Ein unabhängiger Überblick von DQS, einer akkreditierten Zertifizierungsstelle.
ISO 27001 ist die führende internationale Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS). Sie legt die Anforderungen fest, die eine Organisation erfüllen muss, um Informationssicherheitsrisiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten und zu behandeln – wobei sie Menschen, Prozesse und Technologie abdeckt und nicht nur eine einzelne technische Kontrollmaßnahme. Die Norm ist für Organisationen jeder Größe und Branche relevant, von Finanzinstituten, Gesundheitsdienstleistern und Behörden bis hin zu Cloud-Dienstleistern, Herstellern und Softwareunternehmen, die sensible Informationen im Auftrag von Kunden, Mitarbeitern oder Partnern verarbeiten. Die aktuelle Ausgabe ist ISO/IEC 27001:2022, die die Version von 2013 abgelöst hat; die dreijährige Übergangsfrist für zuvor zertifizierte Organisationen endete am 31. Oktober 2025, und eine im Jahr 2024 veröffentlichte Änderung (Änderung 1:2024) fügte ausdrückliche Anforderungen in Bezug auf Klimaschutzmaßnahmen hinzu.
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Die wichtigsten Fakten zu ISO 27001 auf einen Blick
| Vollständiger Titel | ISO/IEC 27001:2022 Informationssicherheit, Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre – Managementsysteme für Informationssicherheit – Anforderungen |
| Veröffentlicht von | Internationale Organisation für Normung (ISO) und Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC), gemeinsam durch den Unterausschuss ISO/IEC JTC 1/SC 27 |
| Erstveröffentlichung | 2005 (Vorgänger war die Norm BS 7799-2 aus dem Jahr 1999) |
| Aktuelle Fassung | ISO/IEC 27001:2022, einschließlich Änderung 1:2024 (Änderungen im Zusammenhang mit Klimaschutzmaßnahmen). |
| Art des Managementsystems | Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) |
| Gilt für | Organisationen jeder Größe, Branche und geografischen Lage, die Informationsressourcen verarbeiten, speichern oder übertragen |
| Zertifizierbar | Ja. Eine unabhängige Zertifizierung durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle ist die am weitesten anerkannte Form des Nachweises der Konformität. |
| Struktur | Harmonisierte Struktur gemäß Anhang SL mit Anforderungen an Managementsysteme in den Abschnitten 4–10, ergänzt durch Anhang A, der auf 93 Kontrollmaßnahmen verweist, die in vier Themenbereiche gruppiert sind: Organisation, Personal, Physische Sicherheit und Technologie. |
| Verwandte Normen | ISO/IEC 27002, ISO/IEC 27005, ISO/IEC 27017, ISO/IEC 27018, ISO/IEC 27019, ISO/IEC 22301 |
Hintergrund und Triebkräfte für ISO 27001
Regulatorischer Druck auf die Informationssicherheit
Das regulatorische Umfeld für die Informationssicherheit hat sich in den letzten Jahren stark verschärft, insbesondere in der Europäischen Union. Die Richtlinie über Netz- und Informationssicherheit 2 (NIS2) erweitert die Cybersicherheitsverpflichtungen auf einen deutlich größeren Kreis wesentlicher und wichtiger Einrichtungen, darunter mittelständische Unternehmen aus Branchen wie Energie, Verkehr, Gesundheitswesen, digitale Infrastruktur und Fertigung. Der Digital Operational Resilience Act (DORA), der für Finanzunternehmen und deren kritische Drittanbieter im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) gilt, legt detaillierte Anforderungen an das IKT-Risikomanagement, die Meldung von Vorfällen, die Prüfung der Widerstandsfähigkeit sowie die Überwachung von Anbietern fest. Weder NIS2 noch DORA schreiben ISO 27001 als verbindliche Grundlage vor, doch beide verweisen auf international anerkannte Standards für Informationssicherheit als Bezugspunkt, und viele Organisationen nutzen zertifizierte ISMS als strukturelle Grundlage, auf der ihre Compliance-Programme aufbauen.
