Frachtkriminalität ist eine der größten Herausforderungen in der Lieferkette für Hersteller wertvoller Produkte mit hohem Risiko und deren Logistikdienstleister. Jedes Jahr verschwinden auf dem Transportweg allein in Europa Waren im Wert von 8 bis 10 Mrd. Euro. Damit sich das auch lohnt, konzentrieren sich gut organisierte Kriminelle auf Markenprodukte und hochwertige Waren. Ziel solcher Attacken sind zum Beispiel Lastkraftwagen, aber auch Lagerhäuser und Frachthöfe. Welche Möglichkeiten haben potenziell Betroffene mit den TAPA Standards, diesem Treiben entgegenzusetzen? Der CEO und Präsident TAPA EMEA Thorsten Neumann im Interview.
Überfälle auf LKW-Ladungen werden heute überwiegend im Auftrag durchgeführt. Das Hauptrisiko dabei ist der Mensch. Praktisch alle größeren Überfälle beruhen auf Insiderinformationen. Deshalb hat sich die internationale Vereinigung TAPA zur Aufgabe gemacht, derartige Verluste in der Lieferkette deutlich zu reduzieren.
Was ist TAPA?
TAPA (Transported Asset Protection Association) ist eine einzigartige internationale Vereinigung für mehr Sicherheit in der Lieferkette. Mit mehr als 600 Mitgliedern vereint TAPA sowohl viele der weltweit führenden Marken-Erzeuger als auch deren Logistik- und Transportunternehmen. Der gemeinsame Jahresumsatz liegt bei mehr als 900 Milliarden US-Dollar.
Zu den Mitgliedern der TAPA gehören international agierende Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Pharma, Automotive, Bekleidung, Schuhe, Kosmetik, Hygiene, Lebensmittel, Getränke, Möbel, Haushaltsgeräte und Metall sowie deren Logistikpartner.
TAPA Standards – Weltweit anerkannt
TAPA hat weltweit anerkannte Standards für die Sicherheit hochwertiger Güter innerhalb der Lieferkette entwickelt. Die drei Standards beruhen auf einem systematischen und risikobasierten Ansatz mit ganzheitlicher Sicht auf die Lieferkette. Ihre wesentlichen Merkmale sind:
- modernste Sicherheitsverfahren und Technik
- intensive Schulung und Bewusstseinsbildung
- Benchmark
- enge Zusammenarbeit mit Behörden
- frühzeitige Identifizierung von Sicherheitsrisiken
- Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen
- kontinuierliche Weiterentwicklung der Sicherheitsstandards
Ein besonders effektives Werkzeug ist der so genannte „Incident Information Service (IIS)“. Dieser Service erfasst kontinuierlich Daten von Vorfällen und stellt sie den Mitgliedern zur Verfügung. Durch die Nutzung der aktuellen Cargo-Crime-Informationen können gefährliche Orte umgangen, Güter während des Transportes geschützt und gestohlene Ware gemeldet und aufgefunden werden.
Statistiken belegen, dass TAPA-Mitglieder – im Vergleich zu anderen Unternehmen – Übergriffe und Fracht-Kriminalität messbar reduzieren. Im Schnitt um 48!
TAPA – Drei Standards für mehr Sicherheit in der Lieferkette
FSR – Facility Security Requirements
Die Facility Security Requirements (FSR) stellen Mindeststandards dar. Diese gelten speziell für die sichere Lagerung oder die beförderungsbedingte Zwischenlagerung während des Transports innerhalb der Lieferkette.
Bei der Entwicklung dieses Standards hat TAPA die großen Unterschiede anerkannt, wie die Lagerdienste global, regional und sogar innerhalb eines Unternehmens bereitgestellt werden. Die FSR können für alle oder einen Teil der von einem Logistikdienstleister erbrachten Dienstleistungen gelten. Abhängig von der Komplexität und Größe der Lieferkette erreicht man die Einhaltung der TAPA-Standards durch einen einzigen Logistikdienstleister oder mehrere Dienstleister und qualifizierte Subunternehmer. Eine TAPA Zertifizierung ist sowohl für einzelne als auch mehrere Standorte im Verbund möglich.
TAPA Zertifizierung
Mit einer TAPA Zertifizierung verbessern sie den Schutz hochwertiger, von Diebstahl gefährdeter Waren entlang der gesamten Lieferkette. Haftungsrisiken und Sicherheitsbedrohungen werden systematisch reduziert.
