2018 wurde mit der internationalen Norm ISO 45001 "Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA)" der Britische Standard BS OHSAS 18001 für Arbeitsschutz abgelöst. DIN ISO 45001 baut auf dem alten Standard auf und enthält zusätzlich Elemente des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) nach DIN SPEC 91020. Welches Managementsystem für Ihr Unternehmen besser geeignet ist, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

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Gemeinsame Ziele von DIN SPEC 91020 und ISO 45001

Egal, welche Managementsystemnorm Sie wählen, ihre Grundstruktur und Systematik ist gleich: Ihr Unternehmen muss Prozesse definieren und steuern. Und diese Prozesse müssen gemäß dem PDCA-Zyklus immer wieder auf den Prüfstand gestellt und fortlaufend verbessert werden. Im Mittelpunkt steht dabei eine der wichtigsten interessierten Parteien Ihres Unternehmens: die Mitarbeitenden.

Beide Managementansätze basieren auf der Erkenntnis, dass die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Führungsaufgabe im Sinne einer Fürsorgepflicht und Vorbildfunktion für die anvertrauten Mitarbeitenden ist. So müssen zum Beispiel Risiken durch gesundheitliche Schäden oder Unfälle erkannt und gesteuert werden.

Die internationale Norm DIN ISO 45001 ist zertifizierungsfähig. Die technische Regel DIN SPEC 91020 „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ wurde zurückgezogen. Der Regelsetzer empfiehlt die Anwendung von ISO 45001.

 

BGM oder Arbeitsschutz – wo liegen die Unterschiede?

Mit ISO 45001 ist eine Annäherung zwischen dem traditionellen Arbeits- und Gesundheitsschutz und einem betrieblichen Gesundheitsmanagement gelungen. Fest steht aber auch, dass es sich um zwei Themen mit unterschiedlichen Ausgangssituationen und Intentionen handelt.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist eine privatwirtschaftliche Initiative. Die DIN-Spezifikation 91020 wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Sie versteht BGM als: „Systematische sowie nachhaltige Schaffung und Gestaltung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Prozessen einschließlich der Befähigung der Organisationsmitglieder zu einem eigenverantwortlichen, gesundheitsbewussten Verhalten.“

Klassischer Arbeits- und Gesundheitsschutz unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Auflagen. Dies spiegelt sich vor allem in der internationalen SGA-Norm ISO 45001 wider: „Die beabsichtigten Ergebnisse eines SGA-Managementsystems sind die Prävention von arbeitsbedingten Verletzungen und Erkrankungen von Beschäftigten und die Bereitstellung sicherer und gesundheitsgerechter Arbeitsplätze.“ Die ISO-Norm dient also „nur“ der Prävention und Vermeidung. Gesundheitsförderung wird in der Norm nicht betrachtet.

„Um die Gesundheit von Mitarbeitern langfristig und damit nachhaltig zu sichern, sind Standards und festgelegte Abläufe im Unternehmen notwendig.“

Es sollte von Beginn an die Frage gestellt werden, was mit der Einführung und Zertifizierung eines Managementsystems erreicht werden soll. Was steht im Fokus? BGM oder Arbeitsschutz? Ist es primär die Senkung des Krankenstands, der Arbeitsunfälle und/oder der Mitarbeiterfluktuation? Oder soll ein generelles Umdenken aller Beschäftigten im Unternehmen stattfinden, das zu einem Wandel in der Unternehmenskultur führt?

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Leitfaden zum BGM

BGM auf Basis der DIN SPEC 91020

Trotz des Rückzugs der Spezifikation durch das DIN: die Auseinandersetzung mit BGM bleibt wichtig! Erfahren Sie mehr in unserem kostenfreien Leitfaden.

  • Interpretation ausgewählter Normanforderungen
  • Wie können die Anforderungen in die Praxis umgesetzt werden?
  • Was ist für einen normkonformen Nachweis erforderlich?
  • Wo liegt der Nutzen für mein Unternehmen?

