Wie läuft ein ISO 37001 Audit ab, auf was muss man sich vor einem solchen Audit ein­stel­len und welchen Mehrwert hat ein ISO 37001 Audit – mal ganz ab­ge­se­hen von dem Zer­ti­fi­kat? Diesen Fragen möchten wir uns im Fol­gen­den widmen und zwar in Form eines Er­fah­rungs­be­richts. Dafür sprechen wir mit Herrn Chong-Lai Kim. Er ist Ver­tre­ter des zen­tra­len Einkaufs bei Veolia und war maßgeblich am Audit be­tei­ligt. In einem Gespräch erzählt Herr Kim, wie er das ISO 37001 Audit erlebt hat, das die DQS bei Veolia durchgeführt hat. Außerdem sprechen wir mit DQS Auditor Hubert Spahn, der das ISO 37001 Audit bei Veolia betreut hat. Er hat drei Unternehmenstöchter von Veolia in Deutsch­land nach den Ma­nage­ment­sys­te­men zur Korruptionsbekämpfung ISO 37001:2016 er­folg­reich zer­ti­fi­ziert.

Aber wir wollen nicht zu weit vorweggreifen. Daher zunächst einmal die Frage an Herrn Kim: Können Sie uns schildern, wie der Prozess abgelaufen ist?

Kim: Sicher. Der zentrale Einkauf hat das Thema ausgeschrieben. Wir haben die Angebote gesichtet und uns dann für die DQS als Anbieter entschieden, woraufhin der Vertrag zustande gekommen ist. Im Anschluss wurde die Zertifizierung geplant. Herr Spahn, unser Auditor, hat das direkt zusammen mit den Kolleg*innen aus den Fachbereichen gemacht, weil diese inhaltlich und fachlich das Audit betreuen. Wir haben eine sehr komplexe Unternehmensstruktur, daher war das ein riesiger Koordinationsaufwand.

 

Und was hat sich bei dem Audit bei Veolia gezeigt?

Spahn: Im Audit zeigte sich, dass der Veolia Konzern über ein professionell aufgebautes und gemanagtes Anti-Korruptions-Managementsystem nach ISO 37001 verfügt. Durch eine durchgängige Dokumentation über die verschiedenen Gesellschaften ist die Compliance mit dem Loi Sapin II und der ISO-Norm abgesichert. Durch das Audit kann Veolia erstmalig mithilfe eines unabhängigen und glaubhaften Zertifikats die Funktionalität des Anti-Korruptionsmanagementsystems gegenüber Dritten nachweisen.

Hin­ter­grund der Zer­ti­fi­zie­rung

Die Veolia S.A.-Kon­zern­mut­ter ist ein börsennotiertes Un­ter­neh­men mit Sitz in Paris. Als größeres Un­ter­neh­men mit Sitz in Frank­reich, mehr als 500 Mit­ar­bei­ten­den und einem Jah­res­um­satz von min­des­tens 100 Mil­lio­nen Euro un­ter­liegt die Veolia Kon­zern­mut­ter den strengs­ten Be­stim­mun­gen des Loi Sapin II. Be­trof­fen vom dem Gesetz sind außerdem Un­ter­neh­men der­sel­ben Größe, die zu einem Mut­ter­kon­zern mit Haupt­sitz in Frank­reich gehören.

 

Was ist der Loi Sapin II?

Der Loi Sapin II ist das französische Gesetz zur Bekämpfung von Kor­rup­ti­on und zum Schutz von Hin­weis­ge­bern. Es steht im Einklang mit den sich ent­wi­ckeln­den globalen An­ti­kor­rup­ti­ons­stan­dards und basiert wei­test­ge­hend auf den Gesetzen FCPA (US-Bun­des­ge­setz Foreign Corrupt Prac­ti­ces Act §§ 78dd-1, ff.) und dem UK Bribery Act. Diese de­fi­nie­ren Vor­schrif­ten zur Ver­hin­de­rung und Auf­de­ckung von Be­stechung und Kor­rup­ti­on durch erhöhte Un­ter­neh­mens­trans­pa­renz. Wei­ter­hin sorgt das Gesetz für eine verstärkte interne Überwachung sowie eine Ver­bes­se­rung für den Schutz von Whistleblowern.

 

Was bedeutet der Loi Sapin II für be­trof­fe­ne Un­ter­neh­men?

Be­trof­fe­ne Un­ter­neh­men sind dazu ver­pflich­tet, ein um­fas­sen­des Com­pli­ance-Pro­gramm einzuführen. Dieses muss folgende Punkte be­inhal­ten:

a) einen Ver­hal­tens­ko­dex zur Korruptionsbekämpfung,

b) einen Me­cha­nis­mus zur Ri­si­ko­be­wer­tung,

c) Ver­fah­ren zur Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen bei Drit­ten,

d) Com­pli­ance-Schu­lun­gen für Führungskräfte,

e) ein internes Hot­line-Mel­de­ver­fah­ren zum Schutz der Ver­trau­lich­keit von Hin­weis­ge­bern,

f) ein Ver­fah­ren zur Messung der Wirk­sam­keit des Korruptionsbekämpfung-Programms.

