Bei So­zi­al­au­dits sind Abnehmer auf die Mit­wir­kung ihrer Lie­fe­ran­ten an­ge­wie­sen. Gelingt es nicht, Lie­fe­ran­ten von Sinn und Nutzen der Audits zu überzeugen, zögert sich die Planung hinaus – even­tu­el­le Risiken in Bezug auf Men­schen­rech­te in der Lie­fer­ket­te bleiben in der Zwi­schen­zeit un­auf­ge­deckt. Mit einigen ein­fa­chen Maßnahmen können Sie den Erfolg Ihres Au­dit-Pro­gramms al­ler­dings maßgeblich ver­bes­sern. 

Als Anbieter von So­zi­al­au­dits be­ob­ach­ten wir es nicht selten: Un­ter­neh­men ent­wi­ckeln einen Ver­hal­tens­ko­dex für Lie­fe­ran­ten und planen anschließend So­zi­al­au­dits, um si­cher­zu­stel­len, dass der Ver­hal­tens­ko­dex ein­ge­hal­ten wird. Doch bei der Um­set­zung zeigen sich die ersten Her­aus­for­de­run­gen: Einige Lie­fe­ran­ten lehnen Audits ab, einige ver­stum­men in der Hoff­nung, dass die Anfrage sich in Luft auflöst, wieder andere be­an­tra­gen einen zeit­li­chen Auf­schub. 

Die Gründe, ein Audit abzulehnen, können vielfältig sein:  

  • die immer größer werdende Au­dit­be­las­tung,  
  • Res­sour­cen­man­gel  
  • oder ganz einfach die Angst vor den Folgen eines schlech­ten Au­dit­er­geb­nis­ses.  

Wie kommt man trotz dieser Hin­der­nis­se zu einer part­ner­schaft­li­chen Ab­wick­lung der So­zi­al­au­dits?  

 

Fünf Maßnahmen für erfolgreiche Sozialaudits  

Um die Effektivität Ihres Auditprogramms zu verbessern und ihre Lieferanten zu entlasten, eignen sich fünf relativ ein­fa­che Maßnahmen. Sie helfen, Vertrauen aufzubauen, Missverständnisse zu vermeiden und die Zusammenarbeit nachhaltig zu stärken.  

 

Sozialaudit

Maßnahme 1: Beziehen Sie sich auf existierende Standards

Vergleicht man die Verhaltenskodizes von verschiedenen Unternehmen, fällt sofort auf, dass die Unterschiede in der Regel minimal sind. Auch zwischen den gängigen Sozialstandards sind die Unterschiede gering. Es gibt also keinen Grund, das Rad neu zu erfinden: Höchstwahrscheinlich umfassen Standards und Initiativen wie Sedex SMETASA 8000 und BSCI schon alle Vorgaben, die Sie in den Verhaltenskodex aufnehmen wollen. Anstatt einen eigens entwickelten Verhaltenskodex als Grundlage für Lieferantenaudits zu nutzen, raten wir dazu, auf existierende Standards zurückzugreifen und so zur Harmonisierung der Sozialstandards beizutragen.

Falls Sie besondere Anforderungen an Lieferanten stellen wollen, die in keinem existierenden Standard erwähnt werden, können Sie diese Ihrem Auditprotokoll hinzufügen. 

Arbeiten Sie bei der Entwicklung des Verhaltenskodex und des Audits mit Ihrem Compliance-Team zusammen. Auf der ganzen Welt nehmen die Vorschriften zu Sorgfaltspflichten in der Lieferkette zu. Mehrere neue Gesetze verpflichten Unternehmen dazu, Sorgfaltsprüfungen in den Bereichen Menschenrechte durchzuführen. Ihr Compliance-Team stellt sicher, dass Ihr Auditprogramm mit den gesetzlichen Anforderungen übereinstimmt.  

 

Maßnahme 2: Berücksichtigen Sie Auditberichte, die Ihre Lieferanten bereits haben

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie der erste oder einzige Kunde sind, der ein Sozialaudit verlangt, ist gering. Wenn ein Lieferant bereits ein gültiges Zertifikat oder einen Auditbericht von einer verlässlichen dritten Partei vorweisen kann, stellt sich die Frage, ob ein neues Audit derselben Aspekte wirklich notwendig ist. Gleichen Sie Ihren Verhaltenskodex mit existierenden Lieferantenstandards ab und überprüfen Sie lediglich die Aspekte, die noch nicht ausreichend bewertet wurden. 

