ISO 45001 Revision
Das Wichtigste zur Revision von ISO 45001 auf einen Blick
ISO 45001 wird derzeit überarbeitet. Die neue Normversion wird voraussichtlich 2027 veröffentlicht, eine Übergangsfrist von drei Jahren gilt als wahrscheinlich. Ziel der Revision ist es, aktuelle Entwicklungen der Arbeitswelt stärker im Arbeitsschutzmanagement zu berücksichtigen und die Wirksamkeit von Managementsystemen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit weiter zu verbessern.
Nach aktuellem Entwurfsstand stehen insbesondere psychische Gesundheit, psychosoziale Risiken, hybride Arbeitsformen, klimabezogene Risiken, organisatorische Resilienz sowie Lieferkettenverantwortung im Fokus. Gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass die Grundstruktur der Norm (High Level Structure, neu: Harmonized Structure) erhalten bleibt und bestehende Anforderungen gezielt weiterentwickelt werden.
Für Unternehmen bedeutet das: mehr Integration, klar definierte Nachweispflichten und ein stärkerer Fokus auf wirksame Prävention und gelebte Sicherheitskultur.
Wo steht die ISO 45001 Revision aktuell?
Die Revision von ISO 45001 befindet sich derzeit in der "Enquiry-Phase" des ISO-Revisionsprozesses. Nachdem die Überarbeitung der Norm Ende 2023 offiziell bestätigt wurde, veröffentlichte das zuständige Technical Committee ISO/TC 283 im Juli 2025 den ersten Committee Draft (ISO/CD 45001).
Im Januar 2026 folgte eine überarbeitete Entwurfsfassung einschließlich eines ersten Entwurfs des informativen Anhangs A. Die eingegangenen Kommentare wurden anschließend durch die zuständige Working Group WG 6 ausgewertet und Mitte April 2026 in einen Draft International Standard (DIS) überführt, der im Juni 2026 zur weiteren, weltweiten Abstimmung veröffentlicht wurde.
ISO/DIS 45001:2026-06 – Occupational health and safety management systems – Requirements with guidance for use
Die Abstimmung über den Draft International Standard (DIS) wurde am 8. September 2026 abgeschlossen. Derzeit werden die eingegangenen Kommentare ausgewertet, nächster Meilenstein ist der Final Draft International Standard (FDIS). Die Veröffentlichung der finalen Normfassung wird derzeit für das Jahr 2027 erwartet. Bis dahin gilt weiterhin ISO 45001:2018 einschließlich der mit Amendment 1:2024 eingeführten Anforderungen zum Klimawandel. Anschließend wird voraussichtlich eine Übergangsfrist von drei Jahren gelten.
Was sind die Änderungen in ISO 45001:2027?
Der Entwurf ISO/DIS 45001:2026 enthält noch keinen verbindlichen Anforderungstext, zeigt aber bereits konkret, in welchen Bereichen die Anforderungen weiterentwickelt werden. Dabei zeichnet sich weniger eine grundlegende Neuausrichtung der Norm als vielmehr eine gezielte Weiterentwicklung bestehender Anforderungen ab.
Im Fokus stehen unter anderem psychosoziale Risiken und psychische Gesundheit, arbeitsbezogenes Wohlbefinden („work-related well-being“), neue Arbeitsformen wie hybride oder mobile Arbeit sowie der Umgang mit klimabezogenen Risiken und organisatorischer Resilienz. Darüber hinaus berücksichtigt der Entwurf stärker die unterschiedlichen Bedürfnisse von Beschäftigten und konkretisiert die Steuerung externer Anbieter.
Altan Dayankac, DQS-Normexperte und Produktmanager ISO 45001
Welche Themen stehen im Mittelpunkt der Revision von ISO 45001?
Psychische Gesundheit und psychosoziale Risiken
Ein zentrales Thema der Revision von ISO 45001 scheint die stärkere Berücksichtigung psychischer Gesundheit und psychosozialer Risiken zu sein. Nach aktuellem Entwurfsstand werden Themen wie hohe Arbeitsbelastung, Arbeitstempo, Mobbing und soziale Faktoren des Arbeitsumfelds deutlicher adressiert. Grundsätzlich sind psychosoziale Risiken bereits Bestandteil der aktuellen SGA-Norm, insbesondere im Zusammenhang mit der Ermittlung von Gefährdungen (Kapitel 6.1.2).