Markterwartungen und Kundenvertrauen
Über die formelle Regulierung hinaus ist Informationssicherheit zu einem festen Bestandteil von Business-to-Business-Verträgen, Ausschreibungsverfahren und Lieferantenqualifizierungsprogrammen geworden. Unternehmenskunden verlangen zunehmend von ihren Lieferanten den Nachweis eines extern verifizierten ISMS, bevor sie Zugang zu Systemen oder Daten gewähren, und Zertifikate, die von akkreditierten Zertifizierungsstellen ausgestellt wurden, werden weithin als Nachweis für diese Reife akzeptiert. Für Softwareanbieter, Cloud-Anbieter und andere Organisationen, deren Geschäftsmodell auf Kundendaten basiert, ist ein ISO 27001-Zertifikat in vielen Branchen mittlerweile fast schon eine Voraussetzung für den Markteintritt. Dieser Trend wird durch das wachsende öffentliche Bewusstsein für Datenpannen, Ransomware und Angriffe auf die Lieferkette verstärkt, was die Erwartungen daran erhöht hat, wie Organisationen Informationen entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette schützen.
Konvergenz mit Resilienz, Datenschutz und Nachhaltigkeit
Informationssicherheit ist kein isoliertes Thema mehr. Sie überschneidet sich zunehmend mit operativer Resilienz, Geschäftskontinuität, Datenschutz und – seit der Veröffentlichung der Änderung 1:2024 – klimabezogenen Überlegungen. Vorstände und Risikoausschüsse betrachten die Informationssicherheit als einen Aspekt eines umfassenderen Gesamtbildes, das IKT-Ausfälle, Risiken durch Dritte und Störungen durch extreme Wetterereignisse, die kritische Infrastrukturen beeinträchtigen, umfasst. Die Norm ISO 27001 bietet einen strukturellen Anker, der es Organisationen ermöglicht, diese verwandten Themen – Datenschutz, Geschäftskontinuität, Lieferantenüberwachung und physische Resilienz – in ein einziges Managementsystem zu integrieren, anstatt sie als Flickenteppich aus unzusammenhängenden Initiativen zu behandeln.
Kernanforderungen der ISO 27001
ISO/IEC 27001:2022 folgt der harmonisierten Struktur „Annex SL“, die allen modernen ISO-Managementsystemnormen gemeinsam ist. Die Abschnitte 1–3 legen den Geltungsbereich, normative Verweise und Begriffe fest. Die Abschnitte 4–10 enthalten die nachprüfbaren Anforderungen an das Managementsystem, die im Folgenden zusammengefasst sind. Anhang A verweist dann auf 93 in der ISO 27002 detailliert beschriebene Informationssicherheitsmaßnahmen, aus denen eine Organisation auf der Grundlage ihrer Risikobewertung die für sie zutreffenden auswählt.
Abschnitt 4 – Kontext der Organisation
Die Organisation ermittelt interne und externe Themen, die ihr ISMS beeinflussen, und bestimmt die Bedürfnisse und Erwartungen interessierter Parteien wie Kunden, Aufsichtsbehörden, Partner in der Lieferkette und Aktionäre. Auf dieser Grundlage definiert sie den Geltungsbereich des ISMS, einschließlich der Standorte, Geschäftsaktivitäten, Technologien und Informationsressourcen, die darunter fallen.
Abschnitt 5 – Führung
Die oberste Leitung zeigt Führungsstärke und Engagement für das ISMS, eine Informationssicherheitsrichtlinie wird unterzeichnet, und Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse werden zugewiesen. Informationssicherheit wird als Thema von strategischer Relevanz positioniert und nicht als delegierte technische Funktion.
