Nach­hal­ti­ge Be­schaf­fung, im Eng­li­schen entweder „Sustainable Procurement“ oder „Responsible Sourcing“ genannt, ist ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der Um­stel­lung auf eine nach­hal­ti­ge Wirt­schaft: Indem Or­ga­ni­sa­tio­nen Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en in den Be­schaf­fungs­pro­zess in­te­grie­ren, setzen sie ihren Einfluss dazu ein, die kom­plet­te Lie­fer­ket­te nach­hal­ti­ger zu ge­stal­ten. Der neue Standard ISO 20400 – Sus­tainable Pro­cu­re­ment bietet Or­ga­ni­sa­tio­nen nun eine Hil­fe­stel­lung beim Auf­set­zen einer nach­hal­ti­gen Einkaufsstrategie.

 

Ziel der ISO 20400 ist es, die Grundprinzipien der nachhaltigen Beschaffung zu beschreiben sowie ein wirksames Modell für die Umsetzung anzubieten. Die Norm beinhaltet keine Anforderungen an Lieferanten, sondern beschreibt, wie Einkäufer Kriterien für Nachhaltigkeit festlegen und in den Einkaufsprozess integrieren können.

 

ISO 20400 Sustainable Procurement Nachhaltige Beschaffung

Entwicklungsprozess und Hintergrund

Veröffentlicht wurde die ISO 20400 erstmalig im April 2017. Die ISO 20400 baut auf der BS 8903 auf, einem britischen Standard für nachhaltige Beschaffung aus dem Jahr 2010. Allerdings übernimmt sie die Grundprinzipien und Kernbegriffe der ISO 26000, der internationalen Norm für soziale Verantwortung. Die einheitliche Terminologie erleichtert somit die Integration der nachhaltigen Beschaffung (ISO 20400) in ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement (ISO 26000).

ISO 20400: Inhalt und Struktur der Norm

Vier Abschnitte bilden das Herzstück der Norm:

  • Abschnitt 4 bietet eine Einführung in das Thema nachhaltige Beschaffung sowie einen Überblick über die Grundprinzipien
  • Abschnitt 5 erklärt, wie man die nachhaltige Beschaffung auf strategischer Ebene integriert
  • Abschnitt 6 beschreibt die organisatorischen Voraussetzungen und Anforderung für die Umsetzung eines wirksamen Beschaffungssystems. Ein wichtiger Schwerpunkt bildet dabei die Qualifizierung der Mitarbeiter.
  • Abschnitt 7 beschreibt die operativen Prozesse und die Integration von Nachhaltigkeitskriterien

Aus der Norm ergibt sich folgendes Modell:

ISO 20400 Sustainable Procurement

Warum es sich lohnt, die ISO 20400 in der Praxis umzusetzen

Die ISO 20400 ermöglicht es Organisationen, relevante Nachhaltigkeitskriterien systematisch in der Beschaffung zu berücksichtigen. Eine konsequente Anwendung der Norm führt dazu folgenden Aspekten Rechnung zu tragen:

  • Der Anforderung, Verantwortung für die Lieferkette zu übernehmen, gerecht zu werden
  • Rechtliche, finanzielle und ethische Risiken in Bezug auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu identifizieren
  • Die Nachhaltigkeitsleistung Ihrer Lieferanten zu überwachen und Verbesserungsanreize zu bieten
  • Wertschöpfende und nachhaltige Lieferantenbeziehungen aufzubauen

Wie die DQS Ihnen dabei helfen kann, Ihre Beschaffungsprozesse nachhaltiger zu gestalten:

  • Zertifizierung Ihres Beschaffungssystems:
    Während einer Begutachtung vor Ort bestätigen unsere Auditoren die Umsetzung und Einhaltung eines Systems zur nachhaltigen Beschaffung. Der ausführliche Auditbericht fasst nicht nur die Auditergebnisse zusammen, sondern deckt auch Verbesserungspotentiale auf und unterbreitet Verbesserungsvorschläge. Nach einer erfolgreichen Begutachtung erhalten Sie das Global Conformity-Zertifikat und das Siegel für nachhaltige Beschaffung. Die Auditkriterien basieren auf dem Konzept und den Prinzipien der ISO 20400.
  • Lieferkettenanalyse: Risiken, Stärken und Schwächen in Bezug auf Nachhaltigkeit
    Voraussetzung für die Entwicklung einer wirksamen Einkaufsstrategie ist ein ausgeprägtes Verständnis der Risiken, Stärken und Schwächen Ihrer Lieferkette in Bezug auf Nachhaltigkeit. Mit einem breiten Netzwerk von hochqualifizierten Auditoren auf der ganzen Welt ist die DQS in der Lage, Ihre Lieferkette stichprobenartig zu analysieren und zu ermitteln, welche Nachhaltigkeitsaspekte für Ihre Lieferkette die größte Relevanz haben. In ausführlichen Auditberichten und persönlichen Gesprächen werden die Befunde zusammengefasst, Handlungsempfehlungen ausgesprochen und KPIs für ein fortlaufendes Monitoring identifiziert.
  • Lieferantenaudits
    Liegt eine Spezifikation, Standard oder Lieferantenkodex einmal vor, kann die DQS Sie dabei unterstützen, die Einhaltung mittels Lieferantenaudits sicherzustellen. Dies kann sowohl auf Basis einer kundenspezifischen Spezifikation oder Kodex als auch auf Basis etablierter Auditsysteme wie Sedex SMETA, FSA 2.0, REDcert 2.0 und vielen mehr erfolgen.
Autor
Dr. Thijs Willaert

Dr. Thijs Willaert ist Global Director Sus­taina­bi­li­ty Ser­vices. In dieser Funktion ver­ant­wor­tet er das gesamte Dienst­leis­tungs­port­fo­lio der DQS rundum ESG. Zu seinem In­ter­es­sens­ge­biet gehören unter anderem nach­hal­ti­ge Be­schaf­fung, men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflich­ten und ESG-Audits. 

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