Neu ist, dass der Entwurf psychosoziale Gefährdungen in Abschnitt 6.1.2.1 ausdrücklich als solche benennt. Anhang A (A.6.1.2.1) konkretisiert dies mit Beispielen wie Arbeitsmenge und Arbeitstempo, Arbeitszeitgestaltung, Rollenklarheit, Führungsverhalten, zwischenmenschlichen Beziehungen, Belästigung und Mobbing. Unterstützt wird diese Entwicklung unter anderem durch die Leitlinie ISO 45003 zur Behandlung psychosozialer Risiken, auf die der Entwurf ausdrücklich verweist.
Arbeitsbezogenes Wohlbefinden und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist die Erweiterung vom klassischen Arbeitsschutz hin zu einem umfassenderen Verständnis von Sicherheit, Gesundheit und arbeitsbezogenem Wohlbefinden („work-related well-being“). Damit verbunden ist ein stärkerer Fokus auf gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen.
Bereits die Version von 2018 ermöglichte es, das arbeitsbezogene Wohlbefinden in das Managementsystem einzubeziehen, allerdings nur als Option. ISO/DIS 45001:2026 verankert es nun an zahlreichen Stellen, vom Anwendungsbereich (1) über die Führungsanforderungen (5.1) und die SGA-Politik (5.2) bis zur betrieblichen Planung (8.1.1). Mit Abschnitt 3.20 erhält das arbeitsbezogene Wohlbefinden zudem eine eigene Definition, die physische, psychische, soziale und kognitive Bedürfnisse der Beschäftigten umfasst. Die Norm geht damit über die reine Verhütung von Verletzungen und Erkrankungen hinaus und setzt stärker auf einen proaktiven Ansatz.
Dabei geht es weniger um individuelle Gesundheitsangebote als vielmehr um organisatorische Rahmenbedingungen, die das Wohlbefinden von Beschäftigten beeinflussen können. Dazu zählen beispielsweise Arbeitsorganisation, Führungsverhalten, Kommunikation, Arbeitsintensität oder die Gestaltung von Arbeitsprozessen.
Anhang A (A.3) stellt klar, dass sich die Verantwortung der Organisation auf arbeitsbezogene Faktoren in ihrem Einflussbereich bezieht und nicht auf private Angelegenheiten der Beschäftigten. Zugleich betont er, dass arbeitsbezogenes Wohlbefinden sowohl die Vermeidung von Schäden als auch die Förderung gesunder und nachhaltiger Arbeitsbedingungen umfasst. Der präventive Ansatz von ISO 45001 wird damit gestärkt und um die aktive Gestaltung guter Arbeitsbedingungen erweitert.
Neue Arbeitsformen und flexible Arbeitsmodelle
Auch neue Arbeitsformen wie mobile Arbeit, Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle werden in der Revision offenbar stärker berücksichtigt. Hintergrund sind veränderte Arbeitsrealitäten, neue Technologien sowie Arbeitsformen, die über digitale Plattformen organisiert werden. Damit verbunden sind neue Fragestellungen hinsichtlich Kommunikation, Zusammenarbeit, ergonomischer Arbeitsbedingungen sowie psychischer Belastungen.
Der Entwurf greift dies an mehreren Stellen auf. So bezieht die Definition des Arbeitsplatzes (3.6) ausdrücklich auch entfernte Orte wie die eigene Wohnung, Fahrzeuge oder öffentliche Räume ein. Bei der Gefährdungsermittlung (6.1.2.1) sind künftig zusätzlich Beschäftigte an entfernten Arbeitsorten, plattformbasierte Arbeit sowie neue und sich verändernde Technologien zu berücksichtigen. Ergänzend wird mit ISO/DIS 45008 derzeit eine Leitlinie zum Arbeiten an entfernten Arbeitsorten entwickelt, auf die der Entwurf bereits verweist.
