Die Ethy­len­oxid-Ste­ri­li­sa­ti­on bleibt eine wichtige Tech­no­lo­gie für viele Me­di­zin­pro­duk­te, ins­be­son­de­re dort, wo Ma­te­ria­li­en, Ver­pa­ckungs­kon­fi­gu­ra­tio­nen oder Pro­dukt­geo­me­trien andere Ste­ri­li­sa­ti­ons­me­tho­den un­ge­eig­net machen. Gleich­zei­tig ist Ethy­len­oxid (EO) nicht nur ein Pro­zess­pa­ra­me­ter: EO- und Ethy­len­chlor­hy­drin (ECH)-Rückstände müssen im Rahmen der bio­lo­gi­schen Si­cher­heit des fertigen Produkts ver­stan­den, kon­trol­liert und begründet wer­den.

Mit der Veröffentlichung der ISO 10993-7:2026 steht den Her­stel­lern nun eine überarbeitete in­ter­na­tio­na­le Norm zur Be­wer­tung von EO-Sterilisationsrückständen zur Verfügung. Die ISO führt ISO 10993-7:2026 als dritte Ausgabe auf, die im April 2026 veröffentlicht wurde, und be­schreibt sie als die aktuelle Norm für zulässige Grenz­wer­te, Mess­ver­fah­ren und die Konformitätsfeststellung für EO- und ECH-Rückstände in EO-ste­ri­li­sier­ten Medizinprodukten.

Für Her­stel­ler ist die Bot­schaft klar: Die Ein­hal­tung der EO-Rückstandsgrenzwerte sollte mit dem Ver­wen­dungs­zweck des Pro­dukts, der Pa­ti­en­ten­grup­pe, der Ex­po­si­ti­ons­dau­er, dem Ex­trak­ti­ons­ver­fah­ren, der Pro­dukt­frei­ga­be­stra­te­gie und dem gesamten bio­lo­gi­schen Ri­si­ko­ma­nage­ment in Ver­bin­dung stehen. Dies ist nicht nur ein Thema für das Labor. Es ist ein Thema der tech­ni­schen Do­ku­men­ta­ti­on, des Qualitätsmanagements und der Ein­hal­tung ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten.

Was ist ISO 10993-7:2026?

ISO 10993-7:2026 ist die überarbeitete Norm für Restgehalte an Ethylenoxid und Ethylenchlorhydrin in EO-sterilisierten Medizinprodukten. Sie legt zulässige Grenzwerte für EO und ECH, Verfahren zur Messung dieser Rückstände sowie Methoden zur Feststellung der Konformität fest, damit EO-sterilisierte Produkte freigegeben werden können. Die Norm enthält außerdem zusätzliche Hintergrundinformationen und ein Flussdiagramm in den Anhängen A bis K.

In der Praxis hilft die ISO 10993-7:2026 Herstellern bei der Beantwortung von drei entscheidenden Fragen:

1. Wie viel Rest-EO und ECH darf auf oder in dem fertigen Produkt verbleiben?

2. Wie sollten Rückstände gemessen und interpretiert werden?

3. Wie lässt sich die Freigabe des Produkts mit klinisch und toxikologisch relevanten Nachweisen begründen?

Was hat sich in der Überarbeitung von 2026 geändert?

Die ISO gibt an, dass die dritte Ausgabe die Norm ISO 10993-7:2008 ersetzt und die Änderung von 2019 sowie die Berichtigung von 2009 enthält. Zu den wichtigsten Änderungen gehören zulässige Grenzwerte und Extraktionsbedingungen, die sich aus der Patientengruppe und der Anwendungsdauer ableiten, die Erlaubnis, Risikobewertungen zur Festlegung zulässiger Grenzwerte heranzuziehen, zusätzliche Leitlinien zur Produktfreigabe sowie weitere Leitlinien zur Bestimmung von Rückständen und Faktoren, die die Rückstandswerte beeinflussen.

Die wichtigste praktische Veränderung ist eine stärkere Abkehr von der „Prüfung anhand eines Wertes“ hin zu einer expositions- und risikobasierten Begründung. Hersteller sollten darauf vorbereitet sein, zu erklären, warum die Rückstandsgrenzwerte, Extraktionsbedingungen, Freigabekriterien und die Datenauswertung für das jeweilige Produkt und dessen beabsichtigte klinische Verwendung angemessen sind.