BGM und Arbeitsschutz im Kontext

Um den Unterschied zwischen den beiden Managementansätzen zu verdeutlichen, ist ein Blick auf den Kontext hilfreich. In DIN SPEC 91020 wird der Grundgedanke eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements mit einem einzigen Wort klar: „Wertschätzung“. Sie steht für das ehrliche Interesse der obersten Leitung an der Gesundheit der Mitarbeitenden.

Durch Unternehmenswerte, ein entsprechendes Leitbild und Führungsgrundsätze muss sichergestellt werden, dass der Beitrag jedes einzelnen Beschäftigten zum Erfolg des Unternehmens wertgeschätzt wird. Dabei geht es auch um eine neue Arbeitsweise, die nicht am Arbeitsplatz endet, sondern bis ins Privatleben reicht.

Die Führungskräfte beobachten den sie umgebenden Kontext im Sinne der internen und externen Themen, um agil und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. Oder besser: um diese Veränderungen selbst voranzutreiben.

Dies erfordert ein Umdenken aller Beschäftigten eines Unternehmens bis hin zu einer neuen Arbeitsweise. Statt nur an einzelnen Stellschrauben zu drehen, geht es bei einem BGM um einen strategischen Ansatz und den Wandel in der Unternehmenskultur. Das Schlagwort lautet: Digital Leadership.

„DIN SPEC 91020 bietet die Basis für eine Selbstverpflichtung der Führungskräfte, ein entsprechendes Gesundheitsbewusstsein bei allen Beteiligten zu schaffen.“

ISO 45001 hingegen beschränkt sich auf den eigentlichen Arbeitsplatz. Die Intention dahinter: Die Bereitstellung eines sicheren und gesundheitsgerechten Arbeitsumfelds. Arbeitsbedingte Verletzungen und Erkrankungen sollen vermieden und die SGA-Leistung im Unternehmen verbessert werden. Das Stichwort hier: „Arbeitsschutz und Compliance“.

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ISO 45001 – Arbeitsschtz und Compliance

Wir erläutern die Norm. Kostenfreies Whitepaper. Aus dem Inhalt:

  • Compliance: Konzentration auf SGA-relevante Themen
  • Was tun bei Nicht-Compliance?
  • Sieben Schritte zur Umsetzung von ISO 45001

Mit Erfüllung der Anforderungen der ISO-Norm erhalten Unternehmen mehr Rechtssicherheit, wenn es um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und behördlicher Auflagen geht. Damit sinkt das Haftungsrisiko signifikant. Zwar wird in einzelnen Unterkapiteln auch der notwendige Kulturwandel gefordert, im Vordergrund stehen aber die Arbeitsplatzgestaltung und Leistungsverbesserung.

„Bei der Erfüllung der Normanforderungen von ISO 45001 geht es vor allem um sichere Arbeitsbedingungen und Rechtssicherheit.“

Gegenüberstellung von BGM und Arbeitsschutz

ISO 45001:2018 (SGA) 

  • 4    Kontext der Organisation
  • 4. 1    Verstehen der Organisation und ihres Kontextes
  • 4.2    Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen von Beschäftigten und anderen interessierten Parteien
  • 4.3    Festlegen des Anwendungsbereiches des SGA-Managementsystems
  • 4.4    SGA-Managementsystem
  • 5    Führung und Beteiligung der Beschäftigten
  • 5.1    Führung und Verpflichtung
  • 5.2    SGA-Politik
  • 5.3    Rollen, Verantwortlichkeiten, und Befugnisse in der Organisation
  • 5.4    Konsultation und Beteiligung der Beschäftigten
  • 6    Planung
  • 6.1    Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen 
  • 6.1.2    Ermittlung von Gefährdungen und Bewertung von Risiken und Chancen
  • 6.1.3    Bestimmung rechtlicher Verpflichtungen und anderer Anforderungen
  • 6.2    SGA-Ziele und Planung zu deren Erreichung
  • 7    Unterstützung
  • 7.1    Ressourcen
  • 7.2    Kompetenzen
  • 7.3    Bewusstsein
  • 7.4    Kommunikation (Intern/Extern)
  • 7.5    Dokumentierte Information
  • 8    Betrieb
  • 8.1    Betriebliche Planung
  • 8.1.1    Allgemeines
  • 8.1.2    Gefahren beseitigen und SAG-Risiken verringern
  • 8.1.3    Änderungsmanagement
  • 8.1.4    Beschaffung
  • 8.2    Notfallplan und Reaktion
  • 9    Bewertung der Leistung
  • 9.1    Überwachung, Messung, Analyse und Leistungsbewertung
  • 9.1.2    Bewertung der Compliance
  • 9.2    Internes Audit
  • 9.2.1    Internes Auditprogramm
  • 9.3    Managementbewertung
  • 10    Verbesserung
  • 10.2    Vorfall Nichtkonformität und Korrekturmaßnahmen
  • 10.3    Fortlaufende Verbesserung