Sicherheitskultur und Beteiligung
Sicherheitskultur und Beschäftigtenbeteiligung bleiben zentrale Elemente der Norm. Wie bisher soll die oberste Leitung eine Kultur in der Organisation entwickeln, leiten und fördern, die die beabsichtigten Ergebnisse des SGA-Managementsystems unterstützt (5.1). Die Organisation soll die Beteiligung der Beschäftigten unter anderem durch Zeit, Schulungen und Ressourcen ermöglichen (5.4). Neu hinzu kommt die Verpflichtung der obersten Leitung, als Vorbild zu wirken (5.2). Zudem soll sie die Meldung von Vorfällen, Gefährdungen, Risiken und Chancen künftig aktiv fördern (5.1).
Passend dazu erweitert der Entwurf die Themen, über die sich Beschäftigte bewusst sein müssen, um die Meldewege für Vorfälle und Gefährdungen sowie um ihren Schutz vor Druck, Einschüchterung und Repressalien bei solchen Meldungen (7.3). Ziel ist eine präventiv ausgerichtete Sicherheitskultur, die Sicherheit und Gesundheit als festen Bestandteil organisatorischer Prozesse versteht.
Diversität und individuelle Bedürfnisse
Nach aktuellem Entwurfsstand müssen Organisationen die Diversität ihrer Beschäftigten künftig ausdrücklich berücksichtigen, wenn sie deren Erfordernisse und Erwartungen ermitteln (4.2). Neu ist, dass die Diversität der Beschäftigten auch bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen ist (8.1.2) und die Notfallvorsorge individuelle Evakuierungspläne für Menschen mit Behinderungen einbeziehen soll (8.2).
Anhang A nennt beispielhaft Merkmale wie Geschlecht, Alter, Behinderungen, Sprach- und Lesekompetenz, Betreuungspflichten, Kultur und Religion, Schwangerschaft, Wechseljahre oder chronische Erkrankungen. Auch persönliche Lebensumstände und Erfahrungen werden dort als Faktoren genannt, die beeinflussen, wie sich Arbeitsbedingungen und Risiken auf einzelne Personen auswirken. Praktische Orientierung zu einem dieser Themen bietet die im September 2026 veröffentlichte ISO 45010. Der Leitfaden unterstützt Organisationen dabei, Richtlinien und Maßnahmen rund um Wechseljahre am Arbeitsplatz zu entwickeln, und wird von der ISO kostenfrei bereitgestellt.
Mit 3.21 erhält zudem der Begriff „Behinderung“ eine eigene Definition. Damit wird deutlich, dass Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zunehmend im Kontext vielfältiger und heterogener Arbeitsumgebungen betrachtet werden.
Klimabezogene SGA-Risiken und Resilienz
Klimabezogene Risiken und organisatorische Resilienz zeichnen sich als ein weiterer Schwerpunkt ab. Hintergrund ist unter anderem die stärkere Berücksichtigung von Klimathemen innerhalb der ISO-Managementsystemnormen infolge des sogenannten „Climate Change Amendment“. Damit wurden 2024 in verschiedene Managementsystemnormen ergänzende Anforderungen aufgenommen, so auch in ISO 45001 (ISO 45001:2018/Amd 1:2024).
Der Entwurf übernimmt diese Anforderungen und ergänzt sie in Abschnitt 4.1 um Anmerkungen mit Beispielen für relevante interne und externe Themen. Anhang A (A.4.1) nennt darüber hinaus die Berichterstattung über klimabezogene SGA-Risiken als möglichen externen Einflussfaktor, den Organisationen bei der Bestimmung ihres Kontexts berücksichtigen können.
Besonders deutlich wird der Klimabezug bei der Gefährdungsermittlung: Abschnitt 6.1.2.1 nennt den Klimawandel und seine absehbaren Folgen ausdrücklich als zu berücksichtigenden Faktor. Dazu zählen beispielsweise:
- Extremwetterereignisse wie Stürme oder Starkregen
- thermische Belastungen durch Hitze oder Kälte
- erhöhte UV-Strahlung
- Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Infrastruktur
- neue Gefährdungen durch Arbeitsprozesse, Technologien und Materialien, die im Zuge von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen eingeführt werden
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Wir freuen uns darauf, diese gemeinsam mit Ihnen zu klären. Besonders zu Themen wie Transferaudits oder Matrixzertifizierung stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne weiterführende Informationen zur Verfügung.
