In­for­ma­ti­on im Aus­nah­me­zu­stand

Ein Klick, ein verschlüsseltes System – und plötzlich steht Ihr Un­ter­neh­men still. Der Ernst­fall ist da. Ran­som­wa­re-An­grif­fe treffen längst nicht mehr nur in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne. Auch mittelständische Betriebe oder kleinere Or­ga­ni­sa­tio­nen geraten immer häufiger ins Visier. Die Folge: Von jetzt auf gleich geht wenig bis gar nichts mehr.

Wenn plötzlich nichts mehr geht

Produktionsanlagen stehen still, Lieferketten reißen ab, Rechnungen können nicht gestellt und Gehälter nicht ausgezahlt werden. Selbst die Telefone bleiben bei einem massiven IT-Sicherheitsvorfall stumm. Dieser Kontrollverlust ist für jedes Unternehmen ein Schock. Und er zwingt die oberste Leitung, innerhalb kürzester Zeit hochrelevante Entscheidungen zu treffen. In dieser Situation ist eines entscheidend: eine klare, strukturierte Kommunikation von Informationen – nach innen wie nach außen. Notfallkommunikation.

Warum ist kluge Kommunikation bei Cyberangriffen überlebenswichtig?

„Krise ist, wenn andere denken, dass Krise ist.“ Dieser Satz bringt es auf den Punkt: Ob Mitarbeitende, Kunden, Zulieferer oder die Öffentlichkeit – alle haben bei einem Sicherheitsvorfall Erwartungen an Ihr Unternehmen. Werden diese enttäuscht, ziehen interessierte Parteien Konsequenzen: Mitarbeiter denken über Kündigungen nach, Stakeholder zweifeln an der Zusammenarbeit, Kunden wenden sich ab.

Der Vorwurf lautet dann schnell: „Dieses Unternehmen hat die Lage nicht im Griff.“ Ob das wirklich stimmt, spielt zunächst keine Rolle – entscheidend ist die Wahrnehmung: „Bei denen gibt es keinen Kommunikationsplan.“ 

Genau hier setzt Krisenkommunikation an: Sie reduziert Unsicherheit, schafft Orientierung und signalisiert Handlungsfähigkeit. Wer widersprüchliche Botschaften vermeidet und konsistent kommuniziert, kann selbst in einer Ausnahmesituation Vertrauen erhalten.

Monitor showing a hacked system
Loading...
DQS Academy - Online-Seminar

Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on nach Cy­ber­an­grif­fen

Cy­ber­an­griff – und plötzlich steht alles still. Jetzt ent­schei­det Ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on über Ver­trau­en oder Ver­trau­ens­ver­lust. Im Seminar lernen Sie, wie Sie im Ernst­fall klar, souverän und handlungsfähig kom­mu­ni­zie­ren.

Sei­en Sie vor­be­rei­tet, bevor es kritisch wird.

 

Krisenkommunikation im Ernstfall – Prinzipien und Maßnahmen

Balance zwischen Offenheit und Zurückhaltung

Bei Ransomware-Angriffen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Zu viele technische Details oder Aussagen über mögliche Lösegeldzahlungen an Angreifer verunsichern und schaffen Angriffsfläche. Schweigen wiederum wirkt wie Verschleierung. Offenheit bedeutet daher nicht, alles preiszugeben – sondern glaubwürdig zu zeigen, dass die Lage unter Kontrolle ist und die richtigen Schritte laufen.

Zielgruppen priorisieren

  1. Mitarbeitende: Sie sind die ersten, die informiert werden müssen. Klare Aussagen verhindern Gerüchte und geben Sicherheit zu Fragen wie Arbeitszeit, Aufgaben oder Gehaltszahlungen.
  2. Kunden, Partner, Zulieferer: Sie brauchen realistische Einschätzungen, wie lange Einschränkungen dauern und welche Auswirkungen zu erwarten sind.
  3. Öffentlichkeit und Medien: Informationslücken füllen sich schnell mit Spekulationen. Proaktive Kommunikation hilft, das eigene Narrativ zu setzen.

Struktur und Taktung

Ein Zeitplan ist in der Krise Gold wert. Auch wenn anfangs keine belastbaren Prognosen möglich sind, schafft ein grober Fahrplan Transparenz. Lieber etwas vorsichtiger kalkulieren und regelmäßig kleinere Updates geben, als zu optimistisch auftreten und Erwartungen enttäuschen. Ein ehrliches „Wir prüfen noch und melden uns später mit weiteren Informationen“ ist oft glaubwürdiger als vorschnelle Zusagen. Hilfreich sind feste Briefings für interne Teams, definierte Zeitfenster für Presseupdates und abgestimmte Kommunikationskanäle. So bleibt der Informationsfluss kontrollierbar.