Wenn keine Maßnahmen zur Prävention und Auf­de­ckung von Korruptionsfällen er­grif­fen werden, sieht das Gesetz sowohl für Un­ter­neh­men als auch für Ein­zel­per­so­nen Strafen von bis zu 1 Mio. EUR für Un­ter­neh­men und bis zu 200.000 EUR für Führungskräfte vor. Nicht­ein­hal­tung kann sogar zu Haft­stra­fen führen. Die Durch­set­zung der Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen des Loi Sapin II wird von der neu ein­ge­rich­te­ten na­tio­na­len Behörde „Agence Française Anti-Corruption“ (AFA) überprüft.

Die um­fas­sen­de Ge­setz­ge­bung ist in Frank­reich erst­ma­lig. Sie führt dazu, dass alle Un­ter­neh­men, die in Frank­reich ansässig sind oder Ver­bin­dun­gen zu Frank­reich haben, ihre Com­pli­ance-Pro­gram­me überprüfen müssen und si­cher­stel­len müssen, dass sie mit den Loi Sa­pin-II-Nor­men zur Kor­rup­ti­ons- und Bestechungsbekämpfung übereinstimmen.

Zunächst einmal: Glückwunsch an Veolia für das positive Ergebnis. Ich hätte noch eine Frage an Sie, Herr Spahn. Können Sie uns bitte schildern, wie ein ISO 37001 Audit abläuft?

Spahn: Ja, also zunächst möchte ich klarzustellen, dass ein Managementsystem-Audit zur Korruptionsbekämpfung nach ISO 37001 kein forensisches Audit ist, also keine möglichen kriminellen Handlungen untersucht werden. Nichtsdestotrotz zeigte sich im Audit, dass zunächst alle am Audit Beteiligten, insbesondere die Auditierten aufzuklären sind, dass man sie nicht verdächtig oder beschuldigt bzw. unter einen Generalverdacht stellt, denn die ISO 37001 kann letztendlich nur „rückwärts“ auditiert werden. Dies bedeutet, dass der Auditor aus „krimineller“ Sicht auf die Prozesse und die Norm schauen muss. Dabei gilt es herauszufinden wo möglich Schwachstellen und Risiken, Einfallstore oder Hinweise sog. „Red Flags“ für Korruption im Unternehmen sein könnten. Dies wirkt sich unmittelbar auf den auditierten Mitarbeitenden aus, da man von einer kriminellen Absicht der Person auszugehen hat, um das Risiko herauszuarbeiten. Dabei zeigte sich, dass Mitarbeitende sich oftmals kaum vorstellen konnten, an welchen Stellen es überhaupt zu einem möglichen Korruptionsversuch kommen könnte.

 

Rückwärts Audit: Wie war das für Sie, Herr Kim?

Kim: Es sind natürlich schon Fragen, die vielleicht im ersten Moment ungewohnt sind, die man nicht täglich gestellt bekommt und die Denkanstöße geben. Für mich persönlich war es eine neue Art von Fragen. So ein Audit rückt die Bedeutung des Themas in den Vordergrund, auch fachbereichsübergreifend. Schließlich war der Vertrieb involviert genauso wie die Finanzbuchhaltung und der Personalbereich. Alle hatten ihr Interview mit Herrn Spahn.

Mir hat das Audit nochmal einige Dinge bewusstgemacht, insbesondere, wie aufmerksam und vorsichtig man sein sollte im Umgang mit Lieferanten. Nach dem Interview habe ich dieses Thema auch in meinem Team angesprochen. Denn der Einkauf ist ja genau wie der Vertrieb auch besonders kritisch in Bezug auf Korruption.

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Kor­rup­ti­ons­prä­ven­ti­on mit ISO 37001

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Und was war die Reaktion?

Kim: Es war schon allen bewusst aber es hat nochmal wachgerüttelt, dass man von dem Thema nicht nur in einer Schulung hört, sondern das es sogar in einem Audit von einem Auditor gefragt wird.

Spahn: Zwar werden bei Veolia qualitativ hochwertige Schulungen durchgeführt, im Audit hat sich das Bewusstsein der Mitarbeitenden für mögliche Korruption jedoch nochmal geschärft. Insbesondere die Herausarbeitung von „Red Flags“ also von Hinweisen bzw. Anhaltspunkte im Audit für ein kriminelles Verhalten von Mitarbeitenden, Kolleg*innen oder Partnern war bewusstseinsfördernd und wurde als wertschöpfend bewertet.

