Die Einführung und Um­set­zung eines wir­kungs­vol­len Ma­nage­ment­sys­tems für Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Arbeit (SGA) nach der in­ter­na­tio­nal an­wend­ba­ren Norm ISO 45001 ist weit mehr als eine formale Erfüllung von Norm­vor­ga­ben. Sie verlangt stra­te­gi­sches Denken, echtes Führungsverhalten und die Ein­bin­dung aller Mit­ar­bei­ten­den. Nur wenn zentrale Er­folgs­fak­to­ren berücksichtigt werden, kann das System seine volle Wirk­sam­keit ent­fal­ten und die an­ge­streb­te Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Arbeit nach­hal­tig unterstützen. Dieser Beitrag be­leuch­tet, warum Kapitel 5 von ISO 45001 „Führung“ bei der Einführung eines Ar­beits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems eine Schlüsselrolle spielt und welche An­for­de­run­gen sich konkret daraus er­ge­ben.

ISO 45001 einführen: Was macht ein SGA-Managementsystem erfolgreich?

ISO 45001 widmet dem Thema „Erfolgsfaktoren“, ähnlich wie die Umweltnorm ISO 14001, einen eigenen Abschnitt (0.3). Dort werden die Wirksamkeit und damit die Fähigkeit, die beabsichtigten Ergebnisse des SGA-Managementsystems zu erreichen, in erster Linie von folgenden drei Schlüsselfaktoren abhängig gemacht:

  • Führungsfunktion der obersten Unternehmensleitung
  • Verpflichtung, Verantwortung und Rechenschaftspflicht der obersten Leitung
  • Beteiligung der Beschäftigten sämtlicher Ebenen und Funktionen (Konsultation)

„Die le­dig­lich formale Um­set­zung der An­for­de­run­gen von ISO 45001 für die er­folg­rei­che Einführung genügt nicht. Es kommt auf die echten Er­folgs­fak­to­ren an.“

Aber die Norm nennt noch weitere Faktoren, die für eine erfolgreiche Einführung erforderlich sind, unter anderem: 

  • SGA-Ziele: sämtliche Themen rund um Arbeits- und Gesundheitsschutz sind in die entsprechenden Geschäftsprozesse des Unternehmens zu integrieren
  • Arbeitsschutz Compliance: rechtliche Verpflichtungen und sonstige Anforderungen müssen konsequent eingehalten werden
  • Risikobasierter Ansatz: neben Risiken sind auch mögliche Chancen zu betrachten und zu beurteilen
  • Prozessorientierter Ansatz: wirksame Prozesse gestalten, um Gefährdungen zu ermitteln, Risiken zu kontrollieren und Chancen nutzen zu können  
  • Fortlaufende Leistungsbewertung: Kontinuierliche verbesserung

 

Was sind Erfolgsfaktoren bei der Einführung von ISO 45001?

Ein SGA-Managementsystem bietet weit mehr als nur die Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen. Sein volles Potenzial entfaltet es dann, wenn strategische Erfolgsfaktoren konsequent berücksichtigt werden – und die sind eng mit der Führungsverantwortung der obersten Leitung verknüpft. Damit kommt dem gesamten Normkapitel 5 „Führung und Beteiligung der Beschäftigten“ bei der Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems eine zentrale Bedeutng zu.

 

Führung und Verpflichtung als erster Erfolgsfaktor

Die oberste Leitung trägt laut ISO 45001 die zentrale Verantwortung für das Gelingen des Managementsystems. Sie muss nicht nur formell Verantwortung übernehmen, sondern durch konkretes Handeln Führung zeigen – etwa durch gezielte Kommunikation mit den Beschäftigten oder durch das Bereitstellen ausreichender Ressourcen (Beschaffung von Arbeitsmitteln, Personal und Infrastruktur etc.). 

Die Norm hebt insbesondere die Rolle der internen Audits hervor, die zur kritischen Selbstprüfung dienen. Ihre Ergebnisse fließen direkt in die Managementbewertung ein und sind auch gegenüber Beschäftigten und interessierten Parteien zu kommunizieren.