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Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die im Januar 2026 veröffentlichte ISO/PAS 45007 „Occupational health and safety management – Risks arising from climate change and climate change action“. Die Leitlinie unterstützt Organisationen, klimabezogene Risiken für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit systematisch zu identifizieren, zu bewerten und in bestehende Managementsysteme zu integrieren.
Lieferkettenverantwortung – Erweiterter Geltungsbereich auf externe Partner
Bereits die bestehende ISO 45001 fordert die Steuerung von Auftragnehmern, Beschaffung und ausgegliederten Prozessen. Der Entwurf konkretisiert diesen Aspekt. Der neue Abschnitt 8.1.6 zu extern bereitgestellten Prozessen, Produkten und Dienstleistungen tritt an die Stelle des bisherigen Abschnitts 8.1.4 „Beschaffung“ mit seinen Unterabschnitten zu Auftragnehmern und Ausgliederung. Die Anforderungen, die bisher vor allem für Auftragnehmer galten, beziehen sich damit auf alle externen Anbieter. SGA-Kriterien sollen, wo angemessen, verbindlich in Verträge aufgenommen werden; 2018 war dies nur als Empfehlung formuliert.
Neu ist außerdem, dass Organisationen ermittelte Möglichkeiten nutzen sollen, ihre Anbieter bei der Verbesserung der SGA-Leistung zu unterstützen (6.1.2.3). Begleitend ersetzt die Definition „externer Anbieter“ (3.8) den bisherigen Begriff „ausgliedern“. Für Organisationen gewinnt damit die Steuerung von Schnittstellen, Kommunikationswegen und Verantwortlichkeiten entlang der Lieferkette weiter an Bedeutung.
Gefährdungsermittlung und Beurteilung von Risiken und Chancen
Viele der beschriebenen Themenfelder laufen in den Anforderungen an die Gefährdungsermittlung zusammen. Abschnitt 6.1.2.1 erweitert die zu berücksichtigenden Faktoren deutlich, unter anderem um neue und sich verändernde Technologien, plattformbasierte Arbeit, Beschäftigte an entfernten Arbeitsorten, ausdrücklich benannte psychosoziale Gefährdungen, arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen und den Klimawandel.
Bei der Gestaltung von Arbeitsbereichen und Prozessen sind zudem geschlechtsspezifische Gesundheitsanforderungen einzubeziehen. Bei der Beurteilung von SGA-Risiken (6.1.2.2) sollen Organisationen künftig das Zusammenwirken mehrerer Gefährdungen betrachten, Risiken priorisieren und neben Methoden und Kriterien auch die Ergebnisse dokumentieren. Für die Beurteilung von SGA-Chancen (6.1.2.3) nennt der Entwurf zusätzliche Bereiche, etwa die Förderung des Wohlbefindens, die Unterstützung externer Anbieter oder die Gesundheitsüberwachung zur Vorbeugung von Berufskrankheiten.
Betrieblicher Gesundheitsschutz und Rückkehr an den Arbeitsplatz
Besonders deutlich zeigen sich die Änderungen in Abschnitt 8.1 zur betrieblichen Planung und Steuerung. Abschnitt 8.1.1 verlangt künftig zusätzlich Prozesse, um das Wohlbefinden der Beschäftigten zu verbessern. Bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen (8.1.2) ist nun die Diversität der Beschäftigten zu berücksichtigen, und persönliche Schutzausrüstung muss passen.
Neu ist Abschnitt 8.1.3 „Gesundheit am Arbeitsplatz“: Er fordert Prozesse zum Schutz der Gesundheit, etwa zur Früherkennung von Erkrankungen, zum Zugang zu arbeitsmedizinischen Diensten und zu angemessenen Anpassungen bei veränderter Gesundheit oder Leistungsfähigkeit. Ebenfalls neu ist Abschnitt 8.1.4 zur Rückkehr an den Arbeitsplatz nach Verletzung oder Erkrankung. Organisationen sollen Betroffene während der Genesung unterstützen, ihre sichere Wiedereingliederung begleiten, sie bei angepassten Tätigkeiten einbeziehen und vor Benachteiligung schützen.