TSR – Trucking Security Requirements
Die Trucking Security Requirements (TSR) konzentrieren sich ausschließlich auf den Straßentransport. Die TSR stellen Mindeststandards für den Transport von Produkten auf der Straße innerhalb einer Lieferkette dar.
Die TSR-Richtlinien können für Folgendes gelten:
- Fracht, die gemäß TAPA TSR-Anforderungen transportiert werden muss.
- Geleaste oder im Besitz befindliche Fahrzeuge, Anhänger oder Container, die für den Transport von Fracht auf einem oder mehreren Straßensegmenten verwendet werden.
- Fahrzeuge, Anhänger oder Container, die von einem Unternehmen betrieben oder an Subunternehmer vergeben werden und für den Transport von Fracht auf einem oder mehreren Straßensegmenten verwendet werden.
Wesentliche Vorteile einer TAPA TSR-Zertifizierung sind die Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen durch den risikobasierten Ansatz und die damit einhergehende systematische Reduzierung von Haftungsrisiken.
Beide oben genannten Standards wurden mit der letzten Überarbeitung um neue Möglichkeiten ergänzt. Die überarbeiteten Facility Security Requirements (FSR 2023) sowie Trucking Security Requirements (TSR 2023) wurden am 15. September 2023 weltweit eingeführt. Die nächste Revision der TAPA Standards ist für 2026 geplant, im Rahmen des regulären dreijährigen Aktualisierungszyklus.
Für mehr Sicherheit in der Lieferkette
Die TAPA-Standards sind eine gute Wahl, wenn es um mehr Frachtsicherheit geht. Mit welchem Zertifizierungsaufwand Sie rechnen müssen, klären wir gerne in einem gemeinsamen Gespräch.
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PSR – Parking Security Requirements
Im Jahr 2018 veröffentlichte TAPA die Parking Security Requirements (PSR), um dem zunehmenden Frachtdiebstahl auf ungesicherten Parkplätzen entgegenzuwirken und die Frachtsicherheit zu erhöhen. Auch dieser Standard wurde überarbeitet: Die aktualisierte Version, PSR 2023, ist seit dem 1. Januar 2023 in Kraft und bringt mehrere wichtige Neuerungen mit sich, um den steigenden Anforderungen an die Frachtsicherheit gerecht zu werden.
Anpassung an EU-Standards: PSR 2023 wurde an den Standard der Europäischen Kommission für sichere Lkw-Parkplätze (SSTPA) angeglichen. Das erleichtert eine Doppelzertifizierung für Betreiber, die sowohl PSR- als auch SSTPA-Anforderungen erfüllen möchten.
Neue Sicherheitsanforderungen: Für eine Zertifizierung auf PSR-Level 2 ist nun ein durchgehender Zaun mit einer Mindesthöhe von 1,8 Metern erforderlich.
Erweiterte Optionen: Es wurden zusätzliche Maßnahmen eingeführt, um die Sicherheitsstufen weiter zu verbessern – einschließlich Anforderungen zur Erhöhung des Fahrerkomforts.
Transparenz und Vergleichbarkeit: PSR 2023 enthält eine Vergleichstabelle mit den SSTPA-Anforderungen. Das schafft mehr Übersicht und erleichtert die Entscheidungsfindung für Betreiber.
Goods at rest are goods at risk!
Thorsten Neumann, CEO und Präsident TAPA EMEA
Die nächste Überarbeitung des PSR-Standards ist im Rahmen des regulären dreijährigen Aktualisierungszyklus für 2026 geplant.
Mit dem Secure Parking Online Tool können die Mitglieder sichere und zertifizierte Standorte identifizieren und darauf aufbauend die Transportroute entlang der nächstgelegenen PSR-Parkplätze planen.
Fragen an Thorsten Neumann
CEO und Präsident TAPA EMEA
Herr Neumann, welche wesentlichen Vorteile und Chancen bieten die TSR und FSR Standards den Unternehmen und deren Kunden?
Neumann: Alle drei Jahre werden unsere FSR- und TSR-Standards grundsätzlich durch ein globales Team mit mehr als 400 Experten aufgrund neuester Technologien und Risikozahlen aus unserem Incident Information Service (IIS) überarbeitet. Ein sogenanntes Control Board prüft dann diese Standards, um alle kleinen Fehler und auch Ungenauigkeiten zu beseitigen. Der Grad zwischen Technik und Mensch ist in all unseren Standards wichtig, sodass auch neben den Technologien weiterhin definierte Verfahren, Schulungen und Policies unverzichtbar sind, wenn es um die Risikoreduzierung in der Supply Chain geht.