Abschnitt 6 – Planung
Die Organisation führt eine Informationssicherheits-Risikobewertung durch, definiert Kriterien für die Akzeptanz und den Umgang mit Risiken und wählt die zur Bewältigung dieser Risiken erforderlichen Kontrollmaßnahmen aus. In der Anwendbarkeitserklärung wird dokumentiert, welche Kontrollmaßnahmen aus Anhang A gelten, welche ausgeschlossen sind und wie dies jeweils begründet wird. Informationssicherheitsziele werden definiert und auf die Richtlinie abgestimmt.
Abschnitt 7 – Unterstützung
Ressourcen, Kompetenz, Sensibilisierung, Kommunikation und dokumentierte Informationen werden behandelt. Das am ISMS beteiligte Personal erhält eine angemessene Schulung, und die Dokumentation wird in einer Form gepflegt, die der Größe und Komplexität der Organisation angemessen ist.
Abschnitt 8 – Betrieb
Die Organisation plant, implementiert und kontrolliert die Prozesse, die zur Erfüllung der Anforderungen an die Informationssicherheit erforderlich sind, führt die Risikobewertung und die Maßnahmenpläne durch und verwaltet Änderungen, die sich auf das ISMS auswirken könnten.
Abschnitt 9 – Leistungsbewertung
Das ISMS wird überwacht, gemessen und analysiert. Interne Audits und Managementbewertungen bilden die Grundlage für die Beurteilung, ob das System wirksam ist, den Anforderungen entspricht und kontinuierlich verbessert wird. Die Ergebnisse fließen in die Planung und in operative Entscheidungen ein.
Abschnitt 10 – Verbesserung
Nichtkonformitäten werden durch Korrekturmaßnahmen behoben, und die Organisation ist verpflichtet, die Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit des ISMS kontinuierlich zu verbessern. Die kontinuierliche Verbesserung ist ein strukturelles Merkmal der Norm und kein optionales Zusatzelement.
Anhang A – Referenzkontrollkatalog
Anhang A verweist auf 93 Kontrollmaßnahmen, die in vier Themenbereiche gruppiert sind: Organisatorische Kontrollmaßnahmen (37), Personbezogene Kontrollmaßnahmen (8), Physische Kontrollmaßnahmen (14) und Technologische Kontrollmaßnahmen (34). In der Überarbeitung von 2022 wurden die 114 Kontrollmaßnahmen der Version von 2013 konsolidiert und neu gegliedert, 11 neue Kontrollmaßnahmen eingeführt (darunter Bedrohungsinformationen, Informationssicherheit für Cloud-Dienste, IKT-Bereitschaft für die Geschäftskontinuität, Überwachung der physischen Sicherheit, Konfigurationsmanagement, Löschung von Informationen, Datenmaskierung, Verhinderung von Datenlecks, Überwachungsaktivitäten, Webfilterung und sichere Programmierung) und wendet auf jede Kontrollmaßnahme fünf Attribute an (Kontrolltyp, Eigenschaften der Informationssicherheit, Konzepte der Cybersicherheit, operative Fähigkeiten und Sicherheitsdomänen), um die Filterung und Berichterstellung zu unterstützen.
Zielgruppen und Anwendungsbereiche der ISO 27001
Die ISO 27001 ist von ihrer Konzeption her branchenunabhängig. Ihre Anforderungen gelten gleichermaßen für eine multinationale Bank, ein regionales Krankenhausnetzwerk, eine Behörde und ein Software-Start-up, das Kundendaten im Auftrag von Kunden verarbeitet. In der Praxis haben sich bestimmte Anwendungsbereiche besonders herauskristallisiert.
Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnologie – darunter Cloud-Plattformen, Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS), Managed-Service-Provider und Betreiber von Rechenzentren – betrachten die ISO 27001 häufig als das von Unternehmenskunden erwartete grundlegende Sicherheitsrahmenwerk. Finanzdienstleister nutzen die ISO 27001 zur Strukturierung von IKT-Risikomanagementprogrammen, die auch die DORA-Verpflichtungen unterstützen. Organisationen im Gesundheitswesen wenden sie zum Schutz von Patientendaten und klinischen Systemen an, oft in Verbindung mit branchenspezifischen Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen. Behörden des öffentlichen Sektors und Betreiber kritischer Infrastrukturen implementieren ISO 27001, um Verpflichtungen gemäß NIS2 und nationaler Cybersicherheitsgesetzgebung zu erfüllen. Unternehmen der Fertigungsindustrie setzen die Norm ein, um geistiges Eigentum zu schützen, Betriebstechnologieumgebungen zu sichern und Sicherheitsanforderungen großer Kunden in der Lieferkette – darunter Original Equipment Manufacturers (OEMs) – zu erfüllen.
Für alle diese Organisationen bietet ein zertifiziertes ISMS einen strukturierten Rahmen für evidenzbasierte Entscheidungen über Investitionen und Prioritäten im Bereich der Informationssicherheit. Es unterstützt fundierte Entscheidungen der Führungskräfte und bildet die Grundlage für risikobasierte Gespräche mit Aufsichtsbehörden, Kunden und Partnern in der Lieferkette, während die wesentlichen Entscheidungen den dafür Verantwortlichen überlassen bleiben.
Normen im Zusammenhang mit ISO 27001
Harmonisierte Struktur und typische Kombinationen
Die ISO 27001 teilt sich die harmonisierte Struktur des Anhangs SL mit anderen weit verbreiteten Managementsystemnormen, darunter ISO 9001 (Qualität), ISO 14001 (Umwelt) und ISO 22301 (Geschäftskontinuität). Diese gemeinsame Struktur ermöglicht es Organisationen, ein integriertes Managementsystem zu betreiben, in dem Anforderungen an Informationssicherheit, Qualität, Umwelt und Geschäftskontinuität gemeinsame Führungsverpflichtungen, Planungsprozesse, interne Audits und Managementbewertungen nutzen. Kombinierte Audits über diese Systeme hinweg sind in der Praxis üblich und tragen dazu bei, Doppelarbeit zu reduzieren.
Die ISO-27000-Normenfamilie
ISO 27001 steht im Mittelpunkt der Normenfamilie ISO 27000, die sich gemeinsam eingehend mit dem Informationssicherheitsmanagement befasst. ISO 27000 bietet einen Überblick und ein Vokabular für diese Normenfamilie. ISO 27002 erweitert jede Kontrollmaßnahme aus Anhang A um detaillierte Umsetzungshinweise und ist die Norm, die bei der Umsetzung neben ISO 27001 am häufigsten herangezogen wird. ISO 27005 bietet Leitlinien zum Informationssicherheits-Risikomanagement und wird häufig zur Operationalisierung der risikobasierten Klauseln von ISO 27001 verwendet. ISO 27017 und ISO 27018 erweitern den Kontrollkatalog auf Cloud-Dienste bzw. auf den Schutz personenbezogener Daten (PII) in öffentlichen Cloud-Umgebungen. ISO 27019 ist eine Leitlinie zur Einrichtung eines Informationssicherheits-Managementsystems für Steuerungssysteme in der Energieversorgung. Die Norm baut auf den in ISO 27002 beschriebenen Kontrollmaßnahmen zur Informationssicherheit auf und ergänzt diese um branchenspezifische Anforderungen, die über die in dieser Norm definierten allgemeinen Maßnahmen hinausgehen. ISO 27701 legt Anforderungen und Leitlinien für ein Datenschutz-Informationsmanagementsystem (PIMS) fest.
Branchen- und themenspezifische Erweiterungen
Eine Reihe von branchenspezifischen Normen baut im normativen Sinne auf ISO 27001 auf. ISO/IEC 27011 bietet zusätzliche Leitlinien für Telekommunikationsunternehmen. ISO/IEC 27017 und ISO/IEC 27018 befassen sich mit Cloud-spezifischen Kontrollmaßnahmen. ISO/IEC 27019 bietet Leitlinien für die Energieversorgungsbranche. ISO/IEC 27799 wendet die Kontrollmaßnahmen der ISO/IEC 27002 auf die Gesundheitsinformatik an. Diese Erweiterungen nutzen das Managementsystem der ISO 27001 und ergänzen oder verfeinern die für den jeweiligen Sektor relevanten Kontrollmaßnahmen.