Welche weiteren Änderungen sind relevant?
ISO/DIS 45001:2026 orientiert sich an der Harmonized Structure, deren Wortlaut durchgängig übernommen wurde. In der Folge sind einige Normabschnitte neu gegliedert, in vielen Fällen jedoch ohne inhaltliche Änderung der Anforderungen. Über die beschriebenen Themenfelder hinaus sind für Unternehmen vor allem folgende Änderungen relevant:
- neue Begriffe und Definitionen, z. B. „arbeitsbezogenes Wohlbefinden“ (3.20), „Behinderung“ (3.21) und „externer Anbieter“ (3.8)
- überarbeitete Definition „SGA-Risiko“ (3.23), die nun auch negative Auswirkungen auf das SGA-Managementsystem umfasst
- stärkere Einbindung der obersten Leitung, unter anderem durch die Verpflichtung, als Vorbild zu wirken (5.2)
- mehr Fokus auf die Wirksamkeit von Maßnahmen bei zugleich klar definierten Nachweispflichten
- erweiterter Blick auf das Arbeitsumfeld, einschließlich Remote-Arbeit und Risiken entlang der Lieferkette
- klarere Schnittstellen zu ISO 9001, ISO 14001 und ESG-Rahmenwerken
Deutlich ausgebaut wurde zudem Anhang A, der eine klarere und einheitlichere Auslegung der Anforderungen fördern soll. Damit rückt der Arbeitsschutz stärker in die strategische Unternehmenssteuerung.
Welche Chancen bietet die ISO 45001 Revision?
Die neue ISO 45001:2027 bietet mehr als nur zusätzliche Anforderungen: Sie unterstützt eine integrierte Betrachtung zentraler Zukunftsthemen wie Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Wohlbefinden, Klimafolgen und Resilienz. Organisationen, die früh reagieren, stärken nicht nur ihre Compliance, sondern auch ihre Attraktivität als Arbeitgeber und ihre Krisenfestigkeit.
Eine frühzeitige Ausrichtung des Arbeitsschutzmanagements auf die neuen Normanforderungen erleichtert später die ISO 45001 Zertifizierung beziehungsweise den Übergang einer bestehenden Zertifizierung auf die neue Normversion.
ISO 45001 Revision: Was Organisationen jetzt tun sollten
Verfolgen Sie die Entwicklungen der Norm aktiv und prüfen Sie frühzeitig, welche Auswirkungen die geplanten Änderungen auf das eigene SGA-Managementsystem haben könnten.
Darüber hinaus kann es hilfreich sein, bestehende Notfall- und Vorsorgeprozesse im Hinblick auf klimabezogene Risiken, organisatorische Resilienz und veränderte Arbeitsbedingungen zu bewerten. Auch die Steuerung externer Anbieter gewinnt an Bedeutung, etwa durch die Anforderung, SGA-Kriterien, wo angemessen, in Verträge aufzunehmen (8.1.6). Zudem sollte die oberste Leitung frühzeitig in die Veränderungen eingebunden werden. Wer die Entwicklungen aufmerksam verfolgt, kann den Übergang zur neuen ISO 45001:2027 strukturiert und ohne Zeitdruck gestalten.
Viele der diskutierten Themen sind bereits heute Bestandteil wirksamer Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. ISO/DIS 45001:2026 konkretisiert diese Aspekte jedoch deutlich, sodass sie künftig auch im Audit eine größere Rolle spielen dürften.
Die Rolle interner Audits im Revisionsprozess
Eine zentrale Rolle in der Vorbereitung auf die neuen Anforderungen spielen interne Audits. Sie ermöglichen eine frühzeitige Identifikation von Handlungsbedarf und zeigen auf, wie tragfähig und wirksam die bestehenden Prozesse bereits sind. Insbesondere Organisationen mit komplexen Arbeitsstrukturen, hohem Anteil mobiler Arbeit oder erhöhten psychosozialen Belastungen können von einer frühzeitigen Einordnung profitieren.