Der FSR-Standard ermöglicht Unternehmen mit mehreren Standorten, diese in einer sogenannten Multi-Site-Zertifizierung unter einem TAPA-Zertifikat zu vereinen. Berücksichtigung finden in dem neuen TSR-Standard ebenfalls Last-Mile-Deliveries durch Kleintransporter sowie der Straßentransport von See-Containern und Multimodale Transporte. Für uns war es wichtig, diese Bereiche der Supply Chain ebenfalls mit unseren Standards abzudecken.
Inzwischen ist es möglich, dass sich auch LKW-Parkplatzbetreiber nach den Parking Security Requirements zertifizieren lassen können. Welche Rolle spielen sichere Parkplätze innerhalb der Lieferkette und wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung in Ihrer Region?
Sichere Parkplätze spielen in der Supply Chain eine bedeutende Rolle. Die meisten Überfälle passieren, wenn der LKW zur Ruhe kommt. Nicht umsonst heißt es „Goods at rest are goods at risk“. TAPA ist in diesem Bereich seit Jahren aktiv.
Für unser PSR-Programm haben wir in der Vergangenheit einen sehr hohen Zuspruch erhalten. Aufgrund der niedrigen Margen für Parkplätze ist es jedoch für die Parkplatzbetreiber aktuell nicht einfach, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen gemäß des PSR-Standards zu implementieren. Demzufolge wurden in den jeweiligen Regionen Teams mit sogenannten Ambassadors gegründet. Sie sollen den Parkplatzbetreibern die Bedeutung dieses Sicherheitsstandards für unsere Mitglieder näherbringen.
Durch die Implementierung unserer Standards können die Unternehmen das Risiko auf den kleinsten Level bekommen. Alle Firmen, die unsere Standards umgesetzt und wirksam implementiert haben, konnten die Verlustzahlen um bis zu 80 Prozent reduzieren. Das zeigen uns die Erfahrungen aus den letzten 20 Jahren. Ein Erfolg, der für sich spricht!
Vielen Dank, Herr Neumann, für das interessante Gespräch!
TAPA – und was die DQS für Sie tun kann
Die DQS ist als „Indipendent Audit Body“ (IAB) durch die TAPA für die Durchführung von Audits und Zertifizierungen nach den Standards FSR, TSR und PSR zugelassen. Im Zertifizierungsaudit werden sicherheitsrelevante Bereiche nach eindeutigen Kriterien bewertet. Entspricht Ihr Unternehmen allen Anforderungen, erhält es von der DQS ein Zertifikat mit einer Gültigkeit von 3 Jahren. Die ausgestellten TAPA-Zertifikate sind mit einer Trackingnummer registriert, um Nachverfolgbarkeit und Transparenz sicherzustellen.
Sie haben Fragen?
Wir sind für Sie da.
Gerne informieren wir Sie über die Möglichkeiten einer TAPA-Zertifizierung, über unterschiedliche Standards, Aufwand und Zertifizierungsablauf – ganz unverbindlich und kostenfrei.
Als einer der führenden Zertifizierer für Managementsysteme und Prozesse weltweit verfolgen wir die aktuellen Herausforderungen auf dem Transportmarkt und bieten Lösungen für alle Logistikbereiche. Akkreditierungen und Zulassungen für alle maßgebenden Regelwerke stehen weltweit für Kompetenz und Zuverlässigkeit. Neben den klassischen Managementsystemnormen wie ISO 9001 (Qualität), ISO 14001 (Umwelt) oder ISO 50001 (Energie) liegt der Schwerpunkt u.a. auf den vielfältigen Standards für die Logistikbranche, auch in Kombination. So z.B. Audits gemäß GDP-Richtlinie, Qualified Carrier, TAPA oder SQAS für Chemietransporte.
Expertise und Vertrauen
Weltweit sind über 3000 Auditoren für die DQS im Einsatz. Sie alle verbindet das gleiche Verständnis und Anspruchsniveau, sie überzeugen durch langjährige Praxiserfahrung, Sozial- und Methodenkompetenz. Aufgrund des bedeutenden Anwendungsbereiches achtet die DQS streng darauf, nur branchenerfahrene, und durch TAPA zugelassene Auditoren im Zertifizierungsverfahren einzusetzen.
Sollten Sie Fragen an den Autor, zum Inhalt oder unseren Dienstleistungen haben, senden Sie uns gerne eine E-Mail an [email protected].