Die ISO 22002-Reihe und die neue ISO 22002-100:2025

Eine ge­mein­sa­me Norm für alle Sek­to­ren

Die Revision der ISO 22002-Normenreihe ist ab­ge­schlos­sen und wurde im Juli 2025 in eng­li­scher Sprache veröffentlicht. Sie ersetzt die Vor­nor­men der ISO/TS 22002-Serie. Außerdem wurde eine neue ISO 22002 -100 als Rah­men­norm ge­schaf­fen, die ge­mein­sa­me An­for­de­run­gen für die Ein­rich­tung und Auf­recht­erhal­tung von Präventivprogrammen (PRPs) in der Le­bens­mit­tel-, Fut­ter­mit­tel- und Ver­pa­ckungs­lie­fer­ket­te fest­legt. Diese Überarbeitung ist eine Ver­bes­se­rung der PRPs im Hinblick auf Klar­heit, Struktur und Zweckmäßigkeit und wird für Un­ter­neh­men, die mit ISO 22000 oder FSSC 22000 (Food Safety System Cer­ti­fi­ca­ti­on 22000) ar­bei­ten, re­le­vant.

Was ändert sich für Unternehmen, die mit ISO 22000 oder FSSC 22000 arbeiten?

Das International Accreditation Forum (IAF) und die International Standard Organisation (ISO) haben die Übergangsanforderungen und den Zeitrahmen für die aktualisierten Normen noch nicht veröffentlicht.

Momentan sind für FSSC 22000-zertifizierte Unternehmen keine Änderungen erforderlich, da die FSSC 22000, Version 6, weiterhin die bestehende ISO/TS 22002-Reihe nutzt, wie im Schema, Teil 1, Abschnitt 3, Tabelle 1 (Overview of (Sub)Categories) und Teil 2, Abschnitt 2.4 (Prerequisite Programs) definiert. Es ist geplant die aktualisierten Normen der ISO 22002-Reihe in FSSC 22000, Version 7, zu integrieren. Damit wird FSSC 22000 seinen eigenen Übergangszeitraum festlegen und Zertifizierungsstellen und zertifizierten Unternehmen ausreichend Zeit zum Übergang auf diese aktualisierten PRP-Normen geben.

Der Überprüfungsprozess der ISO 22000:2018 befindet sich noch in der frühen Phase. Die überarbeitete Norm wird voraussichtlich Anfang des Jahres 2027 veröffentlicht.

 

ISO 2002-100:2025 unterstützt eine durchgängige Anwendung der PRPs über Sektoren hinweg

Die neue Rahmennorm ISO 22002-­100 enthält alle allgemeinen Forderungen der bisherigen Teile 1, 2, 4, 5 und 6 der ISO/TS 22002-Reihe, die für alle Unternehmen im Geltungsbereich der ISO 22000 anwendbar sind – von Lebensmittelherstellung und -handel bis Verpackungsherstellung. Der Teil 3, Landwirtschaft wurde nicht überarbeitet. Zusätzlich wurde ein neuer Sektor „Lebensmittelhandel“ mit der neuen Norm ISO 22002-7 dazu genommen.

Neben der Schaffung der Rahmennorm ISO 22002-­100 wurden die branchenspezifischen Normen aktualisiert, um mit ISO 22002­-100 in Einklang zu stehen.

Die ISO 22002-­100 fasst die vergleichbaren allgemeinen Anforderungen der sektorspezifischen PRP-Normen zusammen und gilt für alle Sektoren. Dank dieser Vereinheitlichung können Unternehmen auf einer übereinstimmenden Grundlage der ISO 22002-­100 arbeiten, die durch sektorspezifische Normen ergänzt wird. Für PRPs werden in Zukunft die ISO 22002­-100 und der entsprechende Teil der sektorspezifischen Norm ISO 22002­x angewandt.

 

Gegenüberstellung der PRPs für Lebensmittelsicherheit:

Es ist zu empfehlen, dass Unternehmen, die diese Normenreihe nutzen, wie z. B. ISO 22000-zertifizierte Unternehmen, sich jetzt schon mit den Anforderungen der ISO 22002-­100:2025 und der entsprechenden relevanten sektorspezifischen Norm gemäß obiger Tabelle befassen.

 

Warum war diese Überarbeitung notwendig?

Über ein Jahrzehnt hinweg bildete die ISO/TS 22002-Serie das Rückgrat und eine Grundlage für Präventivprogramme in den Bereichen Lebensmittelherstellung, Gemeinschaftsverpflegung, Lebensmittelverpackungsherstellung und Tierfutterproduktion. Allerdings haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen an die Lebensmittelindustrie erheblich verändert. Diese Wandlung wurde durch diverse Umstände beschleunigt, wie das Auftreten neuer Risiken, sich ändernde Verbraucheranforderungen, die Globalisierung und neue gesetzliche Anforderungen. Außerdem ist die ISO/TS 22002-Serie in ihrer Form für Unternehmen mit mehreren Kategorien (z. B. Lebensmittel und Tierfutter) zunehmend unübersichtlich geworden:

• Kritische Schwachstellen und fehlende Themen, wie z. B. „Food Fraud“ (Lebensmittelfälschungen), „Food Defence“ (Lebensmittelschutz), Nachhaltigkeit oder Rückverfolgbarkeit mit elektronischen Medien,

• Begrenzte Anwendbarkeit bei mehreren Sektoren in einem Unternehmen oder über globale Lieferketten,

• Fehlende Ausrichtung auf neue Anforderungen, wie z. B. Codex-Überarbeitung des HACCP-gestützten Systems im Jahr 2023 oder moderne Lebensmittelsicherheitsmanagementsystem-Grundlagen (FSMS principles).

Im Folgenden sind einige Schwachstellen der alten ISO/TS 22002-Vornormen gegenüber den neuen ISO 22002­-100:2025 Norm aufgeführt:

Sektorspezifische PRPs, die in Verbindung mit der ISO 22002­-100 verwendet werden, begründen sich auf die ISO 22003:2023­1, die die Kategorien für Lebensmittelsicherheitsmanagementsysteme festlegt.

Autor

Dr. Sylvia Weg­ner-Hamb­loch

Frau Dr. Weg­ner-Hamb­loch verfügt über 10 Jahre Er­fah­rung in der Lebensmittelindustrie. Sie hat in der zen­tra­len Qualitätssicherung ge­ar­bei­tet, war sechs Jahre Geschäftsführerin einer Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft und 20 Jahre Leiterin der Ar­beits­grup­pe „Qualitätsmanagement und Hygiene“ der Le­bens­mit­tel­che­mi­schen Ge­sell­schaft. 2003 hat sie die Un­ter­neh­mung „SLQ-Systeme für Lebensmittelsicherheit und Qualität“ gegründet und ist seitdem als Be­ra­te­rin und Trainerin für die Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie und als Au­di­to­rin der DQS aktiv. 

Loading...

Das könnte Sie auch in­ter­es­sie­ren. 

Weitere Fach­bei­trä­ge und Ver­an­stal­tun­gen der DQS 
Blog
Loading...

IFS Food Version 8 – Alle Än­de­run­gen der Revision im Über­blick

Blog
Loading...

IFS Mass­nah­men­plan: Eine Hil­fe­stel­lung

Blog
Loading...

BRCGS Blended Audits & BRCGS Remote Audits