Werkzeuge und Vorlagen

Unterstützen Sie Ihre Kollegen durch klare Hilfsmittel: vorbereitete FAQs, Mustertexte, Holding Statements oder Sprechzettel. In der akuten Phase spart das wertvolle Zeit und sichert ein einheitliches Wording – intern wie extern.

Vorbereitung statt Improvisation

Die wichtigste Erkenntnis: Krisenkommunikation beginnt nicht erst, wenn der Ran­som­wa­re Angriff läuft. Wer Strukturen und Abläufe im Vorfeld etabliert, gewinnt im Ernstfall wertvolle Zeit.

  • Krisenstrukturen aufbauen: Abteilungsübergreifende Teams und klare Entscheidungswege sind essenziell.
  • Verantwortlichkeiten definieren: Wer spricht intern? Wer extern? Wer gibt finale Freigaben?
  • Daten priorisieren: Welche Prozesse und Systeme sind geschäftskritisch, welche weniger? Dieses Wissen beschleunigt Entscheidungen.
  • Übungen durchführen: Realistische Szenarien trainieren, um Abläufe einzuüben.
  • Technische & organisatorische Vorkehrungen: Notfall-Hotlines, feste Ablageorte für relevante Dokumente, definierte Ansprechpartner.

Unternehmen, die diese Grundlagen regelmäßig testen, reagieren im Ernstfall nicht panisch, sondern planvoll.

Mountaineers celebrate their ascent to the summit at sunset by clapping their hands.
Loading...
Praxistipp

Nutzen Sie ISO 27001 als Kompass für Ihre Si­cher­heits­kom­mu­ni­ka­ti­on

Schaf­fen Sie Be­wusst­sein und Re­ak­ti­ons­si­cher­heit in Ihrer Or­ga­ni­sa­ti­on. Ver­mei­den Sie Un­si­cher­hei­ten. Struk­tu­rie­ren Sie Mel­de­we­ge, Ver­ant­wort­lich­kei­ten und externe Kom­mu­ni­ka­ti­on mit klaren An­for­de­run­gen aus der Norm ISO 27001 – gerade bei si­cher­heits­re­le­van­ten Themen wie Informationssicherheitsvorfällen.

Krisenkommunikation als Schlüssel

Ein Ransomware-Angriff ist ein Ausnahmezustand, der schnell zur Existenzfrage werden kann. Gute Krisenkommunikation ist in diesem Moment kein „nice to have“, sondern überlebenswichtig. Sie schafft Orientierung, verhindert Vertrauensverlust und gibt dem Unternehmen Handlungsspielraum.

Die gute Nachricht: Krisenkommunikation bei Ransomware-Angriffen lässt sich vorbereiten. Wer Strukturen, Vorlagen und Zuständigkeiten im Vorfeld etabliert, gewinnt im Ernstfall das Wertvollste überhaupt – Zeit, Klarheit und Verlässlichkeit. Unternehmen, die regelmäßig Krisenszenarien durchspielen, bauen nicht nur technische Resilienz auf, sondern auch kommunikative Stärke.

Unser Praxistipp: Die bekannte Norm für Informationssicherheitsmanagement ISO 27001 fordert explizit, dass Organisationen verbindlich festlegen, was, wann, wie und mit wem kommuniziert wird – intern wie extern (Abschnitt 7.4). Besonderes Augenmerk liegt dabei auf sicherheitsrelevanten Themen: Sicherheitsvorfälle, deren Meldung, Behandlung und Nachbereitung unterliegen klar dokumentierten Anforderungen (Anhang A 5.24 - 5.26).
So hilft ISO 27001 nicht nur bei der Risikosteuerung, sondern stellt sicher, dass auch in kritischen Momenten alle wissen, was zu tun ist.

Fazit Krisenkommunikation beim Angriff

Gute Vorbereitung entscheidet

Ransomware-Angriffe lassen sich nicht vollständig verhindern. Doch wie Ihr Unternehmen kommuniziert, entscheidet darüber, ob aus einem Angriff eine existenzielle Krise oder eine bewältigbare Herausforderung wird. Wer die Krisenkommunikation bei Ransomware-Angriffen professionell vorbereitet, kann Vertrauen erhalten, die Handlungsfähigkeit sichern und gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Eine strukturierte Herangehensweise an die Krisenkommunikation bietet die Norm ISO 27001. Sie fordert von Organisationen, Kommunikationsprozesse im Sicherheitskontext klar zu definieren – inklusive Zuständigkeiten, Meldewegen und Eskalationspfaden. So entsteht ein belastbarer Rahmen, der im Ernstfall Orientierung gibt und die Handlungsfähigkeit sichert.

questions-answers-dqs-question mark on wooden dice on table
Loading...