Unterscheidung von ähnlichen Rahmenwerken
ISO 27001 wird manchmal mit anderen Rahmenwerken zur Informationssicherheit verglichen, insbesondere mit SOC 2 und dem NIST-Cybersicherheits-Rahmenwerk. ISO 27001 ist eine internationale Norm, nach der ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) von einer Zertifizierungsstelle zertifiziert werden kann. SOC 2 ist ein vom American Institute of Certified Public Accountants (AICPA) definiertes Berichtsrahmenwerk, in dessen Rahmen Prüfungsfachleute Bestätigungsberichte zu Kontrollmaßnahmen erstellen, die für Sicherheit, Verfügbarkeit, Verarbeitungsintegrität, Vertraulichkeit oder Datenschutz relevant sind. Die beiden Rahmenwerke überschneiden sich zwar, decken jedoch unterschiedliche Anwendungsbereiche ab und folgen unterschiedlichen Governance-Modellen; sie sollten daher nicht als gleichwertig beschrieben werden. Das NIST-Cybersicherheits-Framework ist ein freiwilliges Rahmenwerk, das als Leitfaden für das Risikomanagement insbesondere in den Vereinigten Staaten dienen soll; es ist nicht im gleichen Sinne zertifizierbar wie ISO 27001.
Über DQS als Zertifizierungsstelle
Dieser Artikel ist Teil des DQS-Wissenszentrums, einer Informationsquelle zu Managementsystemnormen und Zertifizierungsprozessen. Zum Hintergrund des Autors:
- Als eine der ersten Zertifizierungsstellen für Managementsysteme in Deutschland hat die DQS 1986 ihr erstes ISO 9001-Zertifikat ausgestellt und auditiert und zertifiziert seit über 40 Jahren Managementsysteme.
- Die DQS ist mit mehr als 80 Niederlassungen in 60 Ländern und einem weltweiten Netzwerk von über 3.000 Auditoren vertreten.
- Akkreditiert für ISO/IEC 27001 sowie verwandte Normen wie ISO 9001, ISO 22301 und ISO/IEC 27701 – so können integrierte Managementsysteme von einem einzigen Anbieter zertifiziert werden.
- Mitglied von IQNet, dem internationalen Zertifizierungsnetzwerk, das die grenzüberschreitende Anerkennung von DQS-Zertifikaten unterstützt.
Die Artikel in diesem Knowledge Center werden von DQS-Spezialisten verfasst und überprüft, die in der Auditpraxis mit diesen Normen arbeiten. Soweit zutreffend, werden die Inhalte anhand der aktuellen Fassung der Norm, der offiziellen Veröffentlichungen der normgebenden Stelle sowie aktueller regulatorischer oder akkreditierungsrechtlicher Leitlinien überprüft. Dieser Artikel wurde zuletzt am 30. Juni 2026 überprüft.
Häufig gestellte Fragen zu ISO 27001
Ist ISO 27001 verbindlich?
ISO 27001 ist eine freiwillige internationale Norm. Sie ist nicht direkt durch allgemeines Recht vorgeschrieben, wird jedoch in vielen vertraglichen, regulatorischen und Ausschreibungsanforderungen herangezogen. Organisationen, die der NIS2, der DORA, branchenspezifischen Cybersicherheitsvorschriften oder umfangreichen Kundenanforderungen unterliegen, nutzen ISO 27001 häufig als strukturelle Grundlage, um die Einhaltung dieser Verpflichtungen nachzuweisen.
Was ist die aktuelle Version von ISO 27001?