Im Kontext der ISO 45001 Revision gewinnen interne Audits zusätzlich an Bedeutung: Sie helfen Organisationen, den Reifegrad ihrer Präventionskultur realistisch einzuschätzen, erweiterte Themen wie psychosoziale Gefährdungen, arbeitsbezogenes Wohlbefinden oder die Steuerung externer Anbieter gezielt zu überprüfen und die Führungsebene aktiv einzubinden. Unternehmen, die ihre internen Audits strategisch nutzen, schaffen damit beste Voraussetzungen für einen reibungslosen Übergang auf ISO 45001:2027 und erhöhen zugleich die Wirksamkeit ihres gesamten Managementsystems.
ISO 45001 – Internes Audit
Wir interpretieren die Norm.
Interne Audits stellen ein unverzichtbares Element im Rahmen von Managementsystemnormen dar und dienen als Instrument zur effektiven Selbstbewertung. Lesen Sie in unserem kostenfreien Whitepaper, was genau die SGA-Norm mit Blick auf die internen Audits, das Auditprogramm und die Managementbewertung fordert.
Gibt es weiterführende Informationen zu ISO 45001?
Die DQS bietet seit Jahren ein breites Spektrum an Informationen rund um die Norm für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Schulungen und Whitepapers – Themen, die sich lohnen
Warum ist die DQS Ihre erste Anlaufstelle für Informationen zur Revision von ISO 45001?
1985 als erste Zertifizierungsstelle für Managementsysteme in Deutschland gegründet, verfügt die DQS über jahrzehntelange Erfahrung und ist eng mit Normungsgremien, Fachkreisen und der Auditpraxis vernetzt. Dadurch kann sie die Revision von ISO 45001 nicht nur fachlich fundiert einordnen. Die DQS sieht sich als Partner sowohl für Bestandskunden als auch für Neukunden in der Zertifizierung der neuen Norm. Sie begleitet Unternehmen praxisnah und umsetzungsorientiert mit Blick auf Zertifizierungszyklen, Übergangsfristen, Transferaudits und Matrixzertifizierung.
Wie ist der Zeitplan für die ISO 45001 Revision?
Die Revision von ISO 45001 folgt, wie bei anderen Managementsystemnormen auch, einem klar strukturierten ISO-Prozess, der mehrere Entwurfsstufen durchläuft: vom Committee Draft (CD) über den Draft International Standard (DIS) bis zum Final Draft (FDIS). Damit wird sichergestellt, dass ISO 45001 inhaltlich abgestimmt, international konsensfähig und praxistauglich weiterentwickelt wird. Koordiniert wird der Revisionsprozess vom zuständigen ISO-Komitee ISO/TC 283 – Occupational health and safety management.
Der Draft International Standard (DIS) wurde im Juni 2026 veröffentlicht, die Abstimmung darüber endete am 8. September 2026. Die neue Normversion wird in 2027 erwartet.
Wann erscheint die neue DIN EN ISO 45001?
In Deutschland gilt ISO 45001 nicht direkt in der internationalen Version, sondern als DIN-Norm. Die aktuell gültige deutsche Ausgabe ist DIN EN ISO 45001:2023-12. Sie hat die frühere DIN ISO 45001:2018-06 abgelöst und wird ergänzt durch DIN EN ISO 45001/A1:2024-12 mit den Anforderungen zum Klimawandel.
Die bisherigen Ausgaben zeigen, dass die deutsche DIN-Norm in der Regel einige Monate nach der internationalen Norm veröffentlicht wird. Davon ist auch bei der revidierten deutschen Version auszugehen.
Für Zertifizierungen gilt: Maßgeblich für den Beginn der Übergangsfrist ist die Veröffentlichung der internationalen Norm ISO 45001:2027, nicht der Erscheinungstermin der deutschen DIN-Norm. Bis zum Ende der Übergangsfrist (voraussichtlich drei Jahre) bleiben Zertifikate nach ISO 45001:2018 beziehungsweise DIN EN ISO 45001:2023 gültig.
Welche Phasen durchläuft eine Managementsystemnorm bis zur Neuveröffentlichung?