 

Wo ist denn das Korruptionsrisiko generell hoch?

Spahn: Insbesondere bei Konzernen und großen Organisationen mit mehrstufigen Freigabeprozessen muss man sich darüber im Klaren sein, dass Korruption nur mit hoher krimineller Energie der handelnden Personen möglich ist. Denn die Korruption wird regelmäßig nur der „Eingangstatbestand“ sein. Regelmäßig werden Folgestraftaten wie u.a. Betrug (§ 263 StGB) ggf. in Form der Bandenkriminalität erfolgen. Das Ziel der Korruption ist es, den Bestochenen dazu zu bewegen, zum Vorteil des Bestechenden zu handeln, was regelmäßig zu Lasten des Unternehmens oder der Allgemeinheit geht. Einen Menschen mit hoher krimineller Energie und dem Willen, sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, wird nichts aufhalten, darüber muss man sich im Klaren sein. In einer offenen Auditsituation einer ISO 37001 Zertifizierung diese kriminelle Energie zu entlarven ist hochgradig unwahrscheinlich und auch nicht Ziel eines ISO-Audits. Aber mit einem Anti-Korruptions-Managementsystem können Sie diese Taten erschweren und die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung erhöhen und nur das kann die Zielsetzung sein.

Gerade vor dem Hintergrund der letzten Ereignisse im EU-Parlament zeigt sich wie anfällig Menschen und Systeme für Korruption sind und welchen Imageschaden dies für die betroffenen Organisationen darstellt. Mit einer ISO 37001 Zertifizierung können Unternehmen Vertrauen und Transparenz bei Ihren Kunden und Partner schaffen. Die unabhängige Überprüfung trägt zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Managementsystems und somit zur Compliance in der Organisation bei

 

Das Interview führte Constanze Illner.

ISO 37001 versus ISO 37301 - In­ter­view mit Auditor Hans-Jür­gen Fengler

In einem zu­neh­mend kom­ple­xen und re­gu­lier­ten Geschäftsumfeld wird die Ein­hal­tung von Vor­schrif­ten immer wich­ti­ger. Doch wann ist ein Com­pli­ance-Ma­nage­ment­sys­tem not­wen­dig, und wann sollte der Fokus auf An­ti-Kor­rup­ti­on liegen? Um diese zentrale Frage zu be­ant­wor­ten, habe ich mit DQS Auditor Hans-Jürgen Fengler ge­spro­chen. Als Experte für die Normen ISO 37301 (Com­pli­ance-Ma­nage­ment­sys­te­me) und ISO 37001 (An­ti-Kor­rup­ti­ons-Ma­nage­ment­sys­te­me) gibt er uns wert­vol­le Ein­bli­cke in die Un­ter­schie­de und An­wen­dungs­be­rei­che dieser beiden Nor­men.

wei­ter­le­sen
Hubert Spahn
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Auditor

Hubert Spahn

Hu­bert Spahn ist seit 2006 zu­ge­las­sen und unter anderen für ISO 37001 An­ti-Kor­rup­ti­ons- & ISO 37301 Com­pli­ance Ma­nage­ment als Auditor für die DQS tätig.

Als Voll­ju­rist und zu­ge­las­se­ner Rechts­an­walt mit Com­pli­ance Officer Wei­ter­bil­dung ist Herr Spahn prädestiniert die Au­di­tie­rung von Com­pli­ance-Ma­nage­ment­sys­tem.

Un­se­re Kunden schätzen seine wertschätzende Art der Au­di­tie­rung sehr.

Die DQS - Ihre Partnerin für die ISO 37001 Zertifizierung

Die DQS ist eine akkreditierte Zertifizierungsstelle für den ISO 37001 Standard. Mit qualifizierten Auditoren und Auditorinnen auf der ganzen Welt stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns - wir besprechen gerne Ihre Pläne!

Webinar: Ein­füh­rung und Zer­ti­fi­zie­rung von Com­pli­an­ce Ma­na­ge­ment­sys­te­men

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  3. Best Prac­ti­ces: Ent­de­cken Sie, wie führende Un­ter­neh­men er­folg­reich Com­pli­ance managen und Risiken mi­ni­mie­ren.
Zum Webinar
Autor

Con­stan­ze Illner

Con­stan­ze Illner (sie/ihr) ist Research und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­auf­trag­te im Bereich Nach­hal­tig­keit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit. In dieser Position behält sie alle wich­ti­gen Ent­wick­lun­gen in diesem Zu­sam­men­hang im Auge und in­for­miert unsere Kund­schaft in einem mo­nat­li­chen News­let­ter. Außerdem mo­de­riert sie die alljährliche Sus­taina­bi­li­ty Heroes Kon­fe­renz.

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