Beziehen Sie dabei auch Brancheninitiativen mit ein, um die Zusammenarbeit bei Audits zu fördern, und passen Sie Ihre Anforderungen entsprechend an. 

 

Maßnahme 3: Erwägen Sie einen risikobasierten Ansatz

Anstatt Auditanforderungen pauschal für die gesamte Lieferkette festzulegen, können Sie risikobasierte Schwerpunkte setzen. Einige Anbieter stellen Instrumente zur Risikobewertung zur Verfügung, die Ihnen bei der Benennung der Auditprioritäten helfen können. Diese Instrumente unterscheiden typischerweise: 

  • inhärente Risiken für Regionen und Branchen (ökonomische Situation, Lohnstruktur, Zusammenstellung der Belegschaft, …) 
  • Risikofaktoren bei individuellen Lieferanten, z.B. basierend auf bisher ausgewerteten Audits und Fragebögen 

Nutzen Sie Screening-Tools und automatisierte Prozesse, um Lieferanten zu erkennen, bei denen die Wahrscheinlichkeit negativer Auswirkungen auf die Umwelt und Menschenrechte am größten ist. Konzentrieren Sie sich auf die Teile der Lieferkette, in denen Sie die größte Wirkung erzielen können. 

 

Maßnahme 4: Fokus auf Verbesserung

Wenn Lieferanten ein Sozialaudit ablehnen, kann es daran liegen, dass sie mögliche Konsequenzen eines schlechten Auditergebnisses fürchten. Um diese Ängste zu zerstreuen, kann es hilfreich sein, Unterstützung und Beratung anzubieten. Bedenken Sie immer:  

  • Zusammenarbeit statt Kontrolle 
  • Vertrauen statt Angst 
  • Anleitung statt Bestrafung 

Vermeiden Sie einen „Pass or Fail“-Ansatz und drohen Sie nicht damit, die Beziehung zu einem Lieferanten bei einem schlechten Ergebnis zu beenden. Begleiten Sie Lieferanten vielmehr dabei, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern. 

Sehen Sie das Audit als Startpunkt für Verbesserungen an. Unerlässlich ist dabei ein systematisches Verfahren, um Auditergebnisse weiterzuverfolgen. In der Praxis sehen wir bei DQS jedoch, dass das Management von Präventiv- und Korrekturmaßnahmen für viele Unternehmen eine Herausforderung bleibt. Legen Sie Ihren Ansatz, den Prozess und die Verantwortlichkeiten fest, bevor die Audits beginnen. Stellen Sie sicher, dass Sie über die notwendigen Ressourcen verfügen, um offene Fragen weiterzuverfolgen. 

 

Maßnahme 5: Belohnen Sie gute Leistung mit Geschäft

Einige Unternehmen haben gute Erfahrungen damit gemacht, Preise an Lieferanten zu verleihen, die eine vorbildliche Leistung aufzeigen. Wichtiger als Preise und Trophäen ist jedoch die Bottomline: Wenn Lieferanten merken, dass eine überdurchschnittliche Nachhaltigkeitsleistung die Chancen auf zusätzliches Geschäft erhöht, sind weitere Anreize in der Regel überflüssig. 

 

Was kann DQS für Sie tun?

Die DQS ist Ihr kompetenter Partner für Sozial- und Nachhaltigkeitsaudits. Mit einer reibungslosen Auditplanung und aussagekräftigen Auditberichten tragen wir zum Erfolg Ihres Konzeptes für nachhaltige Beschaffung bei. Unsere erfahrenen Auditorinnen und Auditoren sind mit der lokalen Gesetzgebung, der Kultur und der Sprache der Belegschaft vertraut. Neben der Durchführung von Sozialaudits unterstützen wir Sie bei der Entwicklung von passenden Auditkonzepten sowie mit Risikoanalysen und Schulungen. 

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Autor

Dr. Thijs Willaert

Dr. Thijs Willaert ist Global Director Sus­taina­bi­li­ty Ser­vices. In dieser Funktion ver­ant­wor­tet er das gesamte Dienst­leis­tungs­port­fo­lio der DQS rundum ESG. Zu seinem In­ter­es­sens­ge­biet gehören unter anderem nach­hal­ti­ge Be­schaf­fung, men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflich­ten und ESG-Audits. 

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