Die Revision einer ISO-Managementsystemnorm folgt einem mehrstufigen, international abgestimmten Verfahren. Jede der Entwurfsstufen ist mit einer eigenen Kommentierungs- und Abstimmungsrunde verbunden, in der die nationalen Normungsorganisationen den Text prüfen, Änderungen einbringen und über das weitere Vorgehen entscheiden. Erst wenn ein Entwurf die nötige Zustimmung erhält, rückt er in die nächste Phase vor, bis zur Veröffentlichung als Internationale Norm. Der Prozess dauert mehrere Jahre, da ein formales Konsensverfahren durchlaufen wird, Übersetzungen in zahlreiche Sprachen erfolgen und die Norm weltweit branchen- und größenübergreifend praxistauglich anwendbar sein muss.
Was passiert in den einzelnen Phasen?
- Working Draft (WD): Erster Arbeitsentwurf innerhalb des Gremiums, dient zur groben Orientierung.
- Committee Draft (CD): Erste Version, die ISO-intern kommentiert und diskutiert wird.
- Draft International Standard (DIS): Reifer Entwurf, der erstmals auch öffentlich kommentiert werden kann. Hier ist eine internationale Beteiligung möglich.
- Final Draft International Standard (FDIS): Fast finale Fassung, bei der nur noch redaktionelle Änderungen möglich sind.
- International Standard (IS): Offizielle Veröffentlichung durch die ISO – Grundlage für die Zertifizierung.
Welche Rolle spielen weitere ISO-Leitfäden?
Im Zusammenhang mit der Revision von ISO 45001 gewinnen ergänzende ISO-Leitfäden und branchenspezifische Guidance-Dokumente zunehmend an Bedeutung. Sie dienen Organisationen als Orientierungshilfe für die praktische Umsetzung einzelner Themenfelder und greifen aktuelle Entwicklungen auf, die in der bestehenden Norm bislang nur allgemein behandelt werden.
Besonders relevant sind dabei Leitfäden zu psychosozialen Risiken, hybriden Arbeitsformen, klimabezogenen Auswirkungen, zur Leistungsbewertung sowie zur Berücksichtigung individueller Bedürfnisse. Hierzu zählen unter anderem:
- DIN ISO 45002:2024 – Allgemeine Leitlinien für die Implementierung von ISO 45001:2018
- ISO 45003:2021 – Psychological health and safety at work – Guidelines for managing psychosocial risks
- ISO 45004:2024 – Guidelines on performance evaluation
- ISO 45006:2023 – Guidelines for organizations on preventing, controlling and managing infectious diseases
- ISO/PAS 45007:2026 – Risks arising from climate change and climate change action – Guidance for organizations
- ISO/DIS 45008:2026 – Guidelines for remote working
- ISO 45010:2026 – Menstruation and menopause in the workplace – Guidance
Auch wenn diese Standards keine eigenständigen Zertifizierungsnormen darstellen, geben sie Hinweise darauf, welche Themenfelder im Umfeld der ISO 45001 Revision an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig unterstützen sie Organisationen dabei, neue Anforderungen und Entwicklungen frühzeitig in bestehende Managementsysteme zu integrieren. Die Standards sind bei DIN Media erhältlich, ISO 45010 stellt die ISO kostenfrei zur Verfügung.
Sie haben Fragen zur Revision ISO 45001?
Wir sind für Sie da!
Wo Veränderungen stattfinden, entstehen Fragen.
Wir freuen uns darauf, diese gemeinsam mit Ihnen zu klären. Besonders zu Themen wie Transferaudits oder Matrixzertifizierung stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne weiterführende Informationen zur Verfügung.
Informieren Sie sich. Ganz unverbindlich und kostenfrei.
Revision von ISO 45001 – kurz zusammengefasst
Das bevorstehende Update von ISO 45001 markiert einen wichtigen Wendepunkt im Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Die neue Normversion zeichnet sich nach aktuellem Stand weniger durch grundlegende Strukturänderungen als vielmehr durch eine inhaltliche Weiterentwicklung bestehender Anforderungen aus. Im Mittelpunkt stehen insbesondere psychosoziale Faktoren, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen, neue Arbeitsformen, Sicherheitskultur sowie der Umgang mit klimabezogenen Risiken und organisatorischer Resilienz.
Gleichzeitig unterstreicht sie, wie sich Anforderungen und Erwartungen an ein modernes Managementsystem verändern werden: Themen wie Beschäftigtenbeteiligung, präventive Sicherheitskultur und die Berücksichtigung unterschiedlicher Arbeitsrealitäten könnten künftig stärker in den Vordergrund rücken.