Die aktuelle Version ist ISO/IEC 27001:2022, veröffentlicht im Oktober 2022, mit der Änderung 1:2024 (Änderungen im Bereich Klimaschutz), veröffentlicht im Februar 2024.
Was hat sich zwischen ISO/IEC 27001:2013 und ISO/IEC 27001:2022 geändert?
Mit der Überarbeitung von 2022 wurde die Norm neu strukturiert und modernisiert. Die Klauseln zum Managementsystem (4–10) wurden stärker an die aktuelle Struktur des Anhangs SL angepasst, und Anhang A wurde grundlegend überarbeitet. Die bisherigen 114 Kontrollmaßnahmen in 14 Bereichen wurden zu 93 Kontrollmaßnahmen zusammengefasst, die in vier Themenbereiche (Organisation, Mitarbeiter, Physische Sicherheit, Technologie) gruppiert sind. Es wurden elf neue Kontrollmaßnahmen eingeführt, die Themen wie Bedrohungsinformationen, Cloud-Dienste, IKT-Bereitschaft für die Geschäftskontinuität, Konfigurationsmanagement, Verhinderung von Datenlecks, Überwachungsaktivitäten, Webfilterung und sichere Programmierung abdecken. Jede Kontrollmaßnahme verfügt nun über fünf Attribute, um die Filterung und Berichterstellung zu unterstützen.
Was hat die Änderung 1:2024 zur ISO 27001 hinzugefügt?
Die Änderung 1:2024 (Änderungen im Zusammenhang mit Klimaschutzmaßnahmen) führte explizite Verweise auf klimabezogene Aspekte in die Klauseln des Managementsystems ein. Organisationen sind verpflichtet, zu ermitteln, ob der Klimawandel im Kontext des ISMS ein relevantes Thema ist, und gegebenenfalls die klimabezogenen Bedürfnisse und Erwartungen der interessierten Parteien zu berücksichtigen.
Was ist der Unterschied zwischen ISO 27001 und ISO 27002?
ISO 27001 legt die Anforderungen an ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) fest und ist die Norm, nach der eine Organisation zertifiziert werden kann. ISO 27002 ist eine Begleitnorm, die detaillierte Leitlinien zur Umsetzung der in Anhang A der ISO 27001 genannten Kontrollmaßnahmen enthält. ISO 27002 selbst ist nicht zertifizierbar; sie dient als Referenz für die Konzeption und Umsetzung von Kontrollmaßnahmen.
In welchem Zusammenhang steht ISO 27001 mit NIS2 und DORA?
Weder NIS2 noch DORA schreiben ISO 27001 als verbindliche Grundlage vor, doch beide befassen sich mit Themen der Informationssicherheit und des IKT-Risikomanagements, die ISO 27001 bereits in strukturierter Form abdeckt. Viele Organisationen, die NIS2 oder DORA unterliegen, nutzen ein auf ISO 27001 basierendes ISMS als Grundlage für ihre Compliance-Programme und ordnen zusätzliche regulatorische Anforderungen – wie beispielsweise spezifische Fristen für die Meldung von Vorfällen oder die Überwachung von IKT-Drittanbietern – dem bestehenden Managementsystem zu.
Wie unterscheidet sich die ISO 27001 von SOC 2?
ISO 27001 ist eine internationale Norm für Managementsysteme, nach der eine Organisation von einer Zertifizierungsstelle zertifiziert werden kann, wobei das Zertifikat für das im Geltungsbereich beschriebene Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) gilt. SOC 2 ist ein vom AICPA definiertes Berichtsrahmenwerk, in dessen Rahmen Prüfungsfachleute Bestätigungsberichte zu Kontrollen erstellen, die für eines oder mehrere der fünf „Trust Services Criteria“ relevant sind. Die beiden Standards werden von unterschiedlichen Gremien geregelt, haben unterschiedliche Geltungsbereiche und Berichtsmodelle und werden formal nicht als gleichwertig anerkannt.
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