Am 30. Januar 2026 veröffentlichte die Europäische Kom­mis­si­on den Durchführungsbeschluss (EU) 2026/193, mit dem eine wichtige Ak­tua­li­sie­rung der MDR durch Änderung des Durchführungsbeschlusses (EU) 2021/1182 eingeführt wurde. Der Be­schluss fügt neue Verweise auf har­mo­ni­sier­te Normen im Rahmen der Me­di­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung (EU) 2017/745 (MDR) hin­zu.

Für Hersteller von Medizinprodukten ist diese Aktualisierung von großer Bedeutung. Die Veröffentlichung harmonisierter Normen im Amtsblatt der Europäischen Union (OJEU) begründet die Vermutung der Konformität mit den entsprechenden MDR-Anforderungen , die von diesen Normen abgedeckt werden. In einem sich entwickelnden regulatorischen Umfeld bietet der Durchführungsbeschluss (EU) 2026/193 der Kommission sowohl Klarheit als auch eine strategische Ausrichtung für die Planung der Einhaltung der Vorschriften.

Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Änderungen und ihre praktischen Auswirkungen vor.

Warum diese MDR-Aktualisierung über harmonisierte Normen wichtig ist

Gemäß Artikel 8 Absatz 1 der MDR wird bei Produkten, die mit den einschlägigen harmonisierten Normen übereinstimmen, sobald deren Fundstellen im EU-Amtsblatt veröffentlicht sind, davon ausgegangen, dass sie mit den entsprechenden gesetzlichen Anforderungen übereinstimmen.

Für die Hersteller bedeutet dies:

  • Klare technische Maßstäbe, die mit den Erwartungen der MDR übereinstimmen
  • Größere Rechtssicherheit
  • Eine besser strukturierte technische Dokumentation
  • Ein besser vorhersehbares Konformitätsbewertungsverfahren

Angesichts verstärkter Kontrollen und begrenzter Kapazitäten der benannten Stellen ist die Anpassung an harmonisierte Normen, die mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2026/193 der Kommission eingeführt wurden, nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch ein strategischer Vorteil.

Neu hinzugefügte oder aktualisierte Schlüsselnormen

Mit der Änderung werden überarbeitete Versionen mehrerer wichtiger Normen und Änderungen eingeführt. Nachfolgend finden Sie die im Anhang des Durchführungsbeschlusses aufgeführten Normen:

Nr.

Verweis auf die Norm

37.

EN ISO 7197:2024

Neurochirurgische Implantate - Sterile Hydrocephalus-Shunts zur einmaligen Verwendung (ISO 7197:2024)

38.

EN ISO 10993-4:2017

Biologische Beurteilung von Medizinprodukten - Teil 4: Auswahl von Tests für Wechselwirkungen mit Blut (ISO 10993-4:2017)

EN ISO 10993-4:2017/A1:2025

39.

EN ISO 14155:2020

Klinische Prüfung von Medizinprodukten für Menschen - Gute klinische Praxis (ISO 14155:2020)

DE ISO 14155:2020/A11:2024

40.

EN ISO 14630:2024

Nichtaktive chirurgische Implantate - Allgemeine Anforderungen (ISO 14630:2024)

41.

EN ISO 17665:2024

Sterilisation von Produkten für die Gesundheitsfürsorge - Feuchte Hitze - Anforderungen an die Entwicklung, Validierung und Routineüberwachung eines Sterilisationsverfahrens für Medizinprodukte (ISO 17665:2024)

42.

EN ISO 18562-1:2024

Bewertung der Biokompatibilität von Atemgaswegen in der Gesundheitsfürsorge - Teil 1: Bewertung und Prüfung im Rahmen eines Risikomanagementprozesses (ISO 18562-1:2024)

43.

EN ISO 18562-2:2024

Bewertung der Biokompatibilität von Atemgaswegen in der Gesundheitsfürsorge - Teil 2: Prüfungen auf Partikelemissionen (ISO 18562-2:2024)

44.

EN ISO 18562-3:2024

Bewertung der Biokompatibilität von Atemgaswegen in der Gesundheitsfürsorge - Teil 3: Prüfungen auf Emissionen flüchtiger organischer Substanzen (ISO 18562-3:2024)

45.

EN ISO 18562-4:2024

Bewertung der Biokompatibilität von Atemgaswegen in der Gesundheitsfürsorge - Teil 4: Prüfungen auf auslaugbare Stoffe im Kondensat (ISO 18562-4:2024)

46.

EN ISO 21535:2024

Nichtaktive chirurgische Implantate - Gelenkersatzimplantate - Besondere Anforderungen an Hüftgelenkersatzimplantate (ISO 21535:2023)

47.

EN ISO 21536:2024

Nichtaktive chirurgische Implantate - Gelenkersatzimplantate - Besondere Anforderungen an Kniegelenkersatzimplantate (ISO 21536:2023)

48.

EN ISO 80369-2:2024

Kleine Verbindungsstücke für Flüssigkeiten und Gase im Gesundheitswesen - Teil 2: Verbindungsstücke für Beatmungsanwendungen (ISO 80369-2:2024, korrigierte Fassung 2025-06)

Strategische Implikationen für Hersteller

Abgesehen von den technischen Aktualisierungen signalisiert diese Entscheidung eine kontinuierliche Anpassung der Vorschriften an die neuesten Standards. Die Kommission bestätigt, dass diese Normen die Anforderungen der Verordnung (EU) 2017/745 unterstützen.