Auch wenn bis zur Veröffentlichung der finalen Normfassung noch Änderungen möglich sind, können Organisationen die aktuelle Phase sinnvoll nutzen, um sich frühzeitig mit den absehbaren Entwicklungen auseinanderzusetzen und bestehende Prozesse entsprechend zu reflektieren.
Die kommenden Anforderungen – von psychischer Gesundheit bis Digitalisierung und Lieferkette – machen das SGA-Managementsystem fit für die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. Stellen Sie frühzeitig Prozesse auf den Prüfstand, binden Sie Führungskräfte in die Revision ein und setzen Sie auf Integration und wirksame Prozesse: für mehr Arbeitssicherheit, für besseren Gesundheitsschutz, für attraktivere Arbeitsbedingungen und nachhaltige Unternehmensentwicklung.
Fragen und Antworten rund um die Revision ISO 45001
ISO 45001:2027 ist die gängige Bezeichnung für die überarbeitete Version von ISO 45001, deren Veröffentlichung für 2027 erwartet wird. Die International Organization for Standardization (ISO) überprüft alle Normen regelmäßig, um sie an gesellschaftliche, technologische und regulatorische Entwicklungen anzupassen. Die ISO 45001 Revision soll sicherstellen, dass der internationale Standard auch künftig ein praxisnahes Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) bleibt und nicht nur formale Anforderungen erfüllt.
ISO 45001:2027 wird nach der Veröffentlichung den bestehenden Standard ISO 45001:2018 (DIN EN ISO 45001:2023) ablösen.
Die Veröffentlichung der überarbeiteten ISO 45001 wird für 2027 erwartet, ein offizieller Termin steht noch nicht fest. Der Entwurf ISO/DIS 45001 wurde im Juni 2026 veröffentlicht, die internationale Abstimmung darüber endete am 8. September 2026. Derzeit wertet das zuständige Komitee ISO/TC 283 die eingegangenen Kommentare aus. Nächster Meilenstein ist der Final Draft International Standard (FDIS), bei dem in der Regel nur noch redaktionelle Änderungen möglich sind.
ISO-Normen werden regelmäßig überprüft, um ihre internationale Aktualität und Relevanz sicherzustellen. Gleichzeitig verändern sich Arbeitswelten schnell, etwa durch hybride Arbeitsformen, neue Technologien, plattformbasierte Arbeit oder steigende Anforderungen im Umgang mit Klimarisiken. Die Revision soll sicherstellen, dass ISO 45001 diese Entwicklungen künftig stärker berücksichtigt und die Wirksamkeit des Arbeitsschutzmanagements weiter verbessert.
Zuständig für die Revision von ISO 45001 ist das internationale ISO-Komitee ISO/TC 283 – Occupational health and safety management. Die konkrete Überarbeitung der Norm erfolgt innerhalb der Arbeitsgruppe WG 6, Revision of ISO 45001.
Nach aktuellem Entwurfsstand rücken insbesondere psychosoziale Gefährdungen, arbeitsbezogenes Wohlbefinden, Diversität, neue Arbeitsformen, klimabezogene Risiken sowie die Steuerung externer Anbieter in den Fokus.
Derzeit deutet vieles darauf hin, dass die Grundstruktur der Norm erhalten bleibt. Im Vordergrund stehen vor allem die Weiterentwicklung und Konkretisierung bestehender Anforderungen sowie eine stärkere Ausrichtung auf Wirksamkeit und Prävention.
Wie bei ISO-Managementsystemnormen üblich, wird nach Veröffentlichung der neuen ISO 45001 voraussichtlich eine Übergangsfrist von drei Jahren gelten. Innerhalb dieses Zeitraums müssen bestehende Zertifizierungen auf die neue Normversion umgestellt werden.
Interne Audits gewinnen im Revisionsprozess weiter an Bedeutung. Sie unterstützen Organisationen dabei, frühzeitig Handlungsbedarf zu identifizieren, neue Themenfelder zu bewerten und die Wirksamkeit bestehender Prozesse realistisch einzuschätzen.
Vertrauen und Expertise
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Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.