Im Jahr 2020 hatte Corona die Welt fest im Griff. Nicht nur im privaten Alltag, sondern auch am Arbeitsplatz war das Risiko einer Ansteckung groß – die ISO (International Organization for Standardization) reagierte darauf mit einem eigens veröffentlichten Leitfaden. Jetzt informieren.
Was ist ISO 45005?
Das internationale Dokument ISO 45001 enthält technische Regeln für sicheres Arbeiten während der COVID-19. Die korrekte Bezeichnung lautet: ISO/PAS 45005 – Occupational health and safety management – General guidelines for safe working during the COVID-19 pandemic.
Der Leitfaden wurde im Dezember 2020 von der ISO veröffentlicht und enthält praxisnahe Richtlinien zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im Kontext der Covid-19-Pandemie. Ziel ist es, Unternehmen aller Branchen dabei zu unterstützen, im Falle einer Pandemie geeignete Maßnahmen zum Schutz ihrer Beschäftigten und zur Aufrechterhaltung eines sicheren Arbeitsumfelds zu treffen. Es handelt sich dabei um eine ergänzende Richtlinie, die nicht zertifizierungsfähig ist. Die vollständige Fassung des Dokuments ist auf der Website der ISO verfügbar.
Wie hängen ISO 45001 und ISO 45005 zusammen?
ISO 45005 baut auf dem Rahmen von ISO 45001 auf, dem international anerkannten Standard für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA). Während ISO 45001 allgemeine Anforderungen an ein SGA-Managementsystem definiert, liefert ISO 45005 ergänzende Leitlinien speziell für den sicheren Umgang mit infektionsbedingten Risiken am Arbeitsplatz.
Der Leitfaden geht die Pandemie-Situation in Unternehmen auf Managementebene an: risikobasiert und mit praxisorientierten Anleitungen für mögliche Maßnahmen.
Warum war ISO 45005 während der Covid-19-Pandemie relevant?
Im Februar 2021 hatte Covid-19 (SARS-CoV-2) weltweit das öffentliche Leben fest im Griff. Besonders am Arbeitsplatz bestand ein erhöhtes Risiko für Ansteckungen. Strenge Verhaltensregeln und behördliche Vorgaben waren unerlässlich, um Infektionen zu verhindern. Unternehmen mussten zudem in der Lage sein, flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren.
Genau hier setzte ISO 45005 an: Das Regelwerk bot konkrete Handlungshilfen für sicheres Arbeiten unter Pandemiebedingungen und unterstützte Betriebe dabei, schnell und strukturiert auf die dynamische Lage zu reagieren.
Für welche Unternehmen gilt die Technische Regel?
ISO 45005 richtet sich an Unternehmen jeder Branche, Größe und Struktur. Der Leitfaden basiert auf der bereits im Mai 2020 veröffentlichten „BSI Safe Working Guidance“ und wurde speziell während der Corona-Pandemie entwickelt, um praxisnahe Unterstützung im Arbeits- und Gesundheitsschutz zu bieten. Im Blick sind dabei die interessierten Parteien (Stakeholder) im weitesten Sinne – also sowohl der Schutz der Beschäftigten als auch externer Interessengruppen wie Auftraggeber, Kunden oder Dienstleister. Die globalen Richtlinien sind ebenso für solche Unternehmen hilfreich, die nach einer pandemiebedingten Schließung ihren Betrieb wieder aufnehmen oder komplett neu eröffnen.
Anwender von ISO-Managementsystemnormen, vor allem aber jene der internationalen Norm für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA), DIN ISO 45001, können die Richtlinien über den PDCA-Zyklus unmittelbar in ihr Managementsystem integrieren.
DIN ISO 45001
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Wie ist ISO 45005 aufgebaut?
Der internationale Leitfaden enthält 14 Kapitel sowie zwei ergänzende Anhänge (A und B), die praktische Hinweise zur Umsetzung von COVID-19-Maßnahmen im betrieblichen Alltag liefern.
Die Nummerierung der einzelnen Kapitel stimmt nicht mit der gemeinsamen Grundstruktur (Harmonized Structure) von ISO-Managementsystemnormen, zum Beispiel ISO 45001, überein. Dennoch kann eine klare Zuordnung zum PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) und damit zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) erfolgen.
PLAN – Kap. 4 bis 8: planen, was die Organisation zum sicheren Arbeiten benötigt
DO – Kap. 9 bis 12: ausführen der geplanten Maßnahme
CHECK – Kap. 13: überprüfen, ob die Maßnahme greifen
ACT – Kap. 14: mögliche Schwachstellen und Lösungen ermitteln
Welchen Nutzen bietet ISO 45005 Unternehmen?
Während der Corona-Pandemie boten die technischen Regeln Unternehmen eine wertvolle Orientierungshilfe, um schnell und wirksam auf die dynamische Gefährdungslage zu reagieren. ISO 45005 unterstützte Organisationen dabei, geeignete Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu entwickeln, umzusetzen und kontinuierlich anzupassen.
Mit seinem praxisnahen und systematischen Ansatz trug der Leitfaden dazu bei, betriebliche Abläufe auch in gesundheitlichen Krisenlagen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig das Infektionsrisiko zu minimieren. Unternehmen konnten so Unsicherheiten verringern, das Vertrauen der Beschäftigten stärken und ihren rechtlichen Verpflichtungen im Arbeitsschutz besser nachkommen.
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Was regelte die Corona-Arbeitsschutzverordnung?
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichte im August 2020 die „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel“, die am 21. Januar 2021 durch die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) erweitert wurde. Diese Verordnung ergänzte bestehende Maßnahmen um verschärfte Vorgaben, unter anderem zur Pflicht, Homeoffice anzubieten, Abstände konsequent einzuhalten, medizinische Masken bereitzustellen und die Raumbelegung zu begrenzen – alles mit dem Ziel, den Gesundheitsschutz der Beschäftigten in der Pandemie bestmöglich zu gewährleisten.
Warum bleibt ISO 45005 auch nach Covid-19 relevant?
Auch unabhängig vom Zeitraum der Covid-19-Pandemie behalten viele Inhalte von ISO 45005 ihre Bedeutung. Die internationale Technische Regel überzeugt durch eine risiko- und praxisorientierte Herangehensweise, die sich nicht nur auf Corona beschränkt. Insbesondere folgende Aspekte sprechen dafür, sich auch künftig mit den Richtlinien auseinanderzusetzen:
- Praxisnahe Anleitung zur Risikobewertung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen, auch bei weniger schweren Infektionswellen.
- Einbeziehung mehrerer Standorte und damit einheitliche Sicherheitsstandards für international tätige Unternehmen.
- Unterstützung bei Reaktionsplänen, um flexibel auf neue Gesundheitsrisiken reagieren zu können.
- Einfache Integration in bestehende Managementsysteme, etwa nach ISO 45001 oder anderen ISO-Normen – mit regelmäßiger Anpassung im PDCA-Zyklus.
Insgesamt bietet ISO/PAS 45005 einen systematischen Rahmen, um Unternehmen auf künftige Infektionsgeschehen vorzubereiten und handlungsfähig zu halten.
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