegt beispielsweise eine Liste mit Daten zu den relevanten interessierten Parteien eines Unternehmens vor, ist dies per se noch keine dokumentierte Information im Sinn der Norm. Denn eine solche Liste wird von der Norm nicht gefordert. Wenn diese Aufstellung aber von Ihrem Unternehmen als unerlässlich für die Wirksamkeit des Managementsystems einstuft wird, kann daraus eine „echte“ dokumentierte Information werden. 

 

Erstellen von dokumentierter Information?

An das Erstellen und Aktualisieren von dokumentierten Informationen werden in Kapitel 7.5.2 der bekannten ISO-Normen aber einige grundlegende Anforderungen gestellt. Diese reichen von der Kennzeichnung über ein angemessenes Format bis zur Prüfung von Eignung und Angemessenheit der Information selbst. Auch die Lenkung (Kap. 7.5.3) unterliegt bestimmten Anforderungen, die wichtigsten betreffen deren Verfügbarkeit und Schutz.

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Do­ku­men­ta­ti­on im Ma­nage­ment­sys­tem: so viel wie nötig, so wenig wie möglich

Ein Workshop für Führungskräfte aller Ebenen, Ma­nage­ment­be­auf­trag­te und Mit­ar­bei­ter, die Umgang mit do­ku­men­tier­ten In­for­ma­tio­nen haben und/oder ver­ant­wort­lich für die Do­ku­men­ta­ti­on im Un­ter­neh­men sind. Aus dem Inhalt: 

  • Erstellung und Ak­tua­li­sie­rung
  • Len­kung do­ku­men­tier­ter In­for­ma­tio­nen
  • An­wen­dung in der Praxis 

Weitere Anforderungen zielen auf deren Verteilung, Auffindbarkeit, Zugriff und Verwendung, Speicherung und Ablage, Erhaltung sowie die Überwachung von Änderungen. Eine sehr wichtige Anforderung betrifft die Aufbewahrung als Nachweis der Konformität. Dieser Aspekt kann neben seiner Bedeutung für das Managementsystem aber auch eine ganz wesentliche Rolle im Rahmen rechtlicher Fragestellungen spielen. 

In welchem Umfang muss sie erstellt werden?

Was genau dokumentiert werden muss, ist in den einzelnen Normkapiteln festgelegt. Bespiele, dafür sind die Qualitätspolitik, die Qualitätsziele oder als Nachweis von Kompetenz. Allerdings unterscheidet sich die Pflicht, dokumentierte Information zu erstellen, aufrechtzuerhalten oder aufzubewahren je nach Normdisziplin.

Was den Umfang betrifft, gilt grob: Je größer ein Unternehmen, je komplexer die Prozesse und je umfangreicher die Nachweispflichten sind, desto umfangreicher sollte sie ausfallen.

Auch die Branche und die Kompetenz der im Unternehmen tätigen Mitarbeiter spielen dabei eine wichtige Rolle.  

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Die „Big Six“ der Ma­nage­ment­sys­tem­nor­men

… und deren Struk­tur

  • In­fo­gra­fi­ken zu ISO 9001, ISO 14001, ISO 27001, ISO 37001, ISO 45001 und ISO 50001

Ist ein Qualitätsmanagement-Handbuch noch Pflicht?

Ein Qualitätsmanagement-Handbuch wird seit der Revision von ISO 9001 im Jahr 2015 nicht mehr gefordert. Die Entscheidung, darauf zu verzichten, trägt der allgemeinen Tendenz moderner ISO-Managementsystemnormen Rechnung, Normanwendern mehr Freiheiten bei der Gestaltung ihres Managementsystems zu geben. Gleichzeitig aber wird die oberste Unternehmensleitung verstärkt zur Verantwortung und Rechenschaftspflicht herangezogen.

 

Fazit: Dokumentierte Information

Dokumentierte Information ist die Überschrift von Kapitel 7.5 aller aktuellen ISO-Managementsystemnormen und damit fester Bestandteil ihrer gemeinsamen Grundstruktur (High Level Structure / HLS). Der Sammelbegriff ersetzt die früheren Dokumentationsanforderungen, Dokumentation, Dokumente und Aufzeichnungen.

Dokumentierte Information ist laut der international anerkannten Norm für Qualitätsmanagement DIN EN ISO 9000:2015 „Information, die von einer Organisation gelenkt und aufrechterhalten werden muss“. Format und Medium sind aber nicht vorgegeben, sie müssen nur angemessen sein. An die Lenkung wie die Aufrechterhaltung derartiger Informationen werden konkrete Anforderungen gestellt, ohne ihren Umfang vorzugeben. Dieser hängt von der Art, Größe und Komplexität eines Unternehmens und seiner Prozesse ab. Dokumentierte Information wird dann als solche bezeichnet, wenn es eine Anforderung der jeweiligen Norm ist, oder wenn das Unternehmen es für die Wirksamkeit des Managementsystems als notwendig erachtet.

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Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

 

Autor
Ute Dröge

In ihrer Rolle als langjährige Au­di­to­rin und Norm­ex­per­tin ist Ute Dröge eine zentrale An­sprech­part­ne­rin für den Großkundenbereich der DQS. Ihre um­fas­sen­de Ex­per­ti­se er­streckt sich über diverse Branchen und kon­zen­triert sich auf die Schwer­punk­te Qualität, Umwelt, Ar­beits­si­cher­heit und En­er­gie­ma­nage­ment. Im Rahmen der DQS Academy wird ins­be­son­de­re das um­fang­rei­che Fach­wis­sen der er­fah­re­nen Mo­de­ra­to­rin und Trai­ne­rin geschätzt.

 

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