Eine vereinfachte Darstellung der Überarbeitung lautet wie folgt:

Thema

Praktische Auswirkungen für Hersteller

PatientengruppeDie Bewertung der Rückstände sollte widerspiegeln, wer exponiert ist, einschließlich empfindlicherer Bevölkerungsgruppen, sofern relevant.
AnwendungsdauerDie Expositionsdauer ist von Bedeutung; Szenarien mit begrenzter, längerer und langfristiger Nutzung können zu unterschiedlichen Erwartungen führen.
RisikobewertungToxikologische Überlegungen treten bei der Begründung zulässiger Grenzwerte stärker in den Vordergrund.
ProduktfreigabeDer Nachweis der Freisetzung nach EO-Sterilisation sollte geplant, dokumentiert und wissenschaftlich begründet werden.
Bestimmung von RückständenExtraktionsmethoden, Probenauswahl, Validierung der Testmethoden und Faktoren, die Rückstände beeinflussen, erfordern größere Aufmerksamkeit.
Bewertung von ÄnderungenÄnderungen bei Material, Verpackung, Sterilisation, Belüftung und Lieferanten erfordern unter Umständen eine Neubewertung hinsichtlich der Auswirkungen auf EO/ECH.

Warum EO-Rückstände eine sorgfältige Kontrolle erfordern

EO ist wirksam, da es komplexe Produktkonfigurationen und Verpackungssysteme durchdringen kann; dieselbe Eigenschaft bedeutet jedoch, dass Rückstände in bestimmten Materialien oder Produktdesigns zurückbleiben können. In der Einleitung der ISO zur überarbeiteten Norm wird darauf hingewiesen, dass EO biologische Wirkungen hat und dass sich ECH bilden kann, wenn EO mit freien Chloridionen in Kontakt kommt; Ethylenglykol (EG) wird als hydrolytisches Reaktionsprodukt von EO und Wasser beschrieben.

Die Ausgabe 2026 konzentriert sich auf EO- und ECH-Rückstände. In der Zusammenfassung der ISO wird zudem klargestellt, dass ISO 10993-7:2026 keine Grenzwerte für EG in Medizinprodukten festlegt, da die Risikobewertung in Anhang F zeigt, dass die berechneten zulässigen EG-Konzentrationen höher sind als diejenigen, die in einem Medizinprodukt wahrscheinlich auftreten.

Für Regulierungs- und Qualitätsteams ist diese Unterscheidung von Bedeutung. Die Kontrolle von EO-Rückständen ist nicht nur eine Frage der analytischen Chemie. Sie verbindet den Sterilisationsprozess, die Materialauswahl, die Verpackung, die Belüftung, die toxikologische Risikobewertung und die biologische Bewertung des Endprodukts.

Welche Produkte fallen in den Geltungsbereich?

ISO 10993-7:2026 gilt für EO-sterilisierte Medizinprodukte, bei denen Restkonzentrationen von EO oder ECH zu einer Exposition von Patienten oder Anwendern führen können. Die ISO stellt zudem wichtige Ausnahmen klar: EO-sterilisierte Produkte oder Komponenten, die weder in direkten noch in indirekten Kontakt mit dem Körper oder dem Anwender kommen, wie bestimmte In-vitro-Diagnostika, fallen nicht in den Anwendungsbereich. Die Norm gilt auch nicht für Produkte, bei denen nachgewiesen wurde, dass sie kein EO oder ECH absorbieren oder zurückhalten, wie beispielsweise Medizinprodukte, die ausschließlich aus Metalllegierungen und Glas bestehen.

Dies bedeutet, dass Hersteller die Norm nicht mechanisch anwenden sollten. Der erste Schritt besteht darin, die Produktkonfiguration, die Materialien, die Art des Kontakts, die Exposition von Anwender oder Patient sowie die Frage zu definieren, ob EO/ECH unter den Anwendungsbedingungen realistisch gesehen absorbiert, zurückgehalten und freigesetzt werden können.