Sie haben Fragen?

Wir sind für Sie da.

Mit welchem Aufwand müssen Sie für eine Zertifizierung nach ISO 27001 rechnen? Wir in­for­mie­ren Sie gerne. 

Kontaktieren Sie uns. Ganz un­ver­bind­lich und kos­ten­frei.

Ihre DQS: Was Sie von uns erwarten können

Die DQS ist Ihr Spezialist für Audits und Zertifizierungen – für Managementsysteme und Prozesse. Mit unserer Erfahrung aus über 40 Jahren und dem Know-how von weltweit 3000 Auditoren sind wir Ihr kompetenter Zertifizierungspartner rund um Informationssicherheitsmanagement.

Fachkompetenz ist unser Leistungsversprechen: Unsere DQS-Auditoren kennen die täglichen Herausforderungen aus ihrer eigenen langjährigen Berufserfahrung. Gesammelt in Organisationen jeder Größe und jeder Branche. Bei dieser Vielfalt ist garantiert, dass sich Ihr Auditor in Ihre individuelle Unternehmenssituation und Führungskultur hineindenken wird. Nehmen Sie uns beim Wort. Wir freuen uns auf den Kontakt mit Ihnen!

Vertrauen und Expertise  

Unsere Texte und Broschüren werden ausschließlich von unseren Normexperten oder langjährigen Auditoren verfasst. Sollten Sie Fragen zu den Textinhalten oder unseren Dienstleistungen an unseren Autor haben, senden Sie uns gerne eine E-Mail: [email protected].

Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor

Janka Kreißl

Ge­mein­sam mit ihrem Team unterstützt sie Or­ga­ni­sa­tio­nen dabei, sich auf Aus­nah­me­si­tua­tio­nen vor­zu­be­rei­ten und diese durch kluge Ent­schei­dun­gen und pro­fes­sio­nel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu meis­tern. In interdisziplinär be­setz­ten Krisenstäben bei Cyber In­ci­dents ist sie für die stra­te­gi­sche Beratung sowie die Kon­zep­ti­on und Um­set­zung kom­mu­ni­ka­ti­ver Maßnahmen ver­ant­wort­lich. Als Spea­ke­rin und Trai­ne­rin erläutert sie u.a. CISOs, CIOs und CEOs anhand an­schau­li­cher Pra­xis­bei­spie­le, was gute Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on bewirken kann – und was pas­siert, wenn sich Or­ga­ni­sa­tio­nen nicht aus­rei­chend auf Aus­nah­me­si­tua­tio­nen wie Cy­ber­an­grif­fe vor­be­rei­ten. Zudem ist Janka im Dia­log­ko­mi­tee des Dialog für Cy­ber­si­cher­heit beim Bun­des­amt für Si­cher­heit in der In­for­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) aktiv und ar­bei­te­te am Work­stream „Cyberresilience-Framework. In IT-Kri­sen schnel­ler agieren.“ mit.

Die gebürtige Thüringerin stu­dier­te Jour­na­lis­tik und An­glis­tik an der Universität Leipzig und ar­bei­te­te u.a. für PR- und Mar­ke­ting-Agen­tu­ren, in der Tech­ni­schen Do­ku­men­ta­ti­on sowie in der Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on. Knapp drei Jahre lang fuhr sie als Of­fi­zie­rin auf Kreuz­fahrt­schif­fen zur See – eine gute Basis für ihre heutige Arbeit, bei der sie Or­ga­ni­sa­tio­nen mit stra­te­gi­schem Weit­blick und kom­mu­ni­ka­ti­ver Ex­per­ti­se durch stürmische Zeiten be­glei­tet.

Loading...

Das könnte Sie auch in­ter­es­sie­ren. 

Weitere Fach­bei­trä­ge und Ver­an­stal­tun­gen der DQS 
Blog
Loading...

NIS-2 für Ge­schäfts­füh­rer: Pflich­ten, Haftung und Um­set­zung im Un­ter­neh­men

Blog
Loading...

Der Si­cher­heits­drei­klang der Zukunft

Blog
Loading...

In­for­ma­ti­ons­si­cher­heit in der Me­di­en­bran­che: Broad­cas­ting mit ISO 27001 Zer­ti­fi­kat