Für die Hersteller ergeben sich daraus drei strategische Überlegungen:

1. Das Timing ist ent­schei­dend

So­bald eine neue har­mo­ni­sier­te Referenz veröffentlicht ist, kann das Ver­trau­en auf ältere Ver­sio­nen lang­fris­tig nicht mehr die Konformitätsvermutung begründen. Eine frühzeitige An­pas­sung ver­rin­gert das re­gu­la­to­ri­sche Ri­si­ko.

2. Tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on muss dy­na­misch sein

Die Ein­hal­tung der MDR ist nicht sta­tisch. Lückenanalysen in Bezug auf ak­tua­li­sier­te har­mo­ni­sier­te Normen sollten ein struk­tu­rier­ter Be­stand­teil der behördlichen Überwachung wer­den.

3. Starke In­te­gra­ti­on des Ri­si­ko­ma­nage­ments

Vie­le der ak­tua­li­sier­ten Normen verstärken das ri­si­ko­ba­sier­te Denken. Die Gewährleistung einer vollständigen Ab­stim­mung zwischen Ri­si­ko­ma­nage­ment (ISO 14971), kli­ni­scher Be­wer­tung und Leis­tungs­va­li­die­rung ist nach wie vor von we­sent­li­cher Be­deu­tung.

Von Konformität zu Zuversicht

Aktualisierungen von Vorschriften können sich wie eine zusätzliche Belastung in einer ohnehin schon komplexen MDR-Landschaft anfühlen. Doch harmonisierte Normen sorgen auch für Klarheit. Sie übersetzen wesentliche Anforderungen in konkrete technische Spezifikationen und schaffen ein gemeinsames Verständnis zwischen Herstellern und benannten Stellen.

Unternehmen, die ihre Systeme proaktiv überprüfen und angleichen, stärken nicht nur das Vertrauen der Regulierungsbehörden, sondern verbessern auch die interne Stabilität, die Patientensicherheit und den langfristigen Marktzugang.

Was sollten Sie jetzt tun?

  • Ermitteln Sie, welche der neu harmonisierten Normen auf Ihr Produktportfolio zutreffen
  • Führen Sie eine strukturierte Lückenanalyse durch
  • Aktualisieren Sie die technische Dokumentation und die Qualitätsmanagementprozesse entsprechend
  • Setzen Sie sich frühzeitig mit Ihrer benannten Stelle in Verbindung, wenn wesentliche Änderungen zu erwarten sind

In einem regulatorischen Umfeld, in dem viel auf dem Spiel steht, ist die strukturierte Anpassung an harmonisierte Normen mehr als nur eine formale Anforderung, sie ist ein Faktor für Widerstandsfähigkeit und Glaubwürdigkeit.

Handeln Sie jetzt: Ver­wan­deln Sie die MDR-Ak­tua­li­sie­rung in einen stra­te­gi­schen Vorteil

Jetzt ist es an der Zeit, von der ein­fa­chen Konformität zum Ver­trau­en in die Vor­schrif­ten überzugehen.

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DQS Global

"Bei allem, was wir tun, setzen wir bei jedem Projekt höchste Maßstäbe für Qualität und Kom­pe­tenz. So wird unser Handeln zum Maßstab für unsere Branche, aber auch zu unserem eigenen Leit­bild, das wir täglich er­neu­ern".

Die DQS setzt für ihre Kunden höchste Maßstäbe an Kom­pe­tenz, Er­fah­rung und Qualität. Die Kern­kom­pe­ten­zen der DQS liegen in der Durchführung von Zer­ti­fi­zie­rungs­au­dits und Be­gut­ach­tun­gen. Das macht die DQS mit Haupt­sitz in Frank­furt am Main und einem Jah­res­um­satz von 136 Mio. EUR (im Jahr 2020) zu einem der weltweit führenden Anbieter mit dem An­spruch, in puncto Zuverlässigkeit, Qualität und Kun­den­ori­en­tie­rung immer wieder neue Maßstäbe zu setzen. Über 2.500 hoch­qua­li­fi­zier­te und er­fah­re­ne Au­di­to­ren führen jährlich über 125.000 kun­den­spe­zi­fi­sche Audits nach über 200 an­er­kann­ten Normen und Stan­dards in mehr als 60 Ländern durch.

Die DQS wurde vor mehr als 35 Jahren von der Deut­schen Ge­sell­schaft für Qualität (DGQ), dem Deut­schen Institut für Normung (DIN) und anderen deut­schen Industrieverbänden mit dem Anspruch gegründet, Zer­ti­fi­zie­run­gen und Audits für Or­ga­ni­sa­tio­nen weltweit auf höchstem Niveau durchzuführen. Mit ihrer Gründung war die DQS der erste unabhängige Zer­ti­fi­zie­rungs­dienst­leis­ter in Deutsch­land. Im Jahr 2008 brachte die US-ame­ri­ka­ni­sche Or­ga­ni­sa­ti­on Un­der­wri­ters La­bo­ra­to­ries als weiterer Ge­sell­schaf­ter ihr in­ter­na­tio­na­les Managementsystem-Zertifizierungsgeschäft in die Gruppe ein und machte damit einen großen Schritt in Richtung globale Präsenz.

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