Die Führungsrolle ist damit nicht delegierbar: Nur wenn die oberste Leitung aktiv hinter der Einführung und Umsetzung steht und dessen Bedeutung kommuniziert, kann ein wirksames und glaubwürdiges Managementsystem entstehen.

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Erfolgsfaktor Beteiligung der Beschäftigten

Ein weiteres zentrales Element ist die aktive Beteiligung der Beschäftigten auf allen Ebenen. Sie sollen nicht nur informiert, sondern gezielt konsultiert und eingebunden werden. Ihre Erfahrung im unmittelbaren Arbeitsumfeld ist oft entscheidend für die Identifikation von Gefährdungspotenzial. Die Norm fordert daher gezielte Mechanismen, die die Mitwirkung ermöglichen – etwa durch geeignete Beteiligungsstrukturen und eine offene Rückmeldekultur. Und das gilt nicht nur bei der Einführung von ISO 45001, sondern vor allem bei der Umsetzung.

 

Eine Kultur des Vertrauens schaffen

Um DIN EN ISO 45001 erfolgreich einführen zu können, bedarf es einer Unternehmenskultur, die auf Vertrauen basiert. Nur so ist die wirksame Beteiligung der Mitarbeitenden gewährleistet. Dies schließt sowohl die Förderung einer offenen Kommunikation als auch das aktive Abbauen von Barrieren für die Beteiligung ein. Beschäftigte müssen beispielsweise ohne Angst vor Repressalien Vorfälle oder Gefährdungen melden können. Die Norm identifiziert diesen Aspekt explizit als mögliche Barriere, die zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren ist.

Für die oberste Unternehmensleitung heißt das, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen und geeignete Instrumente zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen die

  • Vertretung der Beschäftigten als Instrument für Beteiligung und Konsultation
  • Sensibilisierung der Mitarbeitenden, zum Beispiel durch geeignete Schulungen
  • Identifikation von Gefährdungspotenzial im unmittelbaren Arbeitsumfeld
  • Ermutigung der Beschäftigten, Vorfälle und Gefährdungen zu melden, und zwar ohne das sie Nachteile befürchten müssen. 

Solche Rahmenbedingungen fördern nicht nur die Akzeptanz des Systems, sondern verbessern auch die tatsächliche Sicherheitslage im Unternehmen – da Risiken frühzeitig erkannt und Maßnahmen gemeinsam entwickelt werden können.

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SGA-Politik strategisch verankern

Ein weiterer, wesentlicher Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Einführung von ISO 45001 ist, dass die SGA-Politik und die daraus abgeleiteten SGA-Ziele im Einklang mit der Gesamtstrategie des Unternehmens stehen. Die Ziele müssen nicht isoliert verfolgt, sondern systematisch in bestehende Geschäftsprozesse integriert werden. Die High Level Structure, die moderne ISO-Normen einheitlich aufbauen, erleichtert diese Integration deutlich – insbesondere für Organisationen, die bereits über ein Managementsystem nach ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 50001 verfügen.

Nur durch die strategische Einbettung aller Themen rund um die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit entsteht ein Rahmen, in dem die beabsichtigten Ergebnisse des SGA-Managementsystems erreicht und kontinuierlich weiterentwickelt werden können.

 

Compliance: ein Muss für nachhaltigen Erfolg

Auch Rechtssicherheit ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines erfolgreichen Managementsystems. Die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen sowie anderer bindender Anforderungen ist nicht optional – sie ist laut Norm Voraussetzung für die Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit des gesamten Arbeitsschutzmanagementsystems (Kap. 6.1.3). Unternehmen müssen daher systematisch analysieren, welche rechtlichen Anforderungen auf nationaler wie internationaler Ebene gelten, und sicherstellen, dass diese eingehalten werden.

Die Norm betont zudem, dass Compliance eine potenzielle Risikoquelle darstellt, wenn sie vernachlässigt wird – etwa durch unbeabsichtigte Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen oder freiwillig eingegangene Verpflichtungen.

