Innovation durch Wissenstransfer
Wenn jüngere mit älteren Kollegen etwas gemeinsam angehen, kommen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Vorstellungen zusammen: eher explizites, wissenschaftlich fundiertes Wissen einerseits, eher implizites, kontextspezifisches andererseits. Daraus entstehen, neben zutreffenderen Prozessbeschreibungen und besseren Verfahren, neue Herangehensweisen und Ideen und damit die Voraussetzung für Innovation.
Das Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 trägt in diesem Zusammenhang vor allem die Verantwortung, organisatorische Voraussetzungen zu schaffen und erste Impulse zu setzen. Die Wissensbereiche müssen bestimmt und Ressourcen bereitgestellt werden, zudem sollten Prioritäten gesetzt werden.
Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, Kundenanforderungen und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Das dafür erforderliche Wissen sollte stets Vorrang haben.
Digitalisierung erleichtert die Wissensnutzung
Besonders ehrgeizige Versuche, das vorhandene Wissen in der Organisation zu nutzen, scheitern oft an einfachen Problemen. Großzügig ausgestattete Bibliotheken bleiben ungenutzt, das Wiki verwaist. Erfolgreiche Maßnahmen berücksichtigen stets die Vorliebe für alte Gewohnheiten und ständigen Termindruck. Die Digitalisierung bietet hier die Chance, den Zugang zu Wissen zu erleichtern, und zwar nicht in gesonderten IT-Systemen, sondern in Tools aus dem Arbeitsalltag.
Unternehmen, die KI als Wissensträger einsetzen, sollten überlegen, wie sie das implizite Wissen der KI sichern und weiternutzen, wenn das nächste Update ansteht.
Ein Aspekt, den auch die Revision von ISO 9001 aufgreift, ist die Berücksichtigung neuer Technologien. Die Anmerkung zu Kapitel 7.1.6 nennt digitale Systeme ausdrücklich als Form, in der Wissen vorliegt, und die Anmerkung zu Kapitel 6.1.3 führt das Nutzen neuer Technologien als Beispiel für Maßnahmen zum Umgang mit Chancen auf.
Risiken und Chancen
Dasselbe gilt für den Menschen als Wissensträger. Unternehmen berücksichtigen die damit verbundenen Risiken und Chancen schon in den Bereichen Personalbedarfsplanung, Personalbeschaffung und Arbeitsplatzgestaltung. Kritische Funktionen werden, mit etwas unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, doppelt besetzt.
Arbeitsplätze werden so gestaltet, dass neue Beschäftigte von Anfang an eingebunden werden, wenn es um übergreifende Aufgaben geht. Wechselnde Aufgabenteilung, interne Schulungen und angemessen dokumentierte Arbeitsweisen tun das Übrige. In solchen Details liegen viele Risiken und viele offensichtliche Chancen das Wissen der Organisation zu nutzen.
Die Normanforderungen aus Kapitel 7.1.6 als Aufforderung zu verstehen, bedeutet: diese und weitere Risiken und Chancen identifizieren und einfache, kluge Lösungen an den verschiedensten Stellen finden, an denen Wissen ein Thema ist. Und es bedeutet, Wissen an allen diesen Stellen für die umfassenden Aufgaben des Qualitätsmanagements zu nutzen.