 

DIN SPEC 91020:2012 (BGM)

  • 4    Umfeld der Organisation
  • 4.1    Umfeld der Organisation verstehen
  • 4.2    Erfordernisse und Erwartungen der Interessierten Parteien verstehen
  •  8.1.3    Mitarbeiterorientierung
  • 4.3    Anwendungsbereich des BGM-Systems
  • 4.4    Betriebliches Gesundheitsmanagementsystem
  • 5    Führungsverhalten
  • 5.1    Führung und Selbstverpflichtung der Leitung
  • 5.2    Betriebliche Gesundheitspolitik
  • 5.3    Aufgaben, Verantwortung und Befugnisse
  • 8.1.3    Mitarbeiterorientierung
  • 6    Planung
  • 6.1    Ermittlung und Bewertung von Gesundheitschancen und -risiken
  • 6.2    Betriebliche Gesundheitsziele und Planung der Zielerreichung
  • 7    Unterstützung
  • 7.1    Bereitstellung von Ressourcen
  • 7.2    Kompetenz, Qualifikation
  • 7.3    Bewusstsein
  • 7.4    Kommunikation
  • 7.5    Dokumentation
  • 8    Betrieb
  • 8.1    Betriebliche Planung und Prüfung
  • 8.1.1    Allgemeines
  • 8.1.2    Produkt- und dienstleistungsspezifische Auswirkungen auf des BGM
  • 8.1.4      Infrastruktur  
  • 8.1.5    Ausgegliederte Prozesse
  • 8.1.2    Produkt- und dienstleistungsspezifische Auswirkungen auf des BGM
  • 8.1.4    Infrastruktur
  • 9    Evaluation der Leistung
  • 9.1    Überwachung, Messung, Analyse und Evaluation
  • 9.2    Internes Audit
  • 9.3    Managementbewertung
  • 10    Verbesserung
  • 10.1    Fehler, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement
  • 10.2    Kontinuierliche Verbesserung

BGM oder Arbeitsschutz – welche Norm sollen Sie wählen?

Mit ISO 45001 stellen Sie sicher, dass Sie nicht nur Ihrer Führungsverantwortung, sondern auch allen arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften und behördlichen Auflagen gerecht werden. Ihr Ziel: Prävention und Vermeidung arbeitsbedingter Verletzungen und Erkrankungen. Im Fokus stehen ein sicheres Arbeitsumfeld und sichere Arbeitsbedingungen.

Ein BGM in Anlehnung an die zurückgezogene Spezifikation DIN SPEC 91020 stellt die Beschäftigten der Organisation und deren Verhaltensänderung in den Mittelpunkt. Die Spezifikation hat zum Ziel, die Gesundheit aller Mitarbeiter langfristig aufrechtzuerhalten und zu fördern, was sich in der entsprechenden Wertschätzung spiegelt.

Wichtig ist, dass die präventiven Gesundheitsmaßnahmen einem ehrlichen Interesse an den Mitarbeitenden entspringen und nicht nur Mittel zum Zweck sind. Andere wesentliche Aspekte des BGM sind zum Beispiel betriebliches Eingliederungsmanagement, betriebliche Gesundheitspolitik und Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität.