Un­ser LE­SE­TIPP
Le­sen Sie mehr zum Thema im Beitrag Arbeitsschutz und Compliance: Lücken schließen

 

Während die Normanforderungen von DIN EN ISO 45001 internationale Gültigkeit besitzen, unterscheidet sich die Rechtslage beim Arbeits- und Gesundheitsschutz von Land zu Land. Das kann, je nach Standort, dazu führen, dass die Norm über die rechtlichen Verpflichtungen eines Landes hinausgeht. Oder auch umgekehrt. Dennoch gilt Compliance im Arbeitsschutz uneingeschränkt als Erfolgsfaktor. 

 

ISO 45001 einführen mit der richtigen Kommunikation

ISO 45001 legt viel Wert auf umfassende Kommunikation im Arbeitsschutz über alle Ebenen hinweg (Kap. 7.4). Damit dies sichergestellt ist, fordert ISO 45001 hierzu einen Prozess, der folgendes festlegt:

  • wer,
  • wann,
  • mit wem,
  • worüber und
  • wie kommuniziert werden muss .

Dies gilt sowohl für interne als auch für externe Kommunikation. Intern müssen relevante Informationen – etwa bei Änderungen – auf allen Ebenen verständlich weitergegeben werden. Die externe Kommunikation ist im Wesentlichen mit der Einhaltung bindender Verpflichtungen verknüpft und betrifft nicht selten Gefahrensituationen. Hier kommt es neben dem Inhalt besonders darauf an, dass die Kommunikationskanäle, etwa mit Behörden oder Rettungsdiensten, ohne Verzögerung nutzbar sind. Das geht beispielsweise durch regelmäßiges Aktualisieren der Daten von Kontaktpersonen.

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  • Kontext der Or­ga­ni­sa­ti­on und in­ter­es­sier­te Par­tei­en
  • Struk­tu­ren in Ar­beits­si­cher­heit und Prävention
  • Führung und Ver­pflich­tung
  • Ma­nage­ment­be­wer­tung und kontinuierliche Ver­bes­se­rung

ISO 45001 einführen: Fazit

Die Einführung von DIN EN ISO 45001 ist ein strategisches Vorhaben, das tief in die Unternehmenskultur hineinwirkt. Entscheidend für den Erfolg sind dabei nicht allein Prozesse und Dokumente, sondern vor allem die Berücksichtigung zentraler Erfolgsfaktoren: die Führungsstärke der obersten Leitung, die konsequente Beteiligung der Beschäftigten und die systematische Integration in bestehende Geschäftsstrukturen.

Doch erst durch die Verknüpfung mit unternehmensspezifischen Zielen und der strategischen Ausrichtung entsteht ein echter Mehrwert. Wenn SGA-Aspekte nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil des Gesamtsystems verstanden und gelebt werden, steigert das sowohl die Wirksamkeit als auch die Akzeptanz im Unternehmen – und macht das SGA-Managementsystem zu einem wirksamen Instrument für nachhaltige Verbesserung. Wer ISO 45001 einführen möchte, sollte daher nicht bei der Norm beginnen, sondern bei den Menschen im Unternehmen.

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Bitte beachten Sie: Unsere Beiträge werden ausschließlich von unseren Normexperten für Managementsysteme und langjährigen Auditoren verfasst. Sollten Sie Fragen zum Arbeitsschutzmanagementsystem an den Autor haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen.

Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor

Altan Dayankac

Glo­bal Program Manager und Senior Sus­taina­bi­li­ty Manager der DQS Gruppe und in­ter­na­tio­na­ler Experte für zahl­rei­che Nach­hal­tig­keits-, Klima-, Umwelt- und Ar­beits­si­cher­heits­the­men. Seine Ex­per­ti­se bringt Altan Dayankac zudem als Autor und Mo­de­ra­tor in HSE- und Nach­hal­tig­keits-Ko­mi­tees sowie in ver­schie­de­ne Fach­ver­an­stal­tun­gen ein.

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