Ein stärker risikobasierter Ansatz für zulässige Grenzwerte

Eine der technisch wichtigsten Entwicklungen in ISO 10993-7:2026 ist die Art und Weise, wie zulässige Grenzwerte mit toxikologischen Expositionsannahmen verknüpft werden. Die ISO beschreibt die Verwendung eines Unsicherheitsfaktor-Ansatzes zur Ableitung von expositionsdauer-spezifischen tolerierbaren Aufnahmemengen für EO und ECH sowie die Umrechnung dieser Werte in subpopulationsspezifische kumulative Expositionsgrenzwerte, ausgedrückt pro Produkt.

In verständlicherer Sprache: Die Norm fordert Hersteller auf, darüber nachzudenken, wie viel Restexposition ein Patient oder Anwender im realen Gebrauch durch das Produkt erfahren könnte, und nicht nur darauf zu achten, was ein Testergebnis isoliert betrachtet zeigt.

Dies schafft eine stärkere Verbindung zwischen ISO 10993-7 und dem umfassenderen biologischen Bewertungsprozess. ISO 10993-1:2025 definiert Anforderungen und Grundsätze für die Bewertung der biologischen Sicherheit im Rahmen eines Risikomanagementprozesses, abgestimmt auf ISO 14971. Für EO-sterilisierte Produkte ist die ISO 10993-7:2026 daher ein wichtiger Bestandteil des gesamten Dossiers zur biologischen Sicherheit und kein eigenständiges Dokument.

Was Hersteller jetzt prüfen sollten: ein priorisierter Ansatz

Für Hersteller, die Ethylenoxid-Sterilisation einsetzen, sollte der Übergang zu ISO 10993-7:2026 nicht mit einer langen Checkliste beginnen. Er sollte mit den Fragen beginnen, die die gesamte Strategie zur Bewertung der Restkonzentrationen bestimmen: Wer ist exponiert? Wie lange? Auf welchem Weg? Und welche Restkonzentration ist für das fertige Produkt vertretbar?

Eine strukturierte Überprüfung lässt sich in drei Ebenen unterteilen: grundlegende Entscheidungen, Belege und Kontrollen während des Lebenszyklus.

1. Beginnen Sie mit den grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen

Dies sind die Ele­men­te, die die gesamte EO/ECH-Rest­kon­zen­tra­ti­ons­stra­te­gie be­stim­men. Sind sie nicht korrekt, können spätere Tests und die Do­ku­men­ta­ti­on schwer zu recht­fer­ti­gen sein.

Ka­te­go­ri­sie­rung des Produkts und Szenario der kli­ni­schen Anwendung
Bestätigen Sie die Art und Dauer des Körperkontakts, den Ex­po­si­ti­ons­weg, die Pa­ti­en­ten­grup­pe und die be­ab­sich­tig­te kli­ni­sche An­wen­dung. Dies ist be­son­ders wichtig für Pro­duk­te, die bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen, bei wie­der­hol­ter An­wen­dung, bei längerer Ex­po­si­ti­on oder bei lang­fris­ti­gem Kontakt ein­ge­setzt werden.

Begründung der zulässigen Grenzwerte
Überprüfen Sie, ob die zulässigen EO- und ECH-Grenz­wer­te für das je­wei­li­ge Produkt, die Pa­ti­en­ten­grup­pe und die Ex­po­si­ti­ons­dau­er an­ge­mes­sen sind. Wenn zur Fest­le­gung oder Begründung von Grenz­wer­ten eine Ri­si­ko­be­wer­tung her­an­ge­zo­gen wird, sollte die Begründung klar do­ku­men­tiert, wis­sen­schaft­lich fundiert und auf die bio­lo­gi­sche Be­wer­tung sowie die Ri­si­ko­ma­nage­ment-Un­ter­la­gen zurückführbar sein.

Ex­trak­ti­ons­stra­te­gie und Relevanz für die Ex­po­si­ti­on
Be­wer­ten Sie, ob die Ex­trak­ti­ons­be­din­gun­gen für das Produkt geeignet und klinisch aussagekräftig sind. Der Zu­sam­men­hang zwischen Ex­trak­ti­ons­me­tho­de, er­war­te­ter Pa­ti­en­ten­ex­po­si­ti­on und Frei­ga­be­kri­te­ri­en sollte für interne Prüfer, Labore und externe Gut­ach­ter nach­voll­zieh­bar sein.

2. Er­stel­len Sie die Be­le­ge

So­bald die grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen klar sind, sollten Her­stel­ler überprüfen, ob die diese Ent­schei­dun­gen stützenden Nach­wei­se vollständig und kon­sis­tent sind.

Eig­nung der Analysemethode
Bestätigen Sie, dass die Test­me­tho­de für EO und ECH in dem spe­zi­fi­schen Produkt oder der Pro­dukt­fa­mi­lie geeignet ist. Dies umfasst die Pro­ben­vor­be­rei­tung, die Nach­weis­leis­tung, die Wie­der­fin­dungs­ra­te, die Me­tho­den­va­li­die­rung und die Eignung für die re­le­van­te Ma­te­ri­al­ma­trix.

Da­ten zur Rest­abbau­ra­te und Belüftungszeit
Überprüfen Sie, ob die verfügbaren Daten die fest­ge­leg­te Belüftungszeit und den Pro­dukt­frei­ga­be­punkt stützen. Die Daten zur Rest­abbau­ra­te sollten die tatsächliche Pro­dukt­kon­fi­gu­ra­ti­on, die Ma­te­ria­li­en, die Ver­pa­ckung und ge­ge­be­nen­falls die Ste­ri­li­sa­ti­ons­be­la­dung wi­der­spie­geln.

Kri­te­ri­en für die Pro­dukt­frei­ga­be
Stel­len Sie sicher, dass die routinemäßigen Frei­ga­be­kri­te­ri­en mit den zulässigen Grenz­wer­ten übereinstimmen und durch do­ku­men­tier­te Nach­wei­se gestützt werden. Die Pro­dukt­frei­ga­be sollte sich nicht nur auf his­to­ri­sche Pro­zess­erfah­run­gen stützen, sondern mit va­li­dier­ten Daten zur Ste­ri­li­sa­ti­on, Belüftung und Rest­stoff­kon­trol­le verknüpft sein.

Kon­sis­tenz der tech­ni­schen Dokumentation
Überprüfen Sie, ob der Bericht zur bio­lo­gi­schen Be­wer­tung, die to­xi­ko­lo­gi­sche Ri­si­ko­be­wer­tung, die Ste­ri­li­sa­ti­ons­va­li­die­rung, die Berichte zu Rest­kon­zen­tra­ti­ons­tests, die Ri­si­ko­ma­nage­ment­un­ter­la­gen und die tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on gemäß der Me­di­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung (MDR) übereinstimmen. Un­stim­mig­kei­ten zwischen diesen Do­ku­men­ten sind eine häufige Ursache für Fragen während der Konformitätsbewertung.

3. Stärkung der Le­bens­zy­klus- und Änderungskontrollen

Nachdem die Rest­kon­zen­tra­ti­ons­stra­te­gie und die unterstützenden Nach­wei­se bestätigt wurden, sollten Her­stel­ler die Prozesse prüfen, die die Stra­te­gie über die Zeit hinweg gültig hal­ten.

Ma­te­ri­al-, Lie­fe­ran­ten- und Designänderungen
Änderungen an Ma­te­ria­li­en, Kleb­stof­fen, Be­schich­tun­gen, Lie­fe­ran­ten oder dem Pro­dukt­de­sign können die EO-Ab­sorp­ti­on und den Abbau von Rest­kon­zen­tra­tio­nen be­ein­flus­sen. Der Änderungskontrollprozess sollte fest­le­gen, wann eine Neu­be­wer­tung der EO-/ECH-Rest­kon­zen­tra­tio­nen er­for­der­lich ist.

Änderungen an Ver­pa­ckung und Be­la­dungs­kon­fi­gu­ra­ti­on
Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­li­en, Ver­pa­ckungs­dich­te und die Kon­fi­gu­ra­ti­on der Ste­ri­li­sa­ti­ons­be­la­dung können die EO-Pe­ne­tra­ti­on und Belüftung be­ein­flus­sen. Re­le­van­te Änderungen sollten auf mögliche Aus­wir­kun­gen auf die Rest­kon­zen­tra­tio­nen bewertet werden.

Änderungen am Ste­ri­li­sa­ti­ons- und Belüftungsprozess
Änderungen an EO-Pro­zess­pa­ra­me­tern, der Zy­klus­kon­fi­gu­ra­ti­on, der Belüftungszeit, der Belüftungstemperatur, dem Ste­ri­li­sa­ti­ons­ort oder den Ver­ein­ba­run­gen mit Sub­un­ter­neh­mern sollten auf ihre Aus­wir­kun­gen auf die Ein­hal­tung der Rest­kon­zen­tra­ti­ons­grenz­wer­te überprüft werden.

Überwachung nach dem In­ver­kehr­brin­gen und Prozessüberwachung
Hersteller sollten si­cher­stel­len, dass Be­schwer­den, Nichtkonformitäten, Lie­fe­ran­ten­wech­sel und Pro­zess­ab­wei­chun­gen auf ihre po­ten­zi­el­le Relevanz für die EO/ECH-Rest­kon­zen­tra­ti­ons­kon­trol­le geprüft werden, sofern zu­tref­fend.

Praktische Reihenfolge der Überprüfung

Für eine effiziente Lückenanalyse können Hersteller die folgende Reihenfolge anwenden:

Priorität

Prüfbereich

Hauptfrage

1Kategorisierung des ProduktsSind die Art des Kontakts, die Expositionsdauer und die Patientengruppe korrekt definiert?
2Zulässige GrenzwerteSind die EO- und ECH-Grenzwerte für den tatsächlichen klinischen Einsatz des Produkts gerechtfertigt?
3ExtraktionsstrategieSpiegeln die Extraktionsbedingungen die potenzielle Exposition sinnvoll wider?
4TestmethodeIst die Analysemethode für dieses Produkt oder diese Produktfamilie geeignet und validiert?
5Restdissipation und BelüftungStützen die Daten den festgelegten Freigabepunkt?
6ProduktfreigabeSind die Freigabekriterien mit validierten Nachweisen und zulässigen Grenzwerten verknüpft?
7Technische DokumentationSind die biologische Bewertung, das Risikomanagementdossier und die Sterilisationsdokumentation konsistent?
8ÄnderungskontrolleWerden zukünftige Änderungen auf mögliche Auswirkungen von EO-/ECH-Rückständen geprüft?

Diese Priorisierung hilft Herstellern, sich zunächst auf die Entscheidungen zu konzentrieren, die die größten regulatorischen und toxikologischen Auswirkungen haben. Das Ziel besteht nicht einfach darin, der technischen Dokumentation weitere Dokumente hinzuzufügen, sondern eine klare und vertretbare Nachweiskette zu schaffen: vom Verwendungszweck über die Patientenexposition bis hin zu Restgrenzwerten, Teststrategie, Produktfreigabe und Lebenszykluskontrolle.

Zusammenhang mit der technischen Dokumentation gemäß der EU-MDR

Für Hersteller, die Medizinprodukte auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, sollte die Norm ISO 10993-7:2026 im Zusammenhang mit der Verordnung (EU) 2017/745 und der technischen Dokumentation des Herstellers betrachtet werden. In Europa begründen harmonisierte Normen eine Konformitätsvermutung erst dann, wenn ihre Fundstellen im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht sind; die Europäische Kommission erklärt, dass die freiwillige Anwendung solcher Normen eine Konformitätsvermutung mit den Anforderungen begründet, die sie abdecken sollen, sobald sie im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht sind.

Das bedeutet, dass Hersteller stets den aktuellen Harmonisierungsstatus, die geltenden Übergangsregelungen und die spezifischen MDR-Anforderungen, auf die Bezug genommen wird, prüfen sollten. Selbst wenn eine Norm noch nicht harmonisiert ist, kann eine neue ISO-Revision dennoch den aktuellen Stand der Technik widerspiegeln und die Erwartungen hinsichtlich wissenschaftlicher Begründung, Risikomanagement und technischer Dokumentation beeinflussen.

Warum diese Überarbeitung für die Bewertungen durch benannte Stellen von Bedeutung ist

Aus Sicht der benannten Stellen erhöht die ISO 10993-7:2026 die Bedeutung klarer, rückverfolgbarer und wissenschaftlich begründeter Nachweise. Ein technisches Dossier sollte nicht lediglich einen Reststoffprüfbericht enthalten. Es sollte darlegen, wie die Reststoffgrenzwerte ausgewählt wurden, wie die Extraktion und Prüfung durchgeführt wurden, wie die Freigabekriterien festgelegt wurden und wie die Ergebnisse die biologische Sicherheit des fertigen EO-sterilisierten Produkts belegen.

Häufige Schwachstellen in der Dokumentation sind eine unklare Produktkategorisierung, fehlende Verknüpfungen zwischen Prüfbedingungen und klinischer Anwendung, unzureichende Begründungen für zulässige Grenzwerte, unvollständige Nachweise zur Methodenvalidierung oder Änderungskontrollaufzeichnungen, die die Auswirkungen von EO/ECH nicht bewerten. Diese Lücken können zu Fragen während der Konformitätsbewertung führen und die Prüfung verzögern.

Die Norm ISO 10993-7:2026 sollte daher als Chance betrachtet werden. Durch die frühzeitige Überprüfung der Strategien zur EO-Restkonzentration können Hersteller die Zuverlässigkeit der Produktfreigabe verbessern, regulatorische Unsicherheiten verringern und nachweisen, dass die biologische Sicherheit unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher und regulatorischer Erwartungen gewährleistet wird.

Häufig gestellte Fragen zu ISO 10993-7:2026

ISO 10993-7:2026 ist die überarbeitete internationale Norm für Ethylenoxid-Sterilisationsrückstände in Medizinprodukten. Sie behandelt zulässige Grenzwerte, die Messung von EO- und ECH-Rückständen sowie die Konformitätsbewertung für die Produktfreigabe.

Zu den wichtigsten Änderungen zählen zulässige Grenzwerte und Extraktionsbedingungen, die sich nach der Patientengruppe und der Anwendungsdauer richten, die zulässige Verwendung von Risikobewertungen zur Festlegung zulässiger Grenzwerte, zusätzliche Leitlinien zur Produktfreigabe sowie umfassendere Leitlinien zur Bestimmung von Rückständen und zu Faktoren, die diese beeinflussen.

Nein. Die ISO gibt an, dass die Ausgabe von 2026 keine Grenzwerte für Ethylenglykol in Medizinprodukten festlegt, da die Risikobewertung ergibt, dass die berechneten zulässigen Werte höher sind als diejenigen, die in einem Medizinprodukt wahrscheinlich auftreten.

Geräte oder Komponenten, die weder in direkten noch in indirekten Kontakt mit dem Körper oder dem Benutzer kommen, fallen nicht in den Geltungsbereich. Geräte, bei denen nachgewiesen wurde, dass sie kein EO oder ECH absorbieren oder zurückhalten, wie beispielsweise Geräte, die ausschließlich aus Metalllegierungen und Glas bestehen, sind ebenfalls ausgeschlossen.

Beginnen Sie mit einer Lückenanalyse. Überprüfen Sie die Gerätekategorisierung, die Patientengruppe, die Expositionsdauer, die zulässigen EO/ECH-Grenzwerte, die Extraktionsbedingungen, die Validierung der Analysemethode, die Freigabekriterien und die Änderungskontrolle. Das Ergebnis sollte sich in der biologischen Bewertung und der technischen Dokumentation gemäß MDR widerspiegeln.

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Die DQS Me­di­zin­pro­duk­te GmbH, benannte Stelle 0297, bewertet Qualitätsmanagementsysteme für Me­di­zin­pro­duk­te und tech­ni­sche Do­ku­men­ta­tio­nen gemäß der Ver­ord­nung (EU) 2017/745. Kon­tak­tie­ren Sie die DQS, um mehr über den Konformitätsbewertungsprozess für Ihre Me­di­zin­pro­duk­te zu er­fah­ren.

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Autor

Klaus Lin­den­berg

Klaus Lin­den­berg schloss sein Studium an der Fach­hoch­schu­le Lübeck als Di­plom-In­ge­nieur (FH) für Bio­me­di­zin­tech­nik ab. Dank seiner um­fang­rei­chen Er­fah­rung in ver­schie­de­nen Un­ter­neh­men der deut­schen Me­di­zin­pro­dukt­e­bran­che hat er sich ein solides Fun­da­ment in den Be­rei­chen Qualität und Ein­hal­tung ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten auf­ge­baut. Er ist als lei­ten­der Auditor und tech­ni­scher Experte für das Qualitätsmanagement von Me­di­zin­pro­duk­ten tätig und hat sich auf ge­setz­li­che Stan­dards und Audits spe­zia­li­siert. Sein be­ruf­li­cher Hin­ter­grund wird durch Zer­ti­fi­zie­run­gen im Bereich der Qualitätssicherung und Au­di­tie­rung von Me­di­zin­pro­duk­ten un­ter­mau­ert.

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