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Leitfaden zum BGM

BGM auf Basis der DIN SPEC 91020

Trotz des Rückzugs der Spezifikation durch das DIN: die Auseinandersetzung mit BGM bleibt wichtig! Erfahren Sie mehr in unserem kostenfreien Leitfaden.

  • Interpretation ausgewählter Normanforderungen
  • Wie können die Anforderungen in die Praxis umgesetzt werden?
  • Was ist für einen normkonformen Nachweis erforderlich?
  • Wo liegt der Nutzen für mein Unternehmen?

Der Vorteil von DIN SPEC 91020 liegt eindeutig in deren tiefer gehenden fachlichen Bezug zum BGM. Bei ISO 45001 gelingt der Einbezug eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements nur durch die Risiken- und Chancenbewertung sowie die daraus abgeleiteten Gesundheitsziele.

 

Vorteile eines BGM nach DIN SPEC 91020

 

  • weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten
  • größere Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter, weniger Fluktuation
  • verbesserte Arbeitsqualität und Arbeitsproduktivität
  • Signalwirkung im Wettbewerb um hochqualifizierte Mitarbeiter
  • mehr Handlungssicherheit hinsichtlich relevanter Gesetze und Anforderungen 
  • gezielte Vorbereitung auf die Folgen des demografischen Wandels

 

Vorteile von Gesundheits- und Arbeitsschutz nach ISO 45001 

 

  • geringere Krankheits- und Unfallraten
  • weniger Ausfalltage und niedrigere Kosten
  • erhöhtes Sicherheitsbewusstsein Ihrer Mitarbeiter
  • höhere Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation
  • kleineres Haftungsrisiko durch mehr Rechtssicherheit
  • verbessertes Unternehmensimage und Wettbewerbsvorteile

 

BGM in ISO 45001 integrieren?

Aus der Gegenüberstellung wird die Nähe und die Integrationsmöglichkeit von DIN SPEC 91020 in ISO 45001 deutlich erkennbar. Obwohl die DIN-Spezifikation 91020 formal keine Norm ist, hat ihr das zuständige DIN-Arbeitsgremium die sogenannte High Level Structure (HLS) gegeben. Diese Grundstruktur, auf der heute alle modernen Managementsystemnormen basieren, ermöglicht eine einfache Integration weiterer Anforderungen in ein bestehendes Managementsystem.

Gemeinsame Themen sind unter anderem der Kontext (Umfeld) der Organisation, eine klare Führungsverantwortung sowie der risikobasierte Ansatz. Auch überschneiden sich viele der gesetzlichen Anforderungen, wie beispielsweise die Pflicht zur Erhebung der psychischen Gefährdungsbelastung. Zudem werden für die Analysen die gleichen Kennzahlen wie Gesundheitsstand, Arbeitsunfälle o.ä. erhoben.

DQS – Ihr Zertifizierer

Die DQS ist sowohl für ISO 45001 als auch DIN SPEC 91020 von der DAkkS akkreditiert. Im Vorfeld einer Zertifizierung kann ein Voraudit als erste Leistungsbewertung dienen, um Stärken und Verbesserungspotenzial zu identifizieren. Bei größeren Zertifizierungsprojekten ist ein Projektplanungsmeeting eine wertvolle Gelegenheit, um die DQS und Ihren Auditor kennenzulernen. Die anschließende Systemanalyse dient der Erfassung Ihres Managementsystems mit seinen Prozessen, Regelungen und Dokumenten. Im Zertifizierungsaudit erfolgt dann die eigentliche Systembegutachtung und Bewertung.

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns: Kontakt.

Autor
Nadja Götz

Produktmanagerin ISO 9001 sowie DQS-Expertin für Gesundheitsmanagementsysteme und BSI-KRITIS-Prüfungen, Auditorin und Produktmanagerin für diverse Qualitätsstandards der Rehabilitation sowie der stationären und ambulanten Versorgung.

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