Was ist ISO 10993-7:2026?
ISO 10993-7:2026 ist die überarbeitete Norm für Restgehalte an Ethylenoxid und Ethylenchlorhydrin in EO-sterilisierten Medizinprodukten. Sie legt zulässige Grenzwerte für EO und ECH, Verfahren zur Messung dieser Rückstände sowie Methoden zur Feststellung der Konformität fest, damit EO-sterilisierte Produkte freigegeben werden können. Die Norm enthält außerdem zusätzliche Hintergrundinformationen und ein Flussdiagramm in den Anhängen A bis K.
In der Praxis hilft die ISO 10993-7:2026 Herstellern bei der Beantwortung von drei entscheidenden Fragen:
1. Wie viel Rest-EO und ECH darf auf oder in dem fertigen Produkt verbleiben?
2. Wie sollten Rückstände gemessen und interpretiert werden?
3. Wie lässt sich die Freigabe des Produkts mit klinisch und toxikologisch relevanten Nachweisen begründen?
Was hat sich in der Überarbeitung von 2026 geändert?
Die ISO gibt an, dass die dritte Ausgabe die Norm ISO 10993-7:2008 ersetzt und die Änderung von 2019 sowie die Berichtigung von 2009 enthält. Zu den wichtigsten Änderungen gehören zulässige Grenzwerte und Extraktionsbedingungen, die sich aus der Patientengruppe und der Anwendungsdauer ableiten, die Erlaubnis, Risikobewertungen zur Festlegung zulässiger Grenzwerte heranzuziehen, zusätzliche Leitlinien zur Produktfreigabe sowie weitere Leitlinien zur Bestimmung von Rückständen und Faktoren, die die Rückstandswerte beeinflussen.
Die wichtigste praktische Veränderung ist eine stärkere Abkehr von der „Prüfung anhand eines Wertes“ hin zu einer expositions- und risikobasierten Begründung. Hersteller sollten darauf vorbereitet sein, zu erklären, warum die Rückstandsgrenzwerte, Extraktionsbedingungen, Freigabekriterien und die Datenauswertung für das jeweilige Produkt und dessen beabsichtigte klinische Verwendung angemessen sind.
Eine vereinfachte Darstellung der Überarbeitung lautet wie folgt:
Thema | Praktische Auswirkungen für Hersteller |
|---|
| Patientengruppe | Die Bewertung der Rückstände sollte widerspiegeln, wer exponiert ist, einschließlich empfindlicherer Bevölkerungsgruppen, sofern relevant. |
| Anwendungsdauer | Die Expositionsdauer ist von Bedeutung; Szenarien mit begrenzter, längerer und langfristiger Nutzung können zu unterschiedlichen Erwartungen führen. |
| Risikobewertung | Toxikologische Überlegungen treten bei der Begründung zulässiger Grenzwerte stärker in den Vordergrund. |
| Produktfreigabe | Der Nachweis der Freisetzung nach EO-Sterilisation sollte geplant, dokumentiert und wissenschaftlich begründet werden. |
| Bestimmung von Rückständen | Extraktionsmethoden, Probenauswahl, Validierung der Testmethoden und Faktoren, die Rückstände beeinflussen, erfordern größere Aufmerksamkeit. |
| Bewertung von Änderungen | Änderungen bei Material, Verpackung, Sterilisation, Belüftung und Lieferanten erfordern unter Umständen eine Neubewertung hinsichtlich der Auswirkungen auf EO/ECH. |
Warum EO-Rückstände eine sorgfältige Kontrolle erfordern
EO ist wirksam, da es komplexe Produktkonfigurationen und Verpackungssysteme durchdringen kann; dieselbe Eigenschaft bedeutet jedoch, dass Rückstände in bestimmten Materialien oder Produktdesigns zurückbleiben können. In der Einleitung der ISO zur überarbeiteten Norm wird darauf hingewiesen, dass EO biologische Wirkungen hat und dass sich ECH bilden kann, wenn EO mit freien Chloridionen in Kontakt kommt; Ethylenglykol (EG) wird als hydrolytisches Reaktionsprodukt von EO und Wasser beschrieben.
Die Ausgabe 2026 konzentriert sich auf EO- und ECH-Rückstände. In der Zusammenfassung der ISO wird zudem klargestellt, dass ISO 10993-7:2026 keine Grenzwerte für EG in Medizinprodukten festlegt, da die Risikobewertung in Anhang F zeigt, dass die berechneten zulässigen EG-Konzentrationen höher sind als diejenigen, die in einem Medizinprodukt wahrscheinlich auftreten.
Für Regulierungs- und Qualitätsteams ist diese Unterscheidung von Bedeutung. Die Kontrolle von EO-Rückständen ist nicht nur eine Frage der analytischen Chemie. Sie verbindet den Sterilisationsprozess, die Materialauswahl, die Verpackung, die Belüftung, die toxikologische Risikobewertung und die biologische Bewertung des Endprodukts.
Welche Produkte fallen in den Geltungsbereich?
ISO 10993-7:2026 gilt für EO-sterilisierte Medizinprodukte, bei denen Restkonzentrationen von EO oder ECH zu einer Exposition von Patienten oder Anwendern führen können. Die ISO stellt zudem wichtige Ausnahmen klar: EO-sterilisierte Produkte oder Komponenten, die weder in direkten noch in indirekten Kontakt mit dem Körper oder dem Anwender kommen, wie bestimmte In-vitro-Diagnostika, fallen nicht in den Anwendungsbereich. Die Norm gilt auch nicht für Produkte, bei denen nachgewiesen wurde, dass sie kein EO oder ECH absorbieren oder zurückhalten, wie beispielsweise Medizinprodukte, die ausschließlich aus Metalllegierungen und Glas bestehen.
Dies bedeutet, dass Hersteller die Norm nicht mechanisch anwenden sollten. Der erste Schritt besteht darin, die Produktkonfiguration, die Materialien, die Art des Kontakts, die Exposition von Anwender oder Patient sowie die Frage zu definieren, ob EO/ECH unter den Anwendungsbedingungen realistisch gesehen absorbiert, zurückgehalten und freigesetzt werden können.
Ein stärker risikobasierter Ansatz für zulässige Grenzwerte
Eine der technisch wichtigsten Entwicklungen in ISO 10993-7:2026 ist die Art und Weise, wie zulässige Grenzwerte mit toxikologischen Expositionsannahmen verknüpft werden. Die ISO beschreibt die Verwendung eines Unsicherheitsfaktor-Ansatzes zur Ableitung von expositionsdauer-spezifischen tolerierbaren Aufnahmemengen für EO und ECH sowie die Umrechnung dieser Werte in subpopulationsspezifische kumulative Expositionsgrenzwerte, ausgedrückt pro Produkt.
In verständlicherer Sprache: Die Norm fordert Hersteller auf, darüber nachzudenken, wie viel Restexposition ein Patient oder Anwender im realen Gebrauch durch das Produkt erfahren könnte, und nicht nur darauf zu achten, was ein Testergebnis isoliert betrachtet zeigt.
Dies schafft eine stärkere Verbindung zwischen ISO 10993-7 und dem umfassenderen biologischen Bewertungsprozess. ISO 10993-1:2025 definiert Anforderungen und Grundsätze für die Bewertung der biologischen Sicherheit im Rahmen eines Risikomanagementprozesses, abgestimmt auf ISO 14971. Für EO-sterilisierte Produkte ist die ISO 10993-7:2026 daher ein wichtiger Bestandteil des gesamten Dossiers zur biologischen Sicherheit und kein eigenständiges Dokument.