Delta-Audits erfolgen in der Absicht, Managementsysteme auf die Dif­fe­renz zwischen dem Status quo und den (neuen) Nor­m­an­for­de­run­gen zu au­di­tie­ren.

Es geht darum, möglichen Hand­lungs­be­darf auf­zu­zei­gen, und zwar bevor zum Beispiel ein Übergangsaudit auf eine neue Norm oder ein Zer­ti­fi­zie­rungs­au­dit durchgeführt wird. Del­ta-Au­dits können je­der­zeit und unabhängig von regulär ge­plan­ten Audits durchgeführt wer­den.

Das Del­ta-Au­dit ist nach dem vierten Buch­sta­ben des grie­chi­schen Al­pha­bets „Delta“ (∆) benannt. Ein oft synonym ver­wen­de­ter Begriff ist Gap-Ana­ly­se (von engl. gap = Lücke).

Wann ist ein Delta-Audit sinnvoll?

Delta-Audits werden von Zertifizierungsgesellschaften als optionale Dienstleistung angeboten. Es ist zum Beispiel sinnvoll, wenn Revisionen von ISO-Managementsystemnormen vorliegen und Unternehmen auf die neue Version umsteigen wollen. Wie seinerzeit bei der bekannten Norm für Qualitätsmanagement der Übergang von ISO 9001:2008 auf ISO 9001:2015.

Das Delta-Audit war für viele Unternehmen eine willkommenen Möglichkeit, auf Grundlage der finalen Norm etwaigen Handlungsbedarf zu ermitteln, um den erfolgreichen Übergang auf die neue Version sicherzustellen.

Auch beim Umstieg von einer Managementsystemnorm, deren Herausgeber nicht die ISO ist, auf eine ISO-Norm, ist ein Delta-Audit sinnvoll. Es schafft Transparenz und zeigt möglichen Handlungsbedarf auf. Ein Beispiel hierfür kommt aus dem Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA): der damalige Umstieg vom britischen Standard OHSAS 18001 auf ISO 45001:2018.

Eine weitere Situation, in der Delta-Audits zum Einsatz kommen können, ist das Fehlen einer formalen Grundlage für eine Zertifizierung. Derartige Audits bringen kein offizielles Zertifikat hervor. Bieten Ihrem Unternehmen aber die Sicherheit, den Status quo, das Delta zu den Anforderungen und den Handlungsbedarf zu kennen.

 

Wann lohnt sich der Aufwand?

Ein Delta-Audit kann beispielsweise bei einer Normrevision eine sinnvolle Maßnahme sein, da Unternehmen zum Zeitpunkt des geplanten Umstiegs nur selten zu 100 Prozent auf dem Stand einer überarbeiteten oder neu herausgegebenen Managementsystemnorm sind.

Das Delta-Audit ist unabhängig vom eigentlichen Zertifizierungsaudit und damit mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Dennoch spart ein derartiges Audit in den meisten Fällen Zeit und Kosten gegenüber einem ungenügend vorbereiteten Zertifizierungsaudit, in dem wesentliche Nichtkonformitäten (Abweichungen) festgestellt werden.

Wann sollte ein Delta-Audit durchgeführt werden?

Wer ein Delta-Audit in Auftrag gibt, sollte sich Gedanken über den richtigen Zeitpunkt der Durchführung machen. Stehen die neuen Anforderungen einer Norm fest, gibt es keinen zu frühen Termin. Umgekehrt muss ein Unternehmen damit rechnen, dass eine Gap-Analyse Handlungsbedarf aufzeigt. Es muss also ausreichend Zeit zum Beispiel bis zum geplanten Umstellungsaudit eingerechnet werden, um eventuell notwendige Maßnahmen umsetzen zu können.

 

Wie läuft ein Delta-Audit ab?

Delta-Audits werden immer individuell für jedes Unternehmen angesetzt. Dabei werden vorhandene Unternehmensstrukturen analysiert, um zum Beispiel Aufwand und Kosten für eine Zertifizierung zu ermitteln. Die Analyse kann sich je nach Anforderung nur auf einzelne Teile eines Unternehmens beziehen oder alle Unternehmensbereiche berücksichtigen. In die Analyse einbezogen werden unter anderem Aktionspläne des Unternehmens, Risikobewertungen oder Zieldefinitionen.

Das Audit erfolgt in der Regel in folgenden Schritten:

  • Selbsteinschätzung anhand einer Frageliste durch Ihr Unternehmen
  • Festlegung der Audit-Schwerpunkte in enger Absprache mit der Zertifizierungsgesellschaft
  • Begutachtung des Ist-Zustandes vor Ort durch den Auditor
  • Bewertung der Selbsteinschätzung mit Blick auf festgestellten Ist-Zustand vor Ort durch den Auditor
  • Dokumentation von Schwachstellen und Verbesserungspotenzial durch den Auditor

Es muss dabei jedoch beachtet werden, dass es nach dem Delta-Audit und einem eventuell anstehenden Übergangs- oder Zertifizierungsaudit keine zusätzliche Begutachtung mehr durch den Auditor gibt. So kann nicht aufgezeigt werden, ob das aufgezeigte Verbesserungspotenzial auch umgesetzt wurde.

WICHTIG ZU WISSEN

Am Ablauf und der Herangehensweise wird deutlich, dass eine solche Analyse keine Dienstleistung im Sinn einer Beratungstätigkeit darstellt. Sie ist eine sinnvolle Vorbereitung auf die Zertifizierung mit Blick auf möglichen Handlungsbedarf. Das Delta-Audit kann einer Zertifizierung vorangehen, ist jedoch nicht Bestandteil der ISO-Zertifizierung.

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Delta Audit – Fazit

Ein Delta-Audit (synonym dazu eine Gap-Analyse) kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn eine Norm überarbeitet oder gänzlich neu herausgegeben wird. Aktuell ist dies beispielsweise beim Übergang auf die neue ISO/IEC 27001:2022 empfehlenswert.

Zertifizierungsgesellschaften bieten ihren Kunden damit eine Feststellung des Ist-Zustandes und die Überprüfung ihrer Selbsteinschätzung an. Sie wird mit den neuen Anforderungen im Unternehmen vor Ort abgeglichen. Die ermittelten Schwachstellen (Deltas / Lücken) werden dokumentiert und müssen vom Unternehmen vor der eigentlichen Zertifizierung geschlossen werden. Letzteres wird jedoch nicht überprüft.

Der Hauptnutzen liegt darin, dass im eigentlichen Zertifizierungsaudit keine wesentlichen Abweichungen (Nichtkonformitäten) mehr zu erwarten sind. Dies spart in Summe Zeit und Kosten.

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Hinweis: Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Die Direktive schließt jedoch grundsätzlich Personen jeglicher Geschlechteridentitäten mit ein, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Autor

Ute Dröge

In ihrer Rolle als langjährige Au­di­to­rin und Norm­ex­per­tin ist Ute Dröge eine zentrale An­sprech­part­ne­rin für den Großkundenbereich der DQS. Ihre um­fas­sen­de Ex­per­ti­se er­streckt sich über diverse Branchen und kon­zen­triert sich auf die Schwer­punk­te Qualität, Umwelt, Ar­beits­si­cher­heit und En­er­gie­ma­nage­ment. Im Rahmen der DQS Academy wird ins­be­son­de­re das um­fang­rei­che Fach­wis­sen der er­fah­re­nen Mo­de­ra­to­rin und Trai­ne­rin geschätzt.

 

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