Die Europäische Kom­mis­si­on hat den Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1231 veröffentlicht, mit dem die Verweise auf har­mo­ni­sier­te Normen zur Unterstützung der Ver­ord­nung (EU) 2017/745 über Me­di­zin­pro­duk­te ak­tua­li­siert werden. Der Be­schluss wurde am 17. Juni 2026 im Amts­blatt der Europäischen Union veröffentlicht und trat am Tag der Veröffentlichung in Kraft.

Die Aktualisierung führt neue und geänderte Verweise ein, die die biologische Bewertung von Medizinprodukten, die bei den vom Hersteller bereitgestellten Informationen verwendeten Symbole, medizinische elektrische Geräte, Transfusionsgeräte, ophthalmologische Optik, nichtaktive chirurgische Implantate, Reinigungs- und Desinfektionsgeräte, Prothesen sowie den Schutz vor Verletzungen durch scharfe Gegenstände abdecken.

Zu den re­le­van­ten Ak­tua­li­sie­run­gen gehören neue oder geänderte Nor­men­ver­wei­se für:

  • die Nor­men­rei­he EN ISO 10993 zur bio­lo­gi­schen Be­wer­tung von Me­di­zin­pro­duk­ten;
  • EN ISO 15223-1 zu Sym­bo­len, die mit Me­di­zin­pro­duk­ten ge­lie­fert wer­den;
  • EN 60601-1 und EN IEC 60601-2-83 über me­di­zi­ni­sche elek­tri­sche Geräte;
  • EN ISO 1135-4 und EN ISO 1135-5 über Transfusionsgeräte;
  • die Nor­men­rei­he EN ISO 15883 über Rei­ni­gungs- und Desinfektionsgeräte;
  • Normen zu oph­thal­mo­lo­gi­scher Optik, Brust­im­plan­ta­ten, Pro­the­sen und Schutz vor Ver­let­zun­gen durch scharfe Gegenstände.

Harmonisierte Normen bleiben ein zentrales Instrument für Hersteller, da die Konformität mit den relevanten Normen oder den anwendbaren Teilen dieser Normen die Vermutung der Konformität mit den Anforderungen der MDR begründet, die sie abdecken sollen, sobald ihre Fundstellen im Amtsblatt veröffentlicht wurden.

Für Hersteller sind die praktischen Auswirkungen klar: Normungsstrategien sollten nicht als statischer Bestandteil der technischen Dokumentation betrachtet werden. Sie erfordern eine aktive Überwachung, eine dokumentierte Lückenanalyse und eine kontrollierte Umsetzung durch das Qualitätsmanagementsystem.

Der Beschluss legt zudem Übergangsfristen für die Streichung bestimmter früherer Verweise fest. Die bisherigen Verweise auf EN ISO 10993-23, EN ISO 10993-12, EN ISO 10993-17 und EN IEC 60601-2-83 bleiben bis zum 15. Dezember 2027 gültig. Für EN ISO 15223-1:2021 wird die Aufhebung bis zum 15. Juni 2031 aufgeschoben, um den erheblichen betrieblichen Auswirkungen Rechnung zu tragen, die mit der Umsetzung von Änderungen bei der Kennzeichnung verbunden sind.

Her­stel­ler sollten prüfen, ob die neu veröffentlichten oder geänderten Normen ihre Pro­duk­te, Prozesse oder die vor­han­de­ne Evi­denz­ba­sis be­tref­fen. Eine struk­tu­rier­te Folgenabschätzung hin­sicht­lich der Normen sollte Fol­gen­des berücksichtigen:

  • die gel­ten­den all­ge­mei­nen Si­cher­heits- und Leis­tungs­an­for­de­run­gen;
  • die Do­ku­men­ta­ti­on zur bio­lo­gi­schen Be­wer­tung und zum Ri­si­ko­ma­nage­ment;
  • Nach­wei­se zur Ve­ri­fi­zie­rung und Va­li­die­rung;
  • Kenn­zeich­nung, Symbole und vom Her­stel­ler be­reit­ge­stell­te In­for­ma­tio­nen;
  • An­for­de­run­gen an die elek­tri­sche Si­cher­heit und die we­sent­li­chen Leis­tungs­merk­ma­le;
  • Ak­tua­li­sie­run­gen der tech­ni­schen Do­ku­men­ta­ti­on;
  • Aus­wir­kun­gen auf Lie­fe­ran­ten und Herstellungsprozesse;
  • Änderungskontrolle und Übergangsplanung.

Die DQS empfiehlt, die Gründe für die Anwendbarkeit, Nichtanwendbarkeit und Übergangsentscheidungen einer Norm zu dokumentieren. Wenn die Rücknahme einer bisherigen Referenznorm geplant ist, sollten Hersteller einen dokumentierten Umsetzungsplan erstellen, der den Prüfbedarf, Aktualisierungen der technischen Dokumentation, Änderungen der Kennzeichnung sowie die Abstimmung mit der benannten Stelle berücksichtigt.

Lesen Sie den Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1231 der Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union.