DQS: Der deutsche Ableger von Eurotranspharma (ETP) wurde erst im September 2023 gegründet – wie haben Sie es in der kurzen Zeit geschafft, die Anforderungen von ISO 9001 und die Richtlinien von GDP absolut zertifizierungsreif zu implementieren?
Andrea Blum: Ich kann Ihnen hier zwei wesentliche Pfeiler nennen: Wir haben beim Aufbau von ETP Deutschland in den Leitungsfunktionen auf ein pharmaerfahrenes Team setzen können – wir haben das aus Spaß mal zusammengerechnet und kamen auf mehr als 200 Jahre Erfahrung. Zudem sind wir in anderen Ländern schon recht lang aktiv und verfügen dort bereits seit Jahren über die oben genannten Zertifizierungen. Die Kollegen haben uns – besonders in den ersten Monaten – tatkräftig unterstützt.
ETP Deutschland ist vor allem auf der sogenannten „letzten Meile“ aktiv – eine Zertifizierung sowohl gemäß GDP als auch nach ISO 9001 ist dafür eigentlich nicht zwingend. Sehen Sie die Zertifizierungen als Wettbewerbsvorteil in einem hart umkämpften Umfeld?
Steffen Segelke: Pharmadistribution hat vor allem auch etwas mit Vertrauen zu tun. Kann ich einem Partner meine Ware anvertrauen, die nur in einwandfreiem Zustand dem Patienten helfen kann? Viele unserer handelnden Personen sind im Pharmamarkt bekannt, trotzdem war ETP ein neues Unternehmen in Deutschland. Da sind die Zertifizierungen natürlich ein wichtiger Baustein zur Vertrauensbildung.
Die Zertifizierungen basieren also vor allem auf einer strategischen Entscheidung?
Steffen Segelke: Strategisch ja, aber aus zwei Perspektiven: Einerseits gegenüber dem Kunden als Basis, anderseits intern – gerade, um in einem Unternehmen, das sich im Aufbau befindet sicherzustellen, dass die Prozesse auch wirklich ineinandergreifen und wir uns permanent überprüfen.
Welche GDP-Anforderung hat den größten Aufwand erfordert?
Andrea Blum: Es gibt ja nicht die „eine große Anforderung“. Die Herausforderung war vielmehr die Gleichzeitigkeit der Projekte, und zwar der Aufbau eines operativen Netzwerks – Infrastruktur, Personal, Equipment, all dies, der Aufbau und die Implementierung des GDP- und „ISO 9001“- konformen Qualitätsmanagementsystems, hier vor allem Prozesse, Training, Selbstinspektion, Qualifizierung und schließlich die Erlangung der Zertifizierungsreife. Der übliche Weg sieht die Schritte eher aufeinanderfolgend vor. Ohne unser engagiertes Team und ein gemeinsames Ziel hätten wir das nicht schaffen können.
Sie verfügen bei ETP neben dem Prozess zur fortlaufenden Verbesserung aus ISO 9001 noch über ein eigenes Optimierungssystem für Ihre Prozesse, genannt CAPA – können Sie uns den Unterschied zum altbekannten und bewährten PDCA-Zyklus an einem Beispiel erläutern?
Andrea Blum: Ich denke, dass sich die Methoden von ISO 9001 und GDP eher ergänzen, als dass sie sich unterscheiden. CAPA legt den Fokus auf Identifizierung, Untersuchung und Behebung von Abweichungen und trägt damit zur fortlaufenden Verbesserung bei. Unser grundsätzliches Vorgehen folgt dem PDCA-Zyklus.
Welchen konkreten Nutzen hatte ISO 9001 für Sie hinsichtlich der Umsetzung der GDP-Richtlinien?
Andrea Blum: ISO 9001 bildet die Grundlage, die Struktur unseres Qualitätsmanagementsystems und liefert uns, wenn Sie so wollen, die (Prozess-)Orientierung. Aufgrund der Gemeinsamkeiten beider Standards konnten wir die speziellen Anforderungen der Pharmaindustrie für den Transport von Arzneimitteln ergänzen. Somit haben wir die Voraussetzungen geschaffen, stabile Prozesse zu etablieren, diese stetig zu verbessern und dabei die Qualität und Integrität der pharmazeutischen Produkte zu gewährleisten. Die Kombination von ISO 9001 und GDP zahlt unmittelbar auf unsere Werte ein. Unsere Kunden, Qualität, Integrität und Innovation stehen bei uns im Fokus. Und besonders wichtig: unsere Mitarbeiter.
Es ist bekannt, dass gerade im Umfeld von ISO 9001-Zertifizierungen auch nicht akkreditierte Akteure ihre Dienste anbieten – was halten Sie davon?
Steffen Segelke: Sie sprechen den vermeintlich „leichteren Weg“ an, der war für uns aber nie eine Option. Wie ich vorhin schon sagte, beauftragen wir die Zertifizierungen ja gerade auch für unsere internen Prozesse – nicht nur als reines Marketinginstrument. Und gerade im Pharmabereich verlassen sich viele Kunden nicht nur auf das Zertifikat, sondern führen regelmäßig eigene Audits durch. Da wäre es fatal, wenn wir diese Audits nicht bestehen, weil wir uns zuvor für den „leichteren Weg“ entschieden haben. Wir haben die DQS hier für uns als echten Sparringspartner wahrgenommen, der uns mit seiner Expertise hilft, noch besser zu werden.
Sie haben sich erfreulicherweise für einen akkreditierten Zertifizierer entschieden – wie sind Sie auf die DQS gekommen?
Andrea Blum: Kriterien für die Auswahl des Zertifizierers waren Kompetenz und Seriosität. Die DQS als führendes Zertifizierungsunternehmen stand da natürlich auf unserem Zettel.
Steffen Segelke: Gerade als Unternehmen im Aufbau hat die Partnerwahl für die Zertifizierung einen besonders hohen Stellenwert. Das ist für mich vergleichbar mit einem Statiker der die Konstruktion überprüft. Sie brauchen einen Partner mit Know-how und eigenem Standing, der dann auch kritische Fragen stellt. Mit der DQS haben wir im Vorfeld diese Attribute verbunden und uns dementsprechend entschieden.
Wie empfanden Sie die konkrete Arbeit unseres Auditteams, Andreas Völkerding und Martin Campe?
Andrea Blum: Das gesamte Eurotranspharma-Team hat monatelang auf die Erstzertifizierung hingearbeitet. Natürlich waren wir alle etwas angespannt und nervös. Das Auditteam der DQS hat es aber verstanden, den Mitarbeitenden ein positives Gefühl zu vermitteln. Die Auditoren brachten neben der Expertise zu den Standards auch die notwendige Logistikerfahrung mit. Mit fachlichem Know-how und professionellem Geschick hinterfragten die Auditoren unsere Prozesse, und es bestätigte sich dabei im Übrigen, dass eine Zertifizierung durch die DQS nicht der bereits angesprochene „leichte Weg“ ist.
Würden Sie die DQS-Audits als wertschöpfend für ETP bezeichnen, und wenn ja: Können Sie uns ein kleines Beispiel nennen?
Andrea Blum: Die Audits wurden natürlich durchgeführt, um die Erfüllung der Anforderungen von ISO 9001 und GDP zu verifizieren. Dass die Auditoren die Individualität unseres Unternehmens, unsere Ziele und unser Potential zur Weiterentwicklung über die Normerfüllung hinaus in den Fokus rückten, war für uns sehr nutzenbringend. Konstruktiv geführte Diskussionen öffneten den Blick für andere Betrachtungsmöglichkeiten und Herangehensweisen. Ein Beispiel ist die Durchführung von internen Audits: nicht das althergebrachte Abteilungs- bzw. Fachbereichsaudit durchzuführen, sondern den prozessorientierten Ansatz fortzusetzen und fachbereichsübergreifend die Funktionalität der Prozesse und das Zusammenspiel der Fachbereiche zu betrachten. Prozessverbesserungen können somit ganzheitlich angestoßen werden.
Würden Sie die DQS als Zertifizierungsgesellschaft denn weiterempfehlen?
Andrea Blum: Ein klares JA! Wir haben die DQS und ihre Auditoren als kompetenten und vertrauenswürdigen Partner kennen und schätzen gelernt.
Das freut uns sehr! Frau Blum, Herr Segelke, vielen Dank für